Römisch-deutscher Kaiser
Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
ie mittelalterlichen Herrscher verstanden sich als Nachfolger der römischen Caesaren und Karls des Großen. Sie vertraten den Gedanken der Translatio imperii, wonach die höchste weltliche Macht von den Römern auf das fränkisch-deutsche Reich übergegangen sei. Otto der Große wurde 962 vom Papst gekrönt, seine Nachfolger nannten sich seit dem 11. Jahrhundert vor der Kaiserkrönung Rex Romanorum. Der Begriff Heiliges Römisches Reich erscheint erstmals 1157 unter Friedrich I. und ist urkundlich für 1184 belegt. Das Papsttum bestritt diesen Anspruch seit dem Investiturstreit, besonders durch Gregor VII. Nach mittelalterlichem Geschichtsverständnis, beeinflusst vom Buch Daniel, war das Römische Reich das letzte der vier Weltreiche, weshalb man im Reich Karls des Großen dessen Fortsetzung sah. Otto I. knüpfte 962 bewusst an diese Tradition an.
Auch im Spätmittelalter blieb die Reichsidee lebendig, obwohl die Macht des Kaisertums bereits geschwunden war. Heinrich VII. betonte erneut die Bedeutung des Imperiums als Universalmacht, stieß dabei aber auf Widerstand Frankreichs und des Papstes. Der Zusatz Deutscher Nation taucht erstmals 1438 im Antrittsjahr Albrechts II. auf und wurde 1486 erstmals gesetzlich erwähnt; seine Betonung verstärkte sich seit Ende des 15. Jahrhunderts, als die kaiserliche Macht in Reichsitalien kaum noch ins Gewicht fiel. Der Königstitel wandelte sich von Rex Francorum zu Rex Romanorum, nach der Kaiserkrönung kam der Zusatz semper Augustus hinzu, verdeutscht als allzeit Mehrer des Reiches.
Seit Maximilian I. 1508 trugen alle nachfolgenden Herrscher den Titel Erwählter Römischer Kaiser, eine Krönung durch den Papst entfiel künftig, mit Ausnahme Karls V., der sich 1530 in Bologna noch krönen ließ. Das Haus Habsburg stellte seit der Wahl Albrechts II. 1438 ununterbrochen die Kaiser, bis es 1740 mit Karl VI. im Mannesstamm erlosch. 1742 wurde Karl Albrecht als Karl VII. Kaiser, nach dessen Tod 1745 Franz Stephan von Lothringen. Nachdem sich Napoleon Bonaparte zum Kaiser der Franzosen proklamiert hatte, rief sich Franz II. am 11. August 1804 als Franz I. zum Kaiser von Österreich aus. Unter dem Druck des Rheinbundes und eines französischen Ultimatums legte er am 6. August 1806 die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder und löste das Reich auf.
Franz II. verwendete den Titel römisch-deutscher Kaiser auch offiziell selbst, nämlich in der Urkunde von 1804, mit der er sich die erbliche österreichische Kaiserwürde schuf. Dort spricht er sowohl vom römisch-deutschen Reiche als auch von sich als römisch-deutschem Kaiser. Er dankte am 6. August 1806 ab, eine Nachfolge gab es nicht.