Kloster Weißenburg (Elsass)
Kloster in Frankreich
ie Frühgeschichte liegt im Dunkeln. Bischof Dragobodo von Speyer gilt als frühester fassbarer Abt und möglicher Gründer, eine Gründung wird vorsichtig zwischen 650 und 661 angenommen. Das Kloster wurde Eigenkloster des Bischofs von Speyer und wuchs durch Stiftungen des Adels zu einem der reichsten Klöster des Fränkischen und Karolingerreichs. Pippin der Jüngere verlieh 760 die Immunität, Karl III. gewährte 882 die freie Abtwahl, das Kloster wurde karolingisches Königskloster. Abtbischof Pirmin führte im 8. Jahrhundert die Regula Benedicti ein. Kulturell entstanden der Weißenburger Katechismus und das Evangelienbuch des Otfrid von Weißenburg um 860/870, frühe Zeugnisse deutscher Sprache. Unter Abt Grimald, zugleich Abt von St. Gallen und Kanzler Ludwigs des Deutschen, kam es zur Gebetsverbrüderung mit St. Gallen und der Reichenau. 966 wurde Adalbert Abt und zwei Jahre später erster Bischof von Magdeburg.
Um 1100 distanzierte sich das reich gewordene Kloster vom Bischof von Speyer und konstruierte eine alternative Gründungsgeschichte, wozu auch eine gefälschte Urkunde Papst Alexanders III. diente. 1133 schloss sich das Kloster der Hirsauer Reform an. Die Vogtei lag zunächst bei den deutschen Königen, unter Ottonen, Saliern und Staufern, wurde aber ab dem 12. Jahrhundert als Lehen vergeben. Nach dem Aussterben der Staufer fiel sie an das Heilige Römische Reich und wurde schließlich an die Kurpfalz verpfändet, nach anderer Quelle lag sie zeitweise bei den Herren von Lichtenberg.
Der Übergang von Eigenbewirtschaftung zu Lehnsvergabe bedrohte den Besitzstand, da Lehnsträger ihr Lehen als Allod behandelten. Unter Abt Edelin entstand der Codex Edelini zur Besitzverzeichnung, das Kloster hatte Besitz an 315 Orten. Ab dem 13. Jahrhundert zählte der Abt zu den Reichsfürsten. Im 14. Jahrhundert wurde die gotische Abteikirche vollendet, neben dem Straßburger Münster bis heute die größte gotische Kirche des Elsass. Das Bürgertum der Stadt Weißenburg löste sich zunehmend vom Kloster, ein Prozess, der 1518 abgeschlossen war. Im 15. Jahrhundert kam es zum dramatischen Niedergang: Abt Philipp Schenk von Erbach soll das Kloster um 30.000 fl. erleichtert haben, Kurfürst Friedrich I. versuchte, Jakob von Bruck abzusetzen, was zum Weißenburger Krieg führte. 1482 trat die Abtei der Bursfelder Kongregation bei, doch von 1480 bis 1511 führte Hans von Trotha im Auftrag der Pfalzgrafen einen Privatkrieg gegen das Kloster.
Das Kloster war seit ottonischer Zeit ein Reichskloster. Der Abt trug seit dem 13. Jahrhundert den Titel Fürstabt, nach 1524 Fürstpropst, mit Virilstimme im Reichsfürstenrat. König Otto II. beurkundete 973, dass das Kloster die gleichen Rechte wie Fulda, Reichenau und Prüