Karl der Kahle
westfränkischer König (843–877) und Kaiser (875–877)
Herkunft und Jugend
arl war der jüngste Sohn Kaiser Ludwigs des Frommen aus dessen zweiter Ehe mit Judith. Nach der von Karl veranlassten Hinrichtung des Grafen Bernhard von Septimanien im Jahr 844 kam die Vermutung auf, Bernhard sei wegen Ehebruchs mit Karls Mutter getötet worden. Vor allem Karls rivalisierende Brüder schürten das Gerücht, Karl sei gar nicht Ludwigs Sohn, sondern Bernhards Nachkomme. Die lange angenommene Erziehung durch Walahfrid Strabo, der 829 nach Aachen berufen worden war, gilt in der neueren Forschung als widerlegt. Sein Beiname der Kahle könnte darauf hindeuten, dass er beim Reichstag in Worms 829 im Gegensatz zu seinen älteren Brüdern bei der Reichsteilung nicht berücksichtigt worden war, also zu diesem Zeitpunkt landlos war.
Aufstieg und Kämpfe im Westreich
Mit sechs Jahren wurde Karl im August 829 zum dux Alemanniae ernannt, 838 zum Unterkönig von Neustrien gekrönt. Nach dem Tod Kaiser Ludwigs 840 und dem gemeinsam mit Ludwig dem Deutschen erkämpften Sieg über Lothar I. in der Schlacht von Fontenoy 841 fiel Karl im Vertrag von Verdun 843 das westliche Drittel des Reichs von den Pyrenäen bis zur Schelde zu. Bald darauf wurde ihm der einschränkende Vertrag von Coulaines aufgezwungen. 848 kam die direkte Herrschaft über Aquitanien hinzu. 864 erließ er das Edictum Pistense zu Geldmünzen. Nach dem Tod Lothars II. 869 versuchte er, dessen Gebiet zu übernehmen, musste es aber 870 im Vertrag von Meerssen teilen. Eine Revolte seines Sohnes Karlmann schlug er nieder. Wiederholt griffen Wikinger das Reich an, 845 belagerten sie Paris unter Reginheri, weitere Belagerungen folgten 856, 865 und 866. Karl konnte keine wirksame Verteidigung organisieren, was den Niedergang der Königsmacht förderte.
Kaiserkrönung und Ende
Nach dem Tod seines Neffen Ludwig II. von Italien 875 erbte Karl dessen Königreich samt dem seit 863 zugehörigen Großteil Burgunds. Auf seinem Italienzug wurde er am 25. Dezember 875 in Rom zum römischen Kaiser gekrönt. Für diesen Anlass entstand ein hölzerner Thronsessel, den Karl später Papst Johannes VIII. schenkte; man hielt ihn irrtümlich für den Stuhl des Simon Petrus, seit 1666 steht er als Cathedra Petri im Petersdom. Anfang 876 wurde Karl zum König der Langobarden gekrönt. Er starb im Oktober 877 und wurde in Nantua, später in Saint-Denis bestattet; bei der Plünderung der Königsgräber während der Französischen Revolution wurde sein Grab 1793 geöffnet. Erben wurden sein Sohn Ludwig der Stammler und sein Neffe Karlmann. Karl förderte Gelehrte wie Johannes Scotus Eriugena und prägte so das intellektuelle Leben seiner Zeit.