Worms
kreisfreie Stadt in Rheinland-Pfalz, Deutschland
Lage
orms liegt im Ostteil von Rheinland-Pfalz in der Oberrheinischen Tiefebene, im Südostteil der Region Rheinhessen. Mainz liegt etwa 40 Kilometer nördlich, Ludwigshafen etwa 20 Kilometer südlich. Im nördlichen Stadtgebiet mündet die Pfrimm in den Rhein, die südlichen Stadtteile werden vom Eisbach durchflossen. Im Südwesten liegen 15 km entfernt die Ausläufer des Pfälzerwalds, im Westen die Hügellandschaft des Wonnegaus, jenseits des Rheins der hessische Teil des Odenwalds. Die niedrigste Stelle liegt mit 86,5 m ü. NHN beim Stadtteil Ibersheim, die höchste mit 167 m an der westlichen Stadtgrenze.
Der Name
Die älteste überlieferte Form des Ortsnamens, Borbetomagus oder Bormetomagus, ist keltischen Ursprungs. Sie wird auf einen Begriff für Wasser oder Quelle zurückgeführt. In der Endung -magus hat sich das keltische Wort für Feld, Wiese, Ebene erhalten. Der Name bedeutet also Quellenfeld, Feld des Bormo oder Feld an der Bormita. Worms wurde Hauptort der Civitas Vangionum, benannt nach dem hier seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert ansässigen Stamm der Vangionen. Als Vangionen bezeichneten sich die Wormser noch bis in das 16. Jahrhundert. Davon ist der Name Wangengau abgeleitet, den der Volksmund in Wonnegau umsetzte. Im Frühmittelalter wandelte sich Borbetomagus über Warmazfeld, Warmazia und Wormatia schließlich zu Worms.
Von der Jungsteinzeit bis zu den Karolingern
Erstmals besiedelt wurde das Stadtgebiet in der Jungsteinzeit etwa um 5000 v. Chr. von Ackerbauern und Viehzüchtern. Auf der Anhöhe Adlerberg wurden von 1896 bis 1951 insgesamt 25 Gräber entdeckt, acht davon aus der Adlerbergkultur der Frühbronzezeit. Seit augusteischer Zeit gehörten Worms und sein Umland zum römischen Herrschaftsgebiet. Ab Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. bis etwa 85 n. Chr. bestand hier ein römischer Militärstützpunkt; die zugehörige Zivilsiedlung Borbetomagus entwickelte städtische Strukturen. Die gesicherte Wormser Bischofsliste setzt mit Bischof Berchtulf ein, der 614 an der Pariser Synode teilnahm. Unter den Karolingern war Worms eines der Machtzentren, seine Bischöfe standen im 8. und 9. Jahrhundert dem Königshof nahe.
Reichstage und Hoftage
829 und 926 fanden in Worms Reichstage des Franken- beziehungsweise Ostfrankenreiches statt. Durch die fränkische Reichsteilung war die Stadt bereits in eine Randlage gerückt. Auf dem Hoftag zu Worms im Mai 961 ließ Otto der Große seinen siebenjährigen Sohn Otto II. zum Mitkönig erheben. Am 2. Februar 965 feierte Otto I. in Worms den Jahrestag seiner Kaiserkrönung, im August 966 regelte er hier die Vertretung für die Zeit seiner Abwesenheit. 976 erhielt Otto von Worms das neugeschaffene Herzogtum Kärnten zu Lehen, das vorher ein Teil Bayerns gewesen war.
Mit den Saliern begann der Aufstieg zur größten Blüte. Im Winter 1073/74 blieb die Stadt nach dem Desaster des Sachsenkriegs auf der Seite König Heinrich IV., vertrieb Bischof Adalbert II. aus seinem Bischofssitz und gewährte dem König den Schutz ihrer Mauern. Dafür erteilte der König ihr am 18. Januar 1074 Zollfreiheit für eine Reihe von Orten im Reich und übernahm faktisch die Stadtherrschaft. 1076 fand hier ein Hoftag statt, auf dem Heinrich IV. Papst Gregor VII. für abgesetzt erklärte und umgehend mit dem Kirchenbann belegt wurde. Eine der Folgen war der Gang nach Canossa. 1122 wurde in Worms das Wormser Konkordat geschlossen. In dieser Zeit bildete sich eine städtische Verfassung mit einem selbständig agierenden Stadtrat heraus.
Nach dem Erlöschen der Stammlinie der Salier 1125 verbanden sich auch die Staufer eng mit der Stadt. 1184 räumte Kaiser Friedrich Barbarossa umfangreiche Freiheitsrechte ein, was als Begründung der Reichsstadt gelten kann. Das 12. Jahrhundert war vom beginnenden Streit zwischen Bischof und Stadtrat um die faktische Herrschaft geprägt, einem Konflikt, der bis ins 16. Jahrhundert andauerte. Die Stadt ging daraus als Gewinnerin hervor: 1489 entschied Kaiser Friedrich III., dass sie zu einem Huldigungseid gegenüber dem Bischof nicht mehr verpflichtet sei. 1494 huldigte die Stadt König Maximilian I. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war Worms Freie Reichsstadt.
