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Aachen

kreisfreie Großstadt im Regierungsbezirk Köln in Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Der Name

er antike Name der Stadt ist nicht überliefert. Da Karl der Große seine Pfalz auf den Resten römischer Bäder gründete, gilt das lateinische Wort aqua für Wasser als Namensursprung. In lateinischen Texten des Mittelalters erscheint der Ort als Aquae oder Aquis, zunehmend als Aquisgrani. Daraus wird geschlossen, der antike Name habe Aquae Granni gelautet und der Ort sei nach einer dem keltischen Gott Grannus geweihten Quelle benannt. Eine andere Theorie hält Aquisgrani für eine Schöpfung der lateinischen Kanzleisprache des Fränkischen Reiches im 8. Jahrhundert. Der französische Name Aix-la-Chapelle verbindet den auf Aquis zurückgehenden Bestandteil Aix mit dem Bezug auf die Aachener Pfalzkapelle.

AachenOrt auf der Karte 164850.7762 N, 6.0838 OAuf der Karte zeigen

Lage

Aachen liegt im Grenzgebiet zu den Niederlanden und Belgien am Nordrand der Eifel beziehungsweise des Rheinischen Schiefergebirges. Die Stadt liegt im Dreiländereck Deutschland–Belgien–Niederlande in einem nach Nordosten geöffneten Talkessel, in dem sich fast alle Aachener Bäche in der Wurm sammeln. Das Stadtgebiet gehört zum Einzugsgebiet der Maas und liegt etwa 30 km nördlich des Hohen Venns. Der höchste Punkt misst 410 m ü. NHN, der tiefste 125 m ü. NHN; der Marktplatz liegt auf 175 m ü. NHN. Die Stadtgrenze ist 87,7 km lang, davon 23,8 km Grenze zu Belgien und 21,8 km zu den Niederlanden.

Frühe Geschichte

Das Gebiet um Aachen war spätestens während der Jungsteinzeit zwischen 3000 und 2500 v. Chr. bewohnt. Auf dem Lousberg baute man Feuerstein ab. In der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit war Aachen von Kelten besiedelt. Nach den Kelten siedelten die Römer an den warmen Quellen; ein römisches Heilbad ist im 1. Jahrhundert belegt. Nach den Ausgrabungen ist von einer römischen Stadtbebauung von etwa 25 Hektar seit Christi Geburt auszugehen. Für sie ist seit dem Frühmittelalter der Name Aquae Granni oder Aquis Granni überliefert. Auch in der Spätantike ging der Betrieb der römischen Bäder weiter.

Pfalz der Karolinger

Ausgrabungen am Elisengarten ergaben, dass Aachen nach dem Abzug der Römer bis 700 durchgängig besiedelt war. Der fränkische König Pippin der Jüngere baute in Aachen einen Hof und sorgte 765 für die erste schriftliche Erwähnung als Aquis villa. Pippins Sohn Karl, später Karl der Große genannt, erbte das Fränkische Reich und den Aachener Hof und überwinterte schon im Winter 768/69 dort. Er baute ihn zu einer Kaiserpfalz mit Palast und Pfalzkapelle aus. An der Stelle des Palastes steht heute das Rathaus, die Kapelle wurde zum Aachener Dom. Karls Sohn Ludwig wurde 813 im Obergeschoss der Pfalzkapelle zum Mitkaiser gekrönt. Karl der Große wurde am 28. Januar 814 im Vorhof der Kapelle beigesetzt.

Mitte des 9. Jahrhunderts krönte sich Lothar I., der älteste Enkel Karls des Großen, in der Aachener Pfalzkapelle zum Kaiser. Karl III. und Arnulf sind in Aachen nicht mehr nachweisbar. Erst mit Otto I. nahm die Nutzung der Pfalz wieder deutlich zu, eine Entwicklung, die nach Heinrich II. erneut abbrach.

Reichsstadt und Krönungsort

Otto I. wurde 936 in Aachen zum ostfränkischen König gekrönt. Die Stadt blieb damit für die nächsten 600 Jahre Krönungsort der deutschen Könige. Bis 1531 wurden 30 deutsche Könige im Aachener Münster gekrönt; der letzte war Ferdinand I. Nachdem der Gegenpapst Paschalis III. Karl den Großen 1165 heiliggesprochen hatte, erhielt Aachen am 8. Januar 1166 durch das Karlsprivileg Kaiser Friedrich Barbarossas die Stadtrechte sowie das Markt- und Münzrecht und wurde Reichsstadt. Seine Einwohner wurden von der Lehenshörigkeit befreit. Aus dieser Zeit stammt der Reichsadler im Stadtwappen. Am 29. Juli 1215 bestätigte Kaiser Friedrich II. der Stadt alle Rechte, die sie seit Karl dem Großen erhalten habe.

