Woran erkennt man Rang?
Titel, Krönung und Kleinodien – und was geschieht, wenn sich jemand die Krone selbst aufsetzt.
11 Artikelrund 5 Minuten3 Abbildungen- 01Ein Titel aus Rom
Kaiser
Der Titel Kaiser geht auf den Namen Gaius Iulius Caesars zurück. Seit Augustus trugen die römischen Herrscher den Titel Imperator Caesar Augustus. Im Oströmischen Reich bestand das Kaisertum bis 1453, im Westen erlosch es 476 oder 480. Karl der Große erneuerte 800 das westliche Kaisertum, das seither als vom Papst verliehene, christlich geprägte Würde verstanden wurde. Die Kaiser galten als Beschützer des Abendlandes mit einer Ehrenhoheit über die christlichen Könige. In der Neuzeit verlor der Titel diesen sakralen und universalen Charakter und wurde auch auf außereuropäische Herrscher übertragen. Seit 1979 trägt nur noch der Tennō von Japan den Titel Kaiser.
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- 02Das Erbe Roms
Translatio imperii
Translatio imperii bezeichnet eine politische Theorie der Antike, des Mittelalters und der frühen Neuzeit, wonach ein Weltreich das andere ablöst. Sie beruht auf der theologisch begründeten Vorstellung, dass Geschichte linear verläuft und die Herrschaft eines Fürsten oder Landes stets zu einer Folgeherrschaft eines anderen führt. Mittelalterliche Geschichtsschreiber unterschieden dabei nicht zwischen göttlicher und weltlicher Geschichte, sondern verstanden beide als eine untrennbare Einheit im Rahmen dieser eschatologischen Vorstellung.
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- 03Vorrang vor allen Königen
Römisch-deutscher Kaiser
Als römisch-deutsche Kaiser bezeichnet die neuere Forschung die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches von der Krönung Ottos des Großen 962 bis zur Niederlegung der Krone durch Franz II. 1806. Der Begriff unterscheidet sie von antiken römischen Kaisern, von Kaisern anderer Epochen und von den Deutschen Kaisern nach 1871. Grundlage war die Idee, dass der Kaiser als gesteigerter König Vorrang vor allen christlichen Königen beanspruchte. Voraussetzung waren bis zum Spätmittelalter Königswahl und Krönung durch den Papst in Rom. Seit dem Kurverein von Rhense 1338 galt die Wahl durch die Kurfürsten als ausreichend.
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- 04Gewählt, noch nicht gekrönt
Römisch-deutscher König
Als römisch-deutscher König bezeichnet die neuere Forschung die gewählten Herrscher des Heiligen Römischen Reiches, deren Kaiserkrönung noch ausstand oder nie erfolgte. Das Reich selbst wird entsprechend auch römisch-deutsches Reich genannt. Die moderne Bezeichnung soll Verwechslungen mit den Herrschern der römischen Königszeit sowie mit den Kaisern des 1871 gegründeten Deutschen Kaiserreiches vermeiden. Der lateinische Titel lautete in der Ottonenzeit rex Francorum, seit der späten Salierzeit rex Romanorum. In der Neuzeit war zudem der Titel Rex in Germania gebräuchlich.
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- 05Das Ritual der Einsetzung
Krönung der römisch-deutschen Könige und Kaiser
Die Krönung der römisch-deutschen Könige und Kaiser war eine Abfolge weltlicher und sakraler Akte zur Amtseinsetzung eines neuen Herrschers im Heiligen Römischen Reich. Das Ritual entstand über einen langen Zeitraum und war durch den Charakter des Reiches als Wahlmonarchie geprägt. Es verband Traditionen des antiken römischen und karolingisch-fränkischen Kaisertums mit der Königserhebung germanischer Völker und der kirchlichen Bischofsweihe. Seit dem Spätmittelalter folgte es den Regelungen der Goldenen Bulle, die 1356 unter Karl IV. entstand, und blieb bis zur Krönung Franz II. im Jahre 1792 fast unverändert.
