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Joachim von Fiore

Geschichtstheologe, Abt und Ordensgründer in Kalabrien

oachim wurde als Sohn eines Notars in Celico geboren und arbeitete zunächst als Notar in Cosenza und am Königshof Wilhelms I. in Palermo. Er wandte sich dem religiösen Leben zu, unternahm 1166/67 eine Pilgerfahrt nach Jerusalem und wurde später Priester. Er trat ins Kloster Corazzo ein, wurde dort Prior und leitete es von 1171 bis 1177 als Abt nach der Zisterzienserregel. 1183/84 arbeitete er im Kloster Casamari am Psalterium decem chordarum, das er 1187/88 beendete. Papst Clemens III. erlaubte ihm 1188, sich seinen Studien zu widmen. Zwischen 1190 und 1195 empfing er an einem Ostermorgen seine entscheidende Erleuchtung während der Meditation über der Johannes-Apokalypse. Um 1190 gründete er den Florenser-Orden sowie das Kloster San Giovanni in Fiore, dem er als Abt vorstand. Er starb vermutlich 1202 in San Giovanni im Silagebirge.

Joachim gliederte die Geschichte in drei Zeitalter, die er mit der Trinität verband: die Zeit des Vaters im Alten Testament, die Zeit des Sohnes, die mit dem Neuen Testament beginnt und nach seiner Vorhersage 1260 endet, und die Zeit des Heiligen Geistes. Das dritte Zeitalter, auch Drittes Reich genannt, steht im Zentrum seines Geschichtsbildes und wird von der intelligentia spiritualis erleuchtet. Ihm geht die Ankunft des Antichrist voraus, der von einer kirchlichen Persönlichkeit besiegt wird. Joachim warf Petrus Lombardus vor, mit einer vierten kollektiven Einheit eine Quaternitas eingeführt zu haben. Diese These wurde 1215 auf dem Vierten Laterankonzil als Häresie verurteilt, das Kloster jedoch in Schutz genommen. 1254 wurden weitere Lehren überprüft, doch Joachim selbst wurde nie persönlich als Häretiker verurteilt. Seine Lehren verbreiteten sich rasch, besonders der Franziskanerorden nahm im 13. Jahrhundert joachimitische Ideen auf, während die Joachimiten 1256 von Papst Alexander IV. verurteilt wurden.

Joachims Ideen fanden im späten 13. und 14. Jahrhundert großen Anklang. Sie beeinflussten Dante Alighieri, der Joachim in seine Göttliche Komödie aufnahm, und wirkten auch auf die spiritualen Franziskaner sowie auf Täufer der Reformationszeit wie Thomas Müntzer. Joseph Ratzinger, der emeritierte Papst Benedikt XVI., war jahrzehntelang ein führender Joachim-Spezialist und beschäftigte sich 1956 in seiner Habilitationsschrift mit der Rezeption Joachims durch Bonaventura. 1960 verfasste er den Lexikonartikel zu Joachim und betonte, dass mit dem heiligen Benedikt von Nursia laut Joachim das Geist-Zeitalter begonnen habe. Zu Joachims Hauptwerken zählen die Concordia novi et veteris Testamenti, die Expositio in Apocalypsim, das Psalterium decem chordarum und weitere Schriften.

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Grundlage: Wikipedia-Artikel Joachim von FioreVersionsgeschichteBearbeitungsstand 265113197redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Autor/-in unbekanntentstanden 1516Public domainQuelle