Aachener Königspfalz
Herrschersitz des fränkischen bzw. dann ostfränkisch-deutschen Königreiches in Aachen
chon zu Zeiten Pippins des Jüngeren gab es Bauten im Gebiet der späteren Pfalz, wohl in der Art eines größeren Gutshofs. Erst Karl der Große ließ die Pfalz ab etwa 780 zu einer großen Anlage mit Königshalle, Pfalzkapelle, Wohnturm, Garnison und Gerichtssälen ausbauen, um nördlich der Alpen ein Neues Rom als Zentrum seines Fränkischen Reiches zu schaffen. Aachen wurde seine Lieblingsresidenz wegen der nahen Waldgebiete und vor allem wegen der heißen Thermalquelle, die seine Gicht linderte. Nach 795 hielt er sich nur noch dreimal im Winter an anderen Orten auf. Die Pfalzkapelle wurde vermutlich 802 geweiht; zu dieser Zeit waren die wichtigsten karolingischen Anlagen bereits vollendet. Im Jahre 936 wurde in der Aachener Pfalz Otto der Große gekrönt und begründete damit die Tradition der Königskrönungen in Aachen.
Im vierzehnten Jahrhundert wurde unter Bürgermeister Gerhard Chorus anstelle der Königshalle das neue Aachener Rathaus errichtet, da das alte Rathaus im Grashaus nicht mehr repräsentativ genug war. Zur selben Zeit erhielt die karolingische Pfalzkapelle einen ersten gotischen Chor, dem in den folgenden Jahrhunderten zahlreiche Kapellen folgten. Nach Bränden 1624 und 1656 wurden die Dächer der Pfalzkapelle 1664 erneuert. Mit dem Ende der Königskrönungen in Aachen 1531 verlor die Pfalz ihre Bedeutung als traditioneller Krönungsort. Seit 1802 bildet die als Marienkirche errichtete Pfalzkapelle den Zentralbau des heutigen Aachener Doms, der Kathedrale des neu gegründeten Bistums Aachen.
Die Königs- und später Kaiserpfalz zu Aachen war größer als alle Güter, die je ein Frankenkönig vor Karl dem Großen besessen hatte. Ab dem Winter 794/795 ließ sich der fast fünfzigjährige Herrscher regelmäßig in Aachen nieder. In der nach römischen Vorbildern erbauten Königshalle regierte der Frankenkönig, in den angefügten, nicht mehr erhaltenen Gebäudeteilen wohnte er vermutlich mit seiner Familie. Dass der erhaltene Granusturm als Wohnraum diente, wird heute nicht mehr angenommen; er wird als eines der ersten repräsentativen Treppenhäuser nördlich der Alpen gedeutet. Ein zweigeschossiger Verbindungsbau führte zur Marienkirche im Süden der Anlage; der obere Teil nahm wohl die Hofschule auf, der untere war der Garnison vorbehalten.
Die Pfalzkapelle bildete das Kernstück der Anlage und war prächtiger gestaltet als alle Steinbauten, die nördlich der Alpen bestanden. Aus Rom und Ravenna ließ Karl Säulen und Marmor zu ihrer Ausstattung heranschaffen. Ein hölzerner Gang gestattete dem Herrscher, trockenen Fußes von seinen Wohnräumen in die Kirche zu gelangen. Nach der Kaiserkrönung in Rom am ersten Weihnachtstag des Jahres 800 bezog Karl die vollendete Pfalz und machte sie zum bildlichen und kulturellen Mittelpunkt des Reiches; bis zu seinem Tod im Jahre 814 lebte und herrschte er stets in den Wintermonaten in der Königspfalz.