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- 06Die Zeichen der Herrschaft
Reichskleinodien
Die Reichskleinodien sind die Herrschaftsinsignien der Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reiches und der einzige fast vollständig erhaltene Kronschatz aus dem Mittelalter. Zu den wichtigsten Stücken zählen Reichskrone, Heilige Lanze, Reichsschwert und Krönungsmantel. Vom Hochmittelalter bis 1792 wurden sie bei fast allen Krönungen in Aachen und Frankfurt am Main verwendet. Ihr Besitz galt als wichtiges Kennzeichen der Legitimität des Herrschers. Zunächst wechselten die Aufbewahrungsorte, von 1424 bis 1797 lag der Schatz größtenteils im Heilig-Geist-Spital in Nürnberg. Während der Koalitionskriege kam er nach Paderborn und Regensburg, 1800/1801 ließ Franz II. ihn nach Wien bringen. Von 1938 bis 1945 war er erneut in Nürnberg. Seit 1954 zeigt ihn die Schatzkammer der Wiener Hofburg.
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- 07Der Krönungsort
Aachen
Otto I. wurde 936 in Aachen zum ostfränkischen König gekrönt. Die Stadt blieb damit für die nächsten 600 Jahre Krönungsort der deutschen Könige. Bis 1531 wurden 30 deutsche Könige im Aachener Münster gekrönt; der letzte war Ferdinand I. Nachdem der Gegenpapst Paschalis III. Karl den Großen 1165 heiliggesprochen hatte, erhielt Aachen am 8. Januar 1166 durch das Karlsprivileg Kaiser Friedrich Barbarossas die Stadtrechte sowie das Markt- und Münzrecht und wurde Reichsstadt. Seine Einwohner wurden von der Lehenshörigkeit befreit. Aus dieser Zeit stammt der Reichsadler im Stadtwappen. Am 29. Juli 1215 bestätigte Kaiser Friedrich II. der Stadt alle Rechte, die sie seit Karl dem Großen erhalten habe.
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- 08Ehrenämter mit Gewicht
Reichserzkanzler
Die Ämter der Erzkanzler zählten im Heiligen Römischen Reich zu den Erzämtern und waren den geistlichen Kurfürsten vorbehalten. Während die meisten Erzämter nur zeremonielle Bedeutung hatten, blieb das Amt des Erzkanzlers für das Reich der Deutschen bis zum Ende des Alten Reiches im Jahr 1806 politisch bedeutsam.
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- 09Die Regeln des Auftritts
Zeremonie
Eine Zeremonie ist ein nach festgelegtem Protokoll oder Ritus ablaufender förmlich-feierlicher Akt. Dabei finden bestimmte Rituale oder vorgegebene Handlungen statt, die oft Symbolcharakter besitzen. Die Regeln eines solchen Ablaufs werden als Zeremoniell bezeichnet. Zeremonien finden häufig öffentlich oder vor Publikum in repräsentativem Rahmen statt, können aber auch privat sein. Sie sind sowohl im religiösen und sakralen Raum als Kult und Gottesdienst verbreitet als auch im weltlichen Bereich, etwa als Hofzeremoniell oder Staatsakt. Viele Zeremonien gehen auf althergebrachte Traditionen zurück. Ein Zeremonienmeister plant und organisiert den Ablauf und achtet auf die Einhaltung der vorgegebenen Regeln.
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- 10Eine Krone außerhalb des Reichs
Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg
Am 18. Januar 1701 krönte sich Friedrich III. von Brandenburg in Königsberg als Friedrich I. selbst zum König in Preußen. Möglich war dies, weil das Herzogtum Preußen außerhalb des Heiligen Römischen Reiches lag und Friedrich dort souveräner Herzog war. Die Rangerhöhung half dem Kurfürsten, seine verstreuten Territorien mit größerer Autorität zu vertreten und innerlich zu einen. Voraus gingen schwierige Verhandlungen mit Kaiser Leopold I. um Anerkennung der Königswürde, begünstigt durch den drohenden Krieg zwischen Habsburg und Bourbon um das spanische Erbe.
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- 11Die Krone wird niedergelegt
Franz II. (HRR)
Franz Joseph Karl, geboren am 12. Februar 1768 in Florenz, gestorben am 2. März 1835 in Wien, stammte aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Von 1792 bis 1806 war er als Franz II. der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. 1804 begründete er das Kaisertum Österreich und regierte es als Franz I. bis zu seinem Tod. Den neuen Titel nahm er an, um dem Hegemoniestreben Napoleon Bonapartes zu begegnen und einem Statusverlust vorzubeugen. Am 6. August 1806 legte er die deutsche Kaiserkrone nieder und entband die Stände ihrer Pflichten. Faktisch war das Reich durch den Rheinbund gesprengt worden. Bis 1835 blieb Franz König von Böhmen, Kroatien und Ungarn.
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