Der Bau der inneren Stadtmauer geht auf Barbarossa zurück und begann 1171; sie heißt bis heute Barbarossamauer. 1248 fiel die Stadt im Rahmen der Belagerung von Aachen an Wilhelm von Holland, der hier zum König gekrönt wurde. Die Belagerer hatten das Wasser der Bäche aufgestaut und einen großen Teil des ummauerten Stadtgebiets unter Wasser gesetzt. Richard von Cornwall, 1257 in Aachen gekrönt, förderte den Bau des äußeren Mauerrings mit elf Stadttoren und 22 Türmen, dessen Bauzeit etwa 100 Jahre betrug. 1336 bestätigte Kaiser Ludwig IV. die Stadtrechte erneut und weitete sie auf das Gebiet des Aachener Reichs aus. Zum Schutz der Außenbezirke beschloss man den Bau des Aachener Landgrabens.

1258 wurde erstmals der Tuchwalker erwähnt; die Tuchfabrikation war jahrhundertelang der wesentliche Wirtschaftsfaktor. Durch die Erzvorkommen der Umgebung wurde Aachen besonders im 16. Jahrhundert ein europäisches Zentrum der Messingindustrie und der Kupferverarbeitung. Mit den Religionsunruhen der Reformationszeit und der Vertreibung der Protestanten verließen viele Kupferschläger die Stadt. Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Aachener Heiligtumsfahrt durchgeführt, die ab 1349 alle sieben Jahre ihren Höhepunkt erreichte. Das heutige Rathaus wurde 1349 auf Initiative der Bürgerschaft unter ihrem Bürgermeister Gerhard Chorus auf den Resten der baufälligen Königshalle errichtet. 1500 wurde Aachen Teil des Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreises. Im 16. Jahrhundert begann der politische Bedeutungsverlust; mit der Loslösung der Niederlande wurde Aachen von Frankfurt als Krönungsort abgelöst.

Neuzeit

1601 ließ Aachen erstmals seine Einwohner zählen: 14.171 Einwohner, von denen nur 2829 das Bürgerrecht besaßen. Am 2. Mai 1656 brach in einer Backstube ein Feuer aus, das fast das gesamte gotische Aachen zerstörte; sieben Menschen starben, 4664 Häuser wurden zerstört. Danach baute der Badearzt François Blondel Aachen zu einem der modernsten Badeorte Europas aus. Der Devolutionskrieg zwischen Spanien und Frankreich wurde 1668 mit dem Ersten Aachener Frieden beendet. 1748 beendete ein Friedenskongress in Aachen den Österreichischen Erbfolgekrieg mit dem Zweiten Aachener Frieden. In der Folge der Französischen Revolution besetzten Armeen 1794 Aachen und vereinten es mit Frankreich; zahlreiche Kulturgüter wurden nach Paris verschleppt.

Preußen und Industrie

Nach dem Wiener Kongress wurde die Stadt 1815 in das Königreich Preußen eingegliedert. 1816 wurde sie Sitz einer preußischen Bezirksregierung und eines Landkreises und selbst Stadtkreis. Ab dem 27. Juni 1822 gehörte sie mit dem gesamten Regierungsbezirk zur Rheinprovinz. Die Einführung der Dampfkraft in der Tuchindustrie, die Mechanisierung, Arbeitslosigkeit sowie Frauen- und Kinderarbeit bei Niedrigstlöhnen führten zu Unruhen, die 1830 blutig niedergeschlagen wurden. Die ab 1837 von Köln aus gebaute Rheinische Eisenbahn erreichte 1841 Aachen und 1843 den belgischen Grenzbahnhof Herbesthal.

Der Dom

Der ursprünglich als Pfalzkapelle Karls des Großen errichtete Dom ist das Wahrzeichen der Stadt. Der Kuppelbau wurde etwa im Jahr 800 vollendet und war rund 400 Jahre der größte freischwebende Kuppelbau nördlich der Alpen. Architektonisches Vorbild war die Basilika San Vitale in Ravenna. Der Marmorthron Karls des Großen steht im Obergeschoss des Oktogons; 30 deutsche Könige wurden zwischen 936 und 1531 auf ihm gekrönt. Im Chorpolygon steht der goldene Karlsschrein von 1215 mit den Gebeinen Karls des Großen. Der 1239 vollendete Marienschrein enthält die vier Aachener Heiligtümer. Das Ensemble aus Dom und Domschatz wurde 1978 als erstes deutsches und zweites Kulturdenkmal weltweit in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Rathaus und Stadtbefestigung

Auf den Grundmauern der Palastaula der karolingischen Kaiserpfalz wurde im 14. Jahrhundert das gotische Rathaus erbaut. Nur der Granusturm zeugt von der ursprünglichen Bebauung aus der Zeit Karls des Großen. Im ersten Stockwerk befindet sich der Krönungsfestsaal, geschmückt mit fünf Fresken Alfred Rethels zu Szenen aus dem Leben Karls des Großen. Zu sehen sind Kopien der Reichskleinodien und des Reichsevangeliars. Im Erdgeschoss zeugen reich ausgestattete Räume vom Glanz der freien Reichsstadt im 17. und 18. Jahrhundert, als das Rathaus zum barocken Stadtschloss umgebaut wurde.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel AachenVersionsgeschichteBearbeitungsstand 269604265redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Foto: CEphoto, Uwe Aranasentstanden 2014CC BY-SA 3.0Quelle