Reichstag 1495 und schwindende Kraft
1495 fand unter König Maximilian erneut ein Reichstag statt, auf dem die Reichssteuer, das Reichskammergericht und das Fehdeverbot des Ewigen Landfriedens eingeführt wurden. Den Höhepunkt ihrer wirtschaftlichen Blüte hatte die Stadt schon überschritten. Der Bürgeraufstand 1512/13 und die Fehde mit Franz von Sickingen zwischen 1515 und 1519 zerrütteten die Finanzen weiter. Dem Bischof und der Geistlichkeit, die nach verschiedenen Schätzungen zwischen 30 und 50 % der Stadtbevölkerung ausmachten, war es gelungen, so viele Sonderrechte durchzusetzen, dass der Handlungsspielraum des Stadtrats eng begrenzt war. Im Laufe des 15. Jahrhunderts stieg zudem der Einfluss der kurpfälzischen Rheingrafen.
Das Gedankengut der Reformation breitete sich in Worms früh und schnell aus. Wichtig war der 1521 abgehaltene Reichstag zu Worms, auf dem Martin Luther seine Schriften und reformatorischen Kenntnisse gegen Kaiser Karl V. verteidigte. Worms wurde zu einem Zentrum der Reformation: 1524 wurde hier erstmals eine deutsche evangelische Messe gedruckt, 1526 veröffentlichte William Tyndale die erste englische Version des Neuen Testaments. 1527 erschienen die Wormser Propheten von Ludwig Hätzer und Hans Denck, 1529 die Wormser Bibel, die erste deutschsprachige Vollbibel der Reformationszeit. Drucker war Peter Schöffer der Jüngere. Der Versuch des Stadtrats, 1525 alle bischöflichen Privilegien zu beseitigen, scheiterte. Worms wurde evangelisch; der Bischof behielt Sonderrechte und den Dom.
1659 bot Kurfürst Karl I. Ludwig von der Pfalz an, die Stadt zur Hauptstadt der Kurpfalz zu machen und die Universität Heidelberg nach Worms zu verlegen. Die Stadt lehnte ab. Den Titel Hauptstadt der Kurpfalz hatten bereits Heidelberg, Mannheim und Frankenthal. Der Vorschlag war ein Versuch des Kurfürsten, Einfluss zu gewinnen. 1689 wurde die Stadt im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch Truppen König Ludwig XIV. zerstört. Die Bevölkerung wurde vertrieben, und es dauerte etwa zehn Jahre, bevor das städtische Leben wieder in Gang kam.
Die jüdische Gemeinde
Die jüdische Gemeinde war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit eine der bedeutendsten im Heiligen Römischen Reich und bildete mit Mainz und Speyer die SchUM-Städte. Ab etwa 960 belegt, genossen die jüdischen Kaufleute seit dem 11. Jahrhundert kaiserliche Zollfreiheiten und Handelsfreiheit im ganzen Reichsgebiet. Es entstand eine berühmte Talmudschule, die auch der Gelehrte Raschi besuchte. Eine Synagoge wurde 1034 eingeweiht; der erhaltene jüdische Friedhof, der älteste in Europa, besteht mindestens seit 1058/59. 1096 kam es zum Pogrom, als der Volkskreuzzug Worms erreichte. Hunderte Juden wurden ermordet oder begingen Suizid, um sich der Zwangstaufe zu entziehen. Nach Wiederherstellung des kaiserlichen Schutzes siedelten sich erneut Juden an.
Im späteren 12. Jahrhundert wurde eine neue Synagoge errichtet. Im 13. Jahrhundert nahm die Bedeutung der Wormser jüdischen Gelehrten ab. Erhalten ist das Wormser Machsor von 1272, ein Gebetbuch, das auch das älteste schriftliche Zeugnis in jiddischer Sprache enthält. Während der Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes wurde die Gemeinde 1349 vernichtet. Im Mai 1353 gestattete man die Ansiedlung wieder, doch Grundbesitz außerhalb der nun eingerichteten Judengasse war nicht mehr erlaubt. Die frühere Bedeutung erreichte die Gemeinde nie mehr. 1615 wurden die Juden erneut vertrieben, konnten im folgenden Jahr jedoch zurückkehren. Mit der Zerstörung der Stadt 1689 musste die Gemeinde wieder fliehen.
Wappen
Das älteste erhaltene städtische Wappen erscheint als Siegel im Jahr 1198, als Folge der Freiheitsprivilegien Kaiser Friedrich I. Barbarossa vom Jahre 1184. Es zeigt in einer Nische den sitzenden heiligen Petrus, Patron des Wormser Doms, mit dem Schlüssel in der rechten und der Bibel in der linken Hand. Über ihm die Architektur des Domes mit einer Kuppel zwischen zwei Türmen, an beiden Seiten je ein Stadttor. Dieses Siegel wurde bis um das Jahr 1500 verwendet. Dann wurde ein neues Stadtsiegel eingeführt, auf Grund der Vollmachten, die König Maximilian der Stadt 1488 gab. Es zeigte einen silbernen Schlüssel auf rotem Grund. Seit einem Stadtratsbeschluss von 1890 ist das Wappen mit einem fünfzackigen Stern versehen.