Gregor VII.
Papst (1073–1085)
wischen 1025 und 1030 in der Toskana geboren, war Hildebrand zunächst Mönch, wie zeitgenössische Quellen ihn nennen. Als Archidiakon der römischen Kirche wurde er ab Mitte des Jahrhunderts zu einer Schlüsselfigur der römischen Kirchenpolitik. Der Kampf gegen Simonie, Priesterehen und den Einfluss von Laien auf das kirchliche Leben bestimmte seine kirchenpolitischen Bestrebungen. 1046 begleitete er Papst Gregor VI., der durch die Synode von Sutri abgesetzt worden war, in die Verbannung nach Köln. 1048 wollte Kaiser Heinrich III. Bruno von Egisheim-Dagsburg zum Papst ernennen, doch dieser bestand, möglicherweise auf Anraten Hildebrands, auf einer Wahl durch Klerus und Volk und wurde als Leo IX. Papst. Nach dessen Tod 1054 sollte Hildebrand selbst Papst werden, doch der Kaiser ernannte Gebhard von Eichstätt, der sich Viktor II. nannte.
Gregors Amtszeit mündete in den Investiturstreit, der für das Reich erst im Wormser Konkordat von 1122 beigelegt wurde. 1075 ließ er den Dictatus Papae aufzeichnen, der die Vorrangstellung der geistlichen vor der weltlichen Gewalt betonte, und suspendierte auf der Fastensynode Bischöfe. Als Heinrich IV. den Mailänder Erzstuhl erneut besetzte, mahnte Gregor ihn, worauf Heinrich am 24. Januar 1076 auf einem Hoftag in Worms zur Abdankung aufforderte. Gregor belegte Heinrich daraufhin mit dem Bann. Heinrich zog dem Papst entgegen und wurde am 28. Januar 1077 in der Burg Canossa nach dreitägigem Bußgang vom Bann gelöst. Als die Fürsten Rudolf von Rheinfelden zum Gegenkönig wählten, trat Gregor 1080 offen auf dessen Seite und bannte Heinrich erneut. 1084 wurde Gregor die päpstliche Würde abgesprochen, er wurde exkommuniziert, während der Gegenpapst Clemens III. Heinrich zum Kaiser krönte. Gregor zog sich zurück und starb schließlich in Salerno.
Am 25. Mai 1085 starb Gregor VII. in Salerno, ohne seine Überzeugungen preisgegeben zu haben. Seine Grabinschrift lautet, er habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehasst und sterbe deshalb in der Verbannung. Noch auf dem Sterbebett soll er zwei Wunschnachfolger benannt haben, Erzbischof Hugo von Lyon und Abt Desiderius von Montecassino, der in Salerno anwesend war und ihm als Viktor III. auf den Papstthron folgte. Gregors Überreste befinden sich heute im Dom von Salerno.
Die Bewertung Gregors nach seinem Tod wurde stark von seinem Konflikt mit Heinrich IV. geprägt. Seit dem 19. Jahrhundert wurde dieser Konflikt als Investiturstreit bezeichnet und nicht nur als wichtige Episode der Kirchengeschichte, sondern als entscheidende Epoche für die Trennung von Kirche und Staat in der modernen westlichen Welt gedeutet. Unabhängig davon gilt Gregor als Vertreter des Papstprimats, also des Anspruchs des Papsttums auf weltliche und geistliche Führung der Christenheit, wofür vor allem der Dictatus papae als Beleg zitiert wird.