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Johannes (Evangelist)

Verfasser des Johannesevangeliums

Zeugnisse der frühen Kirche

ie frühesten außerbiblischen Nachrichten über den Apostel Johannes stammen von Bischof Irenäus von Lyon, dessen Angaben auch der Kirchenhistoriker Eusebius von Caesarea zitiert. Irenäus war Schüler von Polykarp von Smyrna, der wiederum Schüler des Apostels Johannes gewesen sein soll. Nach dieser Quelle vom Ende des zweiten Jahrhunderts gab Johannes, der Jünger des Herrn, das Evangelium heraus, als er sich in Ephesus in der Asia aufhielt. Daraus ergeben sich vier Feststellungen: Johannes ist der Lieblingsjünger, er ist der Autor des Evangeliums, die Schrift entstand noch zu seinen Lebzeiten in Ephesos, und sie wurde nach den synoptischen Evangelien verfasst. Auch der Kanon Muratori aus dieser Zeit berichtet von der Entstehung des Johannesevangeliums.

Zeitliche Einordnung des Evangelisten

Das älteste Textzeugnis des Johannesevangeliums, der Papyrus 52, wird auf die Zeit zwischen 100 und 150 nach Chr. datiert und stammt aus Ägypten. Das Evangelium muss zu diesem Zeitpunkt bereits existiert haben und verbreitet gewesen sein. War der Hauptautor ein Jünger Jesu, dessen Todesjahr etwa 30 nach Chr. lag, kann der Evangelist bis längstens Anfang des zweiten Jahrhunderts gelebt haben. Die Mehrzahl der Forscher schließt eine Abfassung vor dem Jahr 70 nach Chr. aus, da der Text eine Entfremdung zwischen johanneischer Gemeinde und Judentum voraussetzt, wie sie erst nach der Zerstörung des Tempels denkbar ist. So wird die Abfassungszeit auf das Ende des ersten oder den Beginn des zweiten Jahrhunderts nach Chr. verortet. Eusebius berichtet unter Berufung auf Irenäus vom Tod des Apostels in Ephesos unter Kaiser Trajan.

Geographische Einordnung des Evangelisten

Der Evangelist zeigt intensive Kenntnis der geographischen, religiösen und soziologischen Verhältnisse in Palästina zur Zeit Jesu, erkennbar auch an seiner Darstellung der Passionschronologie. Seine stark semitisch beeinflusste griechische Sprache spricht dafür, dass er in Palästina aufgewachsen ist. Da der Schwerpunkt der Darstellung bei Jerusalem liegt, geht Rudolf Schnackenburg davon aus, dass der Autor oder sein Gewährsmann aus Jerusalem selbst stammt. Irenäus überliefert einen späteren Aufenthalt des Evangelisten in Ephesos in Kleinasien, doch fehlen dafür im Evangelium eindeutige Anhaltspunkte. Klaus Wengst vermutet dagegen, dass sich die historischen Hintergründe der johanneischen Streitgespräche eher im syrisch-palästinischen Gebiet abgespielt haben. Zwingend ist dieser Schluss aber nicht, sodass der weitere Aufenthalts- und Sterbeort des Evangelisten offenbleibt.

Spätere Überlieferungen zum Evangelisten

Nach kirchlichen Überlieferungen soll Johannes Palästina verlassen und in Kleinasien das Evangelium verkündet haben, bevor er sich in Ephesos niederließ und dort starb. Unter Kaiser Domitian sei er auf die Insel Patmos verbannt worden, wo er der Legende nach die Offenbarung verfasste. Nach dem Tod Domitians sei er nach Ephesos zurückgekehrt und habe dort sein Evangelium niedergeschrieben. Dieser Überlieferung zufolge starb er in Ephesos unter Kaiser Trajan, im dritten Jahr seiner Regierung, was auf das Jahr 100 oder 101 nach Chr. verweist. Nach Eusebius, gestützt auf einen Brief von Bischof Polykrates an Papst Viktor I., wurde Johannes auch in Ephesos begraben. Über der als sein Grab geltenden Stätte ließ Helena, die Mutter Kaiser Konstantins des Großen, eine Kirche errichten, die Kaiser Justinian später durch einen monumentalen Prachtbau ersetzte.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Johannes (Evangelist)VersionsgeschichteBearbeitungsstand 269521756redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Jean Bourdichonentstanden 1503–1508Public domainQuelle