Franz II. (HRR)
König von Ungarn sowie letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und erster Kaiser von Österreich
Herkunft und Erziehung
ranz wurde 1768 als ältester Sohn des Großherzogs Peter Leopold von Toskana, des späteren Kaisers Leopold II., und der Maria Ludovica, Tochter König Karls III. von Spanien, im Palazzo Pitti in Florenz geboren. Von Anfang an war er für die Thronfolge bestimmt, denn Joseph II. wollte nach dem Tod seiner zweiten Frau nicht wieder heiraten und hatte keinen Kronprinzen. Nach dem Tod Maria Theresias 1780 verlangte Joseph II. von Graf Colloredo einen Bericht über die Entwicklung seines Nachfolgers, der hart ausfiel. Der Kaiser reiste in die Toskana und nahm den 16-Jährigen mit nach Wien. Dort hatte Franz unzählige offizielle Termine wahrzunehmen. In einem Brief nannte er sich einen Kaiserlehrling.
Kronen und Krönungen
Im Achten Österreichischen Türkenkrieg von 1788 bis 1790 war Franz auf Wunsch Josephs II. an der Front. Als Joseph II. im Februar 1790 starb, folgte ihm dessen Bruder Leopold nach. Leopold II. starb am 1. März 1792 im Alter von 44 Jahren an einer Lungenentzündung. Franz wurde dadurch früher als erwartet König von Ungarn und Böhmen, Erzherzog von Österreich und Herr der übrigen Länder der Habsburgermonarchie.
Am 6. Juni 1792 krönte ihn József Batthyány in der Maria Magdalenenkirche zu Ofen zum Apostolischen König von Ungarn. Am 5. Juli wurde er zum König des Römisch-Deutschen Reiches gewählt. Am 14. Juli 1792 folgte im Frankfurter Dom die Krönung zum König und die Proklamation zum Erwählten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Es war die letzte Kaiserkrönung in Mitteleuropa. Am 9. August 1792 wurde er in Prag zum König von Böhmen gekrönt, elf Monate nach der Krönung seines Vaters am 6. September 1791, zu deren Feier Mozarts Oper La clemenza di Tito uraufgeführt worden war.
Die Koalitionskriege
Die Feierlichkeiten wurden von der französischen Kriegserklärung vom 20. April 1792 überschattet, die den Ersten Koalitionskrieg einleitete. Er zog sich bis 1797 hin und bedeutete für Österreich den endgültigen Verlust der Niederlande, zugleich den Gewinn des Königreiches Lombardo-Venetien. Auch der Zweite Koalitionskrieg von 1799 bis 1801 verlief wenig erfolgreich. Verheerender endete der Dritte. Im Frieden von Preßburg vom 26. Dezember 1805 verloren die Habsburger ihre letzten Besitzungen in Italien. Venedig, Istrien und Dalmatien kamen zum napoleonischen Königreich Italien, Tirol und Vorarlberg an Bayern, die vorderösterreichischen Besitzungen in Schwaben an Württemberg und Baden. Bayern und Württemberg wurden Anfang 1806 zu Königreichen erhoben und traten im Sommer dem Rheinbund bei.
Zwei Kaiserkronen
Am 11. August 1804 erklärte sich Franz II. zum Kaiser von Österreich und begründete das Kaisertum Österreich. Er wollte seine Hausmacht erhalten und die Ranggleichheit mit Napoleon I. wahren, der sich am 2. Dezember 1804 selbst zum erblichen Kaiser der Franzosen krönte. Zugleich trug er der Veränderung im Kurkollegium von 1803 Rechnung: Durch den Reichsdeputationshauptschluss fielen die katholischen Kurfürstentümer Köln, Mainz und Trier weg, Baden, Württemberg und Hessen kamen hinzu. Eine neuerliche Wahl eines Habsburgers erschien fraglich. Eine rechtliche Grundlage gab es nicht, doch der Titel wurde binnen kurzer Zeit anerkannt. Am 6. August 1806 legte Franz die römische Kaiserkrone nieder. Zwei Jahre lang war er Doppelkaiser.
Krieg, Niederlage, Kongress
Am 9. April 1809 eröffnete Franz I., unterstützt von Großbritannien, den Fünften Koalitionskrieg gegen Frankreich. Am gleichen Tag begann der Tiroler Volksaufstand unter Andreas Hofer gegen die bayerischen Truppen. Nach mehreren unglücklichen Schlachten und dem französischen Einmarsch in Wien gelang der Armee unter Erzherzog Karl bei Aspern ein Sieg, der als erste Niederlage Napoleons gilt. Die Hoffnung auf einen allgemeinen deutschen Volksaufstand und auf Preußen zerschlug sich, denn König Friedrich Wilhelm III. verweigerte sich. Am 5. und 6. Juli 1809 siegten die Franzosen bei Wagram.
Franz I. ersetzte seinen leitenden Minister Johann Philipp von Stadion durch den 36-jährigen Diplomaten Klemens Wenzel Lothar von Metternich. Nach dem Frieden von Schönbrunn arrangierte Metternich die Heirat von Marie-Louise, einer Tochter des Kaisers, mit Napoleon. Der Sechste Koalitionskrieg ab 1812 verlief erfolgreicher. So konnte Franz I. 1814/15 als Gastgeber des Wiener Kongresses auftreten, bei dem unter der Regie Metternichs der Kontinent neu geordnet wurde. 1815 gründeten die konservativen Mächte mit Österreich an der Spitze in Paris die Heilige Allianz zur Bewahrung der monarchischen Ordnung.
Der Kaiserstaat und Metternich
Die Einschätzung Franz' I. als Kaiser des Vielvölkerstaates Österreich ist mit dem Namen Metternichs verbunden. Der Kaiser, mehr an Pflanzenkunde als an Politik interessiert, füllte eine eher repräsentative Funktion aus. Metternich gestaltete ab 1809 als führender Minister und ab 1821 als Haus-, Hof- und Staatskanzler die Politik, dies jedoch in Übereinkunft mit dem Kaiser, der ihn jederzeit hätte entlassen können. Franz war von seinem Gottesgnadentum überzeugt und lehnte alles ab, was in Richtung von Volksrechten wies. Alarmiert durch die Julirevolution von 1830, war das System von starrem Konservatismus geprägt. Auch wirtschaftlich hatte Österreich Schwierigkeiten, mit der Entwicklung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Schritt zu halten.
Tod und Begräbnis
Von seiner Krankheit erholte sich der Kaiser nicht mehr. In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar ließ er über vier Stunden lang seinen letzten Willen festhalten, teils handgeschrieben, teils diktiert. Dabei entstand auch ein Brief mit Anweisungen für seinen Sohn Erzherzog Ferdinand. Am Abend des 1. März empfing er die Letzte Ölung, kurz vor ein Uhr morgens am 2. März 1835 starb er in seinem Appartement in der Wiener Hofburg. Der einbalsamierte Leichnam wurde drei Tage in der Hofburgkapelle aufgebahrt. Am 7. März kam das Herz gemäß der Herzbestattung in die Loretokapelle der Augustiner, nachmittags folgte die Beisetzung in der Kaisergruft der Kapuziner.
Der Tod bedeutete einen Schock für die Monarchie. Franz I. hatte auf der Einhaltung der legitimen Erbfolge bestanden, sodass sein ältester Sohn Ferdinand Kaiser wurde, obwohl dieser körperlich und geistig beeinträchtigt war. Es folgten dreizehn Jahre, in denen Ferdinand offiziell herrschte, während die wahre Macht bei der Staatskonferenz aus Erzherzog Ludwig, Fürst Metternich und Graf Kolowrat lag. Dieses offiziell bloß beratende Organ lenkte vom März 1835 bis zur Revolution 1848 das Tagesgeschäft.
Der Blumenkaiser
Die Nachwelt nannte ihn den Blumenkaiser. Wie jeder Habsburger musste Franz ein Handwerk erlernen und entschied sich für die Gärtnerei; Botanikunterricht erhielt er von Nikolaus von Jacquin. Seine selbst angelegte Sammlung von Herbarien schenkte er dem von ihm gegründeten Botanischen Hof-Cabinett. Sie bildet den Grundstock einer Sammlung von vier Millionen Bögen im Wiener Naturhistorischen Museum. Er finanzierte botanische Expeditionen, etwa nach Brasilien. Als Musikliebhaber spielte er Violine im Hausorchester seiner zweiten Frau Maria Theresia. Im Alter von 17 begann er, Bücher und Porträts zu sammeln. Seine Privatbibliothek aus 40.000 Bänden, die spätere Fideikommiss-Bibliothek, ist heute Teil der Österreichischen Nationalbibliothek.
Ehen und Nachkommen
Franz heiratete am 6. Jänner 1788 in Wien Prinzessin Elisabeth Wilhelmina von Württemberg, geboren 1767. Sie fiel hochschwanger in Ohnmacht, als sie Kaiser Joseph nach der Letzten Ölung auf dem Totenbett sah, erlitt eine Frühgeburt und starb am 18. Februar 1790. Das Kind, Erzherzogin Louise Elisabeth, starb am 24. Juni 1791. Bereits 1790 heiratete Franz seine Cousine Maria Theresia von Neapel-Sizilien, 1772 bis 1807. Aus dieser Ehe stammten unter anderen Marie-Louise, ab 1810 mit Napoleon I. vermählt, Ferdinand I., von 1793 bis 1875, und Franz Karl, der Vater Kaiser Franz Josephs I. Die dritte Ehe von 1808 mit Maria Ludovika Beatrix von Modena und die vierte von 1816 mit Karoline Auguste von Bayern blieben kinderlos.