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Karl der Große

König des Fränkischen Reiches und römischer Kaiser

Herkunft

arl stammte aus der Familie, die heute als Karolinger bezeichnet wird und erst seit 751 die fränkische Königswürde innehatte. Ihr Aufstieg begann im 7. Jahrhundert und beruhte auf der Schwäche des Königtums der Merowinger, während die Macht an die Hausmeier überging. Karl war der älteste Sohn Pippins des Jüngeren und dessen Frau Bertrada. Als Geburtstag steht der 2. April fest, festgehalten in einem Kalender des Klosters Lorsch aus dem 9. Jahrhundert. Für das Geburtsjahr wird 747 oder 748 angenommen, der Geburtsort ist unbekannt. 751 kam Karls Bruder Karlmann zur Welt, 757 die Schwester Gisela. Über die Kindheit ist fast nichts bekannt.

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Zu Beginn des Jahres 754 überquerte Papst Stephan II. die Alpen und kam ins Frankenreich. Grund waren die Übergriffe des Langobardenkönigs Aistulf, der 751 das Exarchat von Ravenna erobert hatte. Beim Treffen in der Pfalz von Ponthion trat der Papst als Hilfesuchender auf. Pippin ging ein Freundschaftsbündnis ein und sagte Unterstützung gegen die Langobarden zu. Pippin hatte 751 den letzten Merowingerkönig Childerich III. entthront. Zu Ostern 754 in Quierzy garantierte er dem Papst mehrere Territorien in Mittelitalien, die sogenannte Pippinische Schenkung. Noch 754 salbte Stephan II. Pippin und seine beiden Söhne in Saint-Denis zu Königen der Franken. Alle drei erhielten den Ehrentitel Patricius.

Herrschaftsantritt

Pippin starb am 24. September 768 in Saint-Denis. Kurz zuvor hatte er verfügt, dass das Reich unter Karl und Karlmann geteilt werden sollte. Karl erhielt Austrasien, den Großteil Neustriens und den Westen Aquitaniens, Karlmann das restliche Aquitanien, Burgund, die Provence, Septimanien, das Elsass und Alamannien. Bayern blieb ausgeschlossen. Am 9. Oktober 768 wurde jeder Bruder in seinem Reichsteil zum König gesalbt, Karl in Noyon, Karlmann in Soissons. Beide regierten unabhängig voneinander, ihr Verhältnis war von Beginn an angespannt. Offen wurde der Bruch, als Karlmann 769 die Unterstützung gegen das aufständische Aquitanien verweigerte.

Die Mutter Bertrada versuchte zu vermitteln und strebte ein Bündnissystem an, das den Langobardenkönig Desiderius und Tassilo einschloss. Karl willigte zunächst in eine Ehe mit einer Langobardenprinzessin ein. Im Frühjahr 771 brach er mit den Plänen seiner Mutter, sandte seine langobardische Gemahlin zurück und heiratete die Alamannin Hildegard. Damit handelte er erstmals erkennbar eigenständig. Eine offene Konfrontation mit Karlmann verhinderte dessen überraschender Tod am 4. Dezember 771. Karl übernahm die Macht im Reich des Verstorbenen, dessen Große ihm noch im Dezember 771 in Corbeny huldigten. Karlmanns Witwe Gerberga floh mit ihren Kindern zu Desiderius nach Italien.

Der Langobardenfeldzug

Im Frühjahr 773 baten Gesandte Papst Hadrians am Hof Karls um Unterstützung gegen die Langobarden. Karl entschloss sich zu einem großangelegten Feldzug und zog im Spätsommer 773 mit zwei Heeresaufgeboten von Genf aus nach Italien. Desiderius zog sich nach Pavia zurück. Nach neun Monaten kapitulierte die Stadt Anfang Juni 774. Karl besetzte das gesamte Langobardenreich und gliederte es ein. Er nannte sich fortan König der Franken und der Langobarden; die Titulatur ist in einer Urkunde vom 16. Juli 774 erstmals bezeugt. Oberitalien und Teile Mittelitaliens sollten später als Reichsitalien Bestandteil des römisch-deutschen Reiches sein.

Zu Ostern 774 erschien Karl mit Gefolge vor Rom, während sein Heer noch Pavia belagerte. Papst Hadrian war überrascht. Dreißig Meilen vor der Stadt wurde der Frankenkönig rituell empfangen, das Protokoll orientierte sich am Empfang des byzantinischen Exarchen. In St. Peter empfing Hadrian ihn feierlich, beide versicherten sich ihrer Freundschaft. Realpolitisch bedeutsam war die Erneuerung des Pactum, der von Pippin geschlossenen Übereinkunft über die päpstlichen Gebietsansprüche.

Die Sachsenkriege

Im Sommer 772 begannen die bis 804 andauernden Sachsenkriege. Die Sachsen waren pagan und lebten in locker organisierten Stammesverbänden. Der Krieg begann mit einem Vorstoß tief ins sächsische Gebiet: Karl stieß von Worms aus auf die Eresburg vor und ließ anschließend das Heiligtum Irminsul zerstören. 775 drang er mit einem großen Heer in Sachsen ein und erzwang die Unterwerfung der Engern und der Ostfalen. Die Reichsannalen berichten zum Jahr 775 von drei Blutbädern. Spätestens jetzt betrachtete Karl die Feldzüge auch als Missionierungswerk. 777 hielt er in Paderborn die erste Reichsversammlung außerhalb des fränkischen Kernlands ab.

778 erscheint erstmals Widukind als Anführer der Aufständischen. 779 besiegte Karl die Sachsen bei Bocholt. 782 erhoben sich große Teile der Sachsen erneut und schlugen am Süntel ein fränkisches Aufgebot vernichtend. Bei Verden an der Aller kam es noch 782 zum sogenannten Blutgericht von Verden: Den Reichsannalen zufolge wurden 4500 Sachsen auf Befehl Karls getötet. Die Zahl mag übertrieben sein, die Maßnahme war äußerst brutal. 785 unterwarf sich Widukind und ließ sich zu Weihnachten in der Pfalz Attigny taufen, Karl war sein Taufpate. 797 wurde die Capitulatio de partibus Saxoniae durch eine mildere Verordnung ersetzt, 802 mit der Lex Saxonum geschriebenes Recht erlassen. 804 waren die Sachsenkriege endgültig beendet.

Spanien und Awaren

778 unternahm Karl einen Feldzug nach Nordspanien. Pamplona wurde erobert, der Vorstoß auf Saragossa blieb erfolglos. Als die Nachricht vom Aufstand in Sachsen eintraf, brach Karl den Feldzug ab. Im August 778 fügten die Basken der Nachhut in der Schlacht von Roncesvalles erhebliche Verluste zu; unter den Gefallenen war Hruotland, Graf der bretonischen Mark. Später war Karl erneut in Nordspanien aktiv: Barcelona fiel 803, Pamplona 811.

788 unternahmen die Awaren Einfälle in das Frankenreich. 791 begann eine großangelegte fränkische Invasion des Awarenreichs. 795 bot eine awarische Gruppe an der Elbe die Unterwerfung ihres Anführers an. 796 marschierte ein fränkisches Heer erneut ein und machte reiche Beute, der neue Khagan unterwarf sich. Die Macht der Awaren war damit gebrochen.

Das Ende Bayerns als eigener Macht

In Bayern regierte Tassilo III., ein Neffe König Pippins, als Herzog. Er genoss dort faktisch eine königsähnliche Stellung und urkundete 769 in Anlehnung an die karolingische Königstitulatur. 787 wurde er nach Worms vorgeladen, erschien nicht und unterwarf sich im Oktober 787 nach militärischem Vorgehen Karls. Im Juni 788 wurde Tassilo nach Ingelheim vorgeladen und mit seiner Familie festgesetzt. Der Vorwurf lautete, er habe mit den Awaren paktiert. Er wurde zum Tode verurteilt, Karl wandelte das Urteil in lebenslange Klosterhaft um. 794 musste er auf der Synode von Frankfurt öffentlich verzichten. Bayern behielt eine gewisse Sonderstellung, wurde politisch aber endgültig Teil des Reiches.

Die Kaiserkrönung

Seit 795 war Leo III. Papst. Ende April 799 wurde ein Attentat auf ihn verübt; er flüchtete zu Karl nach Paderborn. Karl leistete militärische Unterstützung und ließ ihn Ende 799 nach Rom zurückführen. Ende November 800 erschien Karl selbst in Rom. Am 25. Dezember 800 krönte ihn der Papst in Alt-St. Peter zum Kaiser. Damit begann die Übertragung der römischen Herrschaft auf die Franken. Das Kaisertum im Westen, wo 476 der letzte Kaiser in Italien abgesetzt worden war, wurde erneuert. Der Anspruch wurde später von den Karolingern und seit den Liudolfingern von den römisch-deutschen Königen beansprucht. Die Darstellung einer spontanen Krönung gilt in der Forschung als unzutreffend; Karl hatte darauf hingearbeitet.

Hof und Verwaltung

Die frühmittelalterlichen Könige reisten mit dem Hof von Pfalz zu Pfalz. Der Schwerpunkt von Karls Reisewegen lag im Nordosten zwischen Maas und Rhein-Main-Gebiet. Bis zu 26 Aufenthalte sind für Aachen belegt, das wegen der Wälder und der heißen Quellen seine Lieblingsresidenz wurde. Dort entstand die Aachener Königspfalz. Der Hof war auch kulturelles Zentrum. Der angesehenste Gelehrte war der Angelsachse Alkuin, gestorben 804, der 782 an den Hof kam und die Hofschule leitete. Hinzu kamen Einhard, Petrus von Pisa, Paulus Diaconus, Paulinus II. von Aquileia und Theodulf von Orléans.

Karl beseitigte die letzten Reste der älteren Stammesherzogtümer; mit Tassilo III. war 788 der letzte Herzog abgesetzt. Die Verwaltung lag vor allem bei den Grafen, besondere Bedeutung erlangten die Markgrafen in den neuen Grenzmarken. Die Königsboten wurden paarweise entsandt, je ein weltlicher und ein geistlicher Bote. Sie nahmen den Treueeid ab, den 789 alle männlichen Bewohner ab zwölf Jahren leisten mussten; 802 wurde er erneut eingefordert. 164 als echt angesehene Urkunden Karls sind überliefert. Im März 789 erließ Karl das Kapitular Admonitio generalis, das in 82 Kapiteln auf kirchliche Neuordnung und Belebung des Wissens einging.

Bildungsreform

Im Frankenreich war das Latein im 7. und 8. Jahrhundert zunehmend verwildert, die kirchlichen Bildungseinrichtungen verfielen. Seit Ende des 8. Jahrhunderts wurde der Verfall durch gezielte Kulturförderung umgekehrt. Der Schlüsselbegriff war correctio. Karl förderte die Reform, die Umsetzung war maßgeblich Alkuins Verdienst. Als neue Schriftart setzte sich die karolingische Minuskel durch. Mehrere Klöster erlebten einen Aufschwung, darunter St. Gallen, Reichenau, St. Emmeram, Mondsee und Fulda. Antike Texte wurden wieder gelesen und kopiert; besonders nachgefragt waren Ovid und Vergil. Viele sind nur deshalb erhalten, weil sie im Rahmen der Bildungsreform neu kopiert wurden.

Tod und Nachfolge

Am 28. Januar 814 starb Karl der Große in Aachen. Ende Januar litt er unter hohem Fieber und Schmerzen in der Seite. Er wurde in der Aachener Pfalzkapelle beigesetzt. 806 hatte er in der Divisio Regnorum einen Reichsteilungsplan verfasst. Nachdem seine beiden älteren Söhne verstorben waren, erhob er im September 813 auf einem Hoftag seinen Sohn Ludwig, seit 781 Unterkönig in Aquitanien, zum Mitkaiser und verzichtete dabei auf eine Beteiligung des Papstes. In Ludwigs Regierungszeit zerbrach die Reichseinheit; es entstanden das West- und das Ostfrankenreich. Die Gebeine liegen im Karlsschrein im Chorraum des Doms von Aachen.

Nachleben

Karl galt über das gesamte Mittelalter als idealer Kaiser. Die Krönung der römisch-deutschen Könige war für Jahrhunderte auf die Aachener Pfalzkapelle fixiert. An die Erneuerung des Kaisertums knüpfte Otto der Große mit seiner Kaiserkrönung 962 an. Der Beiname der Große kam erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts auf. Otto III. besuchte im Mai 1000 Karls Grab. 1165 erfolgte die Heiligsprechung und die Erhebung der Gebeine in Aachen; Papst Alexander III. akzeptierte sie nicht. Am 27. Juli 1215 wurden die Gebeine unter Mitwirkung Friedrichs II. in den Karlsschrein überführt. Eine kaiserliche Förderung des Karlskults setzte erst mit Karl IV. ein.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Karl der GroßeVersionsgeschichteBearbeitungsstand 269663683redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Albrecht Dürerentstanden 1511–1513Public domainQuelle