Habsburg
europäische Adelsdynastie
Haus Österreich und Erzhaus
ie Bezeichnung Haus Österreich wurde im 14. Jahrhundert vom wichtigsten Erbland, dem Herzogtum Österreich, auf die Dynastie übertragen und später auf alle von ihr beherrschten Länder. Wien, die Hauptstadt des Herzogtums, war ab dem ausgehenden Mittelalter die bevorzugte Residenz. Nach der Aufwertung des Herzogtums zum Erzherzogtum bürgerte sich für die Herrscherfamilie die Bezeichnung Erzhaus ein. Sie war die einzige Familie, die den von ihr selbst geschaffenen Titel Erzherzog und Erzherzogin verwendete. Zu Beginn ihres Aufstiegs verfügten die Habsburger neben ihren Stammlanden im Norden der heutigen Schweiz über weiteren Landbesitz im Herzogtum Schwaben, vor allem im Oberelsass zwischen Basel und Straßburg.
Im Oktober 1273 wurde Rudolf I. als erster Habsburger zum römisch-deutschen König gewählt. Durch den Sieg über seinen Konkurrenten bei der Königswahl, Ottokar von Böhmen, sicherte er für sich und seine Söhne die Herzogtümer Österreich, Steiermark und Krain. Weitere bedeutende Zugewinne folgten 1335 mit dem Herzogtum Kärnten und 1363 mit der Grafschaft Tirol. Von 1438 bis 1457 fiel auch das Königreich Böhmen zum ersten Mal unter habsburgische Herrschaft.
Den Aufstieg zu europäischer und weltweiter Bedeutung verdankte die Dynastie der Heiratspolitik Maximilians I. Durch seine Ehe mit Maria von Burgund gewann er das Erbe Karls des Kühnen mit den reichen burgundischen Niederlanden und den Kernlanden der Burgunderherzöge. Die Heirat seines Sohnes Philipp des Schönen mit Johanna, der Universalerbin der Kronen von Kastilien und Aragon, machte das Haus Österreich zur mächtigsten Dynastie Europas. Maximilians Enkel Karl V. fielen die deutschen und burgundischen Erblande zu, dazu Spanien mit seinem Kolonialreich und dem Königreich Sizilien. Karls Bruder Ferdinand gewann 1526/1527 dauerhaft die Herrschaft über Böhmen sowie über Kroatien und Teile Ungarns. Mit der böhmischen Krone war die Kurfürstenwürde verbunden. Fortan gehörten die Habsburger zum Kollegium, dem die Wahl des römisch-deutschen Königs zustand.
Von 1439 bis 1806 stellte das Haus nahezu ununterbrochen die Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Nach der Abdankung Karls V. 1555 teilte sich die Dynastie in eine spanische und eine österreichische Linie. Die spanische herrschte von 1580 bis 1640 auch über Portugal und dessen überseeische Besitzungen. Die Weltmachtstellung Spaniens und die Umklammerung Frankreichs verschärften den habsburgisch-bourbonischen Gegensatz, der zahlreiche Kriege und den Abstieg Spaniens zu einer Macht zweiten Ranges zur Folge hatte. Der Tod Karls II., mit dem die spanischen Habsburger 1700 im Mannesstamm ausstarben, löste den Spanischen Erbfolgekrieg aus. An dessen Ende fiel Spanien an eine Nebenlinie des Hauses Bourbon. Zur gleichen Zeit stieg das habsburgische Österreich zur europäischen Großmacht auf und erweiterte in den Türkenkriegen seine Gebiete in Ungarn und auf dem Balkan.
1740 erlosch mit Kaiser Karl VI. auch die österreichische männliche Linie. Zuvor hatte er die meisten europäischen Mächte zur Anerkennung der Pragmatischen Sanktion bewegen können, die seiner ältesten Tochter Maria Theresia die Herrschaft ermöglichte. Aus ihrer Verbindung mit Franz Stephan, dem Herzog von Lothringen, der als Franz I. die Kaiserwürde erlangte, ging das Haus Habsburg-Lothringen hervor. Ihm entstammten bis 1806 alle römisch-deutschen Kaiser. Der letzte, Franz II., begründete 1804 als Franz I. das Kaisertum Österreich, das 1867/68 zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn umgewandelt wurde und bis 1918 bestand. Nach 1918 mussten die Habsburger auf ihre Herrschaftsansprüche in Österreich und in Ungarn verzichten. Familienoberhaupt ist seit 2007 Karl Habsburg-Lothringen, ältester Sohn Otto von Habsburgs, des letzten Kronprinzen Österreich-Ungarns.
Der Name Casa de Austria
Haus Österreich, lateinisch domus Austriae, spanisch Casa de Austria, bezeichnet sowohl die habsburgische Hausmacht, also die Territorien der Habsburgermonarchie und besonders die Erblande, als auch das ganze Adelsgeschlecht in der österreichischen und der spanischen Linie samt Nebenlinien. Der Ausdruck ist 1326 erstmals nachweisbar und setzte sich ab der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts auch auf Deutsch durch. Mit der Gründung des Kaisertums Österreich 1804 verlor er an Bedeutung. Habsburgermonarchie war die inoffizielle Bezeichnung für die in Personalunion regierten Herrschaftsgebiete des Geschlechts in der Neuzeit bis 1918, in der Regel ohne die Länder der spanischen Habsburger.
