Ludwig der Deutsche
König des Ostfrankenreiches, König von Bayern
ach dem Tod Ludwigs des Frommen erhob Lothar Anspruch auf alle in der Ordinatio von 817 festgelegten Kaiserrechte. Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle verbündeten sich daraufhin gegen ihn, während Lothar ein Bündnis mit seinem Neffen Pippin II. einging. In der Schlacht von Fontenoy im Juni 841 kämpften Ludwig und Karl erfolgreich gegen Lothar und Pippin II., wobei beide Seiten schwere Verluste erlitten. Am 14. Februar 842 bekräftigten Ludwig und Karl ihr Bündnis in Straßburg durch wechselseitige Eide, deren volkssprachlicher Wortlaut beim Chronisten Nithard überliefert ist. Im Sommer 842 begannen Friedensverhandlungen, ausgehend von den bestehenden Herrschaftsrechten Lothars in Italien, Ludwigs in Baiern und Karls in Aquitanien. Der Wortlaut des im August 843 geschlossenen Vertrages von Verdun ist nicht überliefert, doch die Annales Bertiniani geben den Inhalt in groben Zügen wieder. Lothar erhielt das Reich in der Mitte mit den Kaiserstädten Aachen und Rom, das sich von der Nordsee bis nach Unteritalien erstreckte und schwer zu beherrschen war. Wirtschaftlich und kulturell am bedeutendsten war das Teilreich Karls des Kahlen.
Nach dem Vertrag von Verdun gehörte die Wiederherstellung der fränkischen Tributherrschaft über die Slawen zu Ludwigs dringendsten Aufgaben, da diese durch die innerdynastischen Kämpfe zusammengebrochen war. Er widmete diesem Dauerkrieg mehr Zeit, Energie und Ressourcen als jedem anderen Aspekt seiner Regierung, wobei er keine Eroberung anstrebte, sondern Treueeide und jährlichen Tribut verlangte. Im Norden gelang ihm 844 ein Sieg über die Abodriten, doch 845 musste er einen Überfall der mit ihnen verbündeten Dänen auf Hamburg hinnehmen, weshalb der Sitz des Erzbischofs Ansgar nach Bremen verlegt wurde. In Paderborn schloss Ludwig mit Dänen und Abodriten Frieden. Ebenfalls 845 ließen sich 14 böhmische Anführer vor Ludwig in Regensburg taufen. Weitaus langwieriger gestaltete sich die Auseinandersetzung mit den Mährern unter Moimir, Rastislav und Svatopluk I. 846 führte Ludwig einen großen Feldzug nach Mähren, da Moimir den Tribut verweigert hatte, und ersetzte ihn durch dessen Neffen Rastislav, der sich jedoch nach einigen Jahren ebenfalls der fränkischen Oberherrschaft zu entledigen versuchte.
Lothar I. teilte kurz vor seinem Tod am 29. September 855 das Mittelreich auf: Ludwig II. erhielt Italien, Karl das südliche Burgund und die Provence, Lothar II. die nördlichen Reichsteile. Aus Lothars II. Ehe mit Theutberga gingen keine Kinder hervor. Nach Lothars Tod am 8. August 869 ließ sich Karl der Kahle am 9. September 869 in Metz zum König in dessen Reich krönen. Ludwig, der schwer erkrankt war, schickte nach seiner Genesung im Februar 870 eine Gesandtschaft zu Karl, die mit Krieg drohte, und erhielt Unterstützung bei den lotharingischen Großen. Karl lenkte ein, und im März 870 setzten Verhandlungen ein, bei denen die Erbansprüche von Lothars Bruder Ludwig II. ignoriert wurden, der bis 871 in Süditalien gegen die Araber kämpfen musste. Im Vertrag von Meerssen gewann Ludwig der Deutsche im August 870 linksrheinische Gebiete mit Aachen, Köln, Metz und Straßburg für sich.