Ludwig der Fromme
König des Fränkischen Reiches und römischer Kaiser
Reformen der Anfangsjahre
ie Herrschaftsübernahme Ludwigs verlief mühelos, aber nicht bruchlos. Er brachte eigenes Personal aus Aquitanien mit und besetzte den Hofstaat neu. In den ersten Jahren zeigte sich ein großer Reformwille: Kapitularien wurden erlassen, missi dominici deckten Missstände auf, und auf Synoden wurde das Kirchenrecht reformiert. 816 machte eine Aachener Reichssynode die benediktinischen Regeln für alle Mönche und Nonnen im Frankenreich verbindlich, die Institutio canonicorum Aquisgranensis schuf eine einheitliche Norm für nichtmonastische Kleriker- und Frauengemeinschaften. Auch das Prozessrecht wurde erneuert: Gottesurteile wurden teilweise abgeschafft, der Zeugenbeweis eingeführt. Stark war der Einfluss kirchlicher Berater wie Benedikt von Aniane und Erzbischof Ebo von Reims.
Der Reichsteilungsplan von 817
Nach einem Unfall, den er fast unverletzt überstand, regelte Ludwig 817 im dritten Jahr seiner Herrschaft seine Nachfolge. In der Ordinatio imperii teilte er das Reich nicht unter seine drei Söhne auf, sondern schuf eine Sonderregel für das Kaisertum. Lothar, der älteste Sohn aus erster Ehe mit Irmingard, wurde in Aachen zum Mitkaiser gekrönt und erhielt eine außenpolitische Hoheit über das Gesamtreich. Die jüngeren Söhne Pippin und Ludwig wurden ihm untergeordnet: Pippin bekam Aquitanien, Ludwig den östlichen Teil des Reichs. Theodor Schieffer nannte 817 den Höhepunkt des karolingischen Zeitalters. Der 812 eingesetzte König Bernhard von Italien wehrte sich gegen diese Regelung, sein Aufstand wurde niedergeschlagen. Zum Tode verurteilt, wurde er von Ludwig zur Blendung begnadigt und starb an den Folgen.
Zweimalige Entmachtung
830 kam es zum offenen Aufstand gegen Ludwig, ausgelöst durch einen Feldzug gegen die Bretonen während der Fastenzeit. Sein Sohn Lothar wurde aus Italien zurückgeholt und zum Mitregenten gemacht, Ludwig in leichter Haft gehalten, Kaiserin Judith in ein Kloster bei Poitiers verbannt. Im Oktober 830 wurde Ludwig auf der Reichsversammlung von Nimwegen wieder eingesetzt. 832 unterwarfen sich Ludwig der Deutsche und Pippin, verbündeten sich mit Lothar, da sie eine Schmälerung ihrer Reichsteile zugunsten Karls des Kahlen befürchteten. Ende Juni 833 musste Ludwig sich auf dem Rotfeld bei Colmar ergeben und wurde ins Kloster Saint-Médard bei Soissons verbannt; Judith kam nach Tortona, ihr Sohn Karl der Kahle ins Kloster Prüm. Am 1. März 834 wurde Ludwig in Saint-Denis als Kaiser eingesetzt.
Die letzten Jahre
837 schuf ein neuer Reichsteilungsplan zugunsten Karls des Kahlen, der ihm Friesland und das Gebiet zwischen Maas und Seine zusprach, Unruhe, die erst durch den Vertrag von Verdun 843 mit der Teilung des Frankenreichs beendet wurde. Der Tod von Ludwigs Sohn Pippin 838 ebnete den Weg zu einer Dreiteilung unter Lothar, Ludwig den Deutschen und Karl den Kahlen. Zuvor hatte Ludwig seinen Sohn Ludwig den Deutschen gegen sich aufgebracht, weil er ihm nur noch Bayern zugestehen wollte, und musste eine Strafexpedition unternehmen. Auf deren Rückkehr starb Ludwig der Fromme am 20. Juni 840 auf einer Rheininsel bei Ingelheim. Er wurde entgegen seinem Wunsch, in Kornelimünster bestattet zu werden, von seinem Halbbruder Drogo in der Abtei St. Arnulf in Metz beigesetzt.