Die frühen Generationen
Um 1027 gründete Radbot zusammen mit seiner Ehefrau Ita von Lothringen das Benediktinerkloster Muri, sein Bruder Rudolf das im Oberelsass gelegene Kloster Ottmarsheim. Als Herrschaftsmittelpunkt wurde um 1020 von Radbot oder von einem Werner I. die Burg Habsburg errichtet, die in der heutigen Schweizer Gemeinde Habsburg liegt. Otto, Graf von Habsburg, gestorben 1111, war der erste der Familie, der sich von Habsburg nannte. Im 11. und 12. Jahrhundert bauten die Habsburger ihre Territorien aus, erwarben Vogteien und Grafschaftsrechte, wurden Landgrafen im Oberelsass und Vögte des Straßburger Hochstifts und beanspruchten das Erbe der Grafen von Kyburg. So nahmen sie Ländereien im Zürichgau, in Schwyz, Unterwalden, im Aargau, Frickgau und in Uri in Besitz; diese Gebiete nannte man später Stammlande.
Vom Grafen zum Fürstenhaus
Der erste Habsburger auf dem römisch-deutschen Königsthron, Rudolf I., war ein bestenfalls regional, im Südwesten des Reichs bedeutender Graf. Fünf Jahre nach seiner Wahl, am 26. August 1278, besiegte er seinen weitaus mächtigeren Rivalen Ottokar von Böhmen in der Schlacht auf dem Marchfeld östlich von Wien. Da Ottokar gefallen war, zog Rudolf I. die Herzogtümer Österreich, Steiermark und Krain als erledigte Reichslehen ein und verwaltete sie zunächst selbst. Ottokars Sohn Wenzel II. ließ er die Herrschaft über Böhmen und Mähren, verheiratete ihn aber mit einer seiner Töchter. 1283 vergab Rudolf I. Österreich und die Steiermark als Lehen an seine Söhne Albrecht I. und Rudolf II. und bewirkte so den Aufstieg seines Hauses vom Grafen- in den Fürstenstand.
Nach dem Tod des letzten Meinhardiners Heinrich von Kärnten am 2. Mai 1335 übertrug Kaiser Ludwig der Bayer den Herzögen Albrecht II. und Otto dem Fröhlichen die Herzogtümer Kärnten und Krain als Reichslehen. 1363 brachte Herzog Rudolf IV. die Grafschaft Tirol an die Habsburger. Mit dem Verlust der althabsburgischen Besitzungen in den Schweizer Habsburgerkriegen des 14. und 15. Jahrhunderts verlagerte sich das Machtzentrum endgültig in das Ostalpengebiet; die Habsburg selbst fiel 1415 an die Eidgenossen. Die Nichtberücksichtigung im Kreis der Kurfürsten in der Goldenen Bulle veranlasste Rudolf IV. 1358/1359 zu einer Fälschung, dem Privilegium Maius, in dem er den Erzherzogstitel für sich beanspruchte. Schon Francesco Petrarca urteilte, die Urkunden seien gefälscht. Erst 1453 bestätigte Kaiser Friedrich III. das Privilegium Maius.
Kaiser des Reiches
Seit der Wahl König Albrechts II. 1438 stellten die Habsburger, mit Ausnahme Kaiser Karls VII. von 1742 bis 1745, alle Kaiser des Heiligen Römischen Reiches bis zu dessen Ende 1806. Mit der böhmischen Krone fiel 1526 auch die Kurfürstenwürde und damit die Stimme des ranghöchsten weltlichen Mitgliedes unter den sieben Kurfürsten endgültig an sie. Nach dem Erlöschen der spanischen Linie mit Karl II. 1700 konnten die österreichischen Habsburger im Spanischen Erbfolgekrieg die spanische Krone nicht sichern, übernahmen aber einen Großteil der spanischen Nebenländer in Italien und den Niederlanden. Die Pragmatische Sanktion von 1713 sicherte das Erbrecht weiblicher Nachkommen. Nach dem Tod Kaiser Franz' I. Stephan stellte Habsburg-Lothringen von 1765 bis 1806 die Kaiser. 1806 legte Franz II. die Krone nieder.
Kaisertum Österreich
Bereits 1804 hatte Kaiser Franz II. als Franz I. das erbliche Kaisertum Österreich proklamiert, um Ranggleichheit mit Napoleon zu wahren, der im gleichen Jahr zum Kaiser der Franzosen proklamiert worden war. Das Kaisertum umfasste sämtliche habsburgischen Erbländer. 1867 folgte die Umwandlung zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie, die mit dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 zerfiel. Die im Auftrag Kaiser Rudolfs II. 1602 in Prag angefertigte Privatkrone des Hauses wurde zur offiziellen Kaiserkrone erklärt, doch fand eine Krönung zum Kaiser von Österreich niemals statt. Alle österreichischen Kaiser ließen sich jedoch mit der Stephanskrone zu ungarischen Königen krönen. Die Krönung mit der böhmischen Wenzelskrone fand letztmals 1836 für Ferdinand I. statt.
Nach 1918
Am 11. November 1918 verzichtete Kaiser Karl I. für Deutschösterreich auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften, am 13. November auch als König Karl IV. von Ungarn. Im März 1919 übersiedelte er mit seiner Familie in die Schweiz. Das Habsburgergesetz Deutschösterreichs vom 3. April 1919 verwies Karl auf Dauer des Landes, alle anderen Mitglieder der Familie so lange, als sie nicht auf ihre Zugehörigkeit zum Haus Habsburg-Lothringen verzichtet hatten. Nach zwei gescheiterten Restaurationsversuchen beschloss das ungarische Parlament am 6. November 1921 die Dethronisation. Karl wurde nach Madeira verbannt, wo er 1922 verstarb. Familienoberhaupt war von 1930 bis 2006 Otto Habsburg-Lothringen; am 1. Januar 2007 übertrug er die Funktion an seinen ältesten Sohn Karl.