Gang nach Canossa
Bußgang Heinrichs IV. in Reaktion auf seine Bannung durch Gregor VII.
m 22. Februar 1076 setzte Gregor VII. auf der Fastensynode in Rom den König ab, exkommunizierte ihn und löste alle Christen von ihren Treueiden. Grund war eine Auseinandersetzung um den Mailänder Bischofsstuhl, in deren Zuge Heinrich am 24. Januar 1076 auf dem Hoftag zu Worms die Papstwahl für ungültig erklärt hatte. Nach dem Kirchenbann fielen viele Fürsten von Heinrich ab. Die Fürsten setzten fest, dass sich der König bis Februar 1077 vom Bann befreien müsse, sonst werde ein neuer König gewählt und Heinrich für abgesetzt erklärt. Zudem musste sich der König schriftlich verpflichten, die Amtsenthebung des Papstes zu widerrufen und ihm Gehorsam zu leisten.
Der damals 26-jährige Heinrich zog dem Papst nach Italien entgegen, musste aber wegen versperrter Alpenübergänge den Umweg über Burgund und den Col du Mont Cenis nehmen. An der Burg Canossa angekommen, wurden zunächst Unterhändler entsandt. Der Papst forderte zunächst den Verzicht auf die Königswürde, erklärte sich dann aber zu einem Treffen bereit, sofern der König aufrichtige Reue zeige. Am 25. oder 28. Januar 1077 wurde Heinrich Einlass gewährt, bekannte seine Sünden und wurde von Gregor vom Bannfluch gelöst. Anschließend wurden in der Kapelle Messe und ein Versöhnungsmahl abgehalten. Lampert von Hersfeld und Berthold von Reichenau berichten, der König habe die Kommunion aus der Hand des Papstes abgelehnt, was in der Forschung teils als antisalische Propaganda gilt. Historiker sehen den Bußgang meist als taktischen Schachzug, mit dem Heinrich die drohende Absetzung abwendete und seine Handlungsfreiheit zurückgewann, dabei aber an Prestige einbüßte.
Trotz der Bannaufhebung entspannte sich Heinrichs Lage kaum. Im Frühjahr 1077 wählten die Fürsten Rudolf von Rheinfelden zum Gegenkönig. Gregor trat im März 1080 offen auf die Seite der Rebellen über und erklärte Heinrich erneut für gebannt und abgesetzt. Der Tod Rudolfs nach der Schlacht bei Hohenmölsen 1080 ließ die Opposition zusammenbrechen. Der 1080 nominierte Gegenpapst Wibert von Ravenna bestieg 1084 als Clemens III. den Papstthron und krönte Heinrich zum Kaiser. Ein Schisma begann, das bis 1100 andauerte. Gregor musste vor den Normannen und der Stadtbevölkerung ins Exil nach Salerno fliehen und starb dort im Mai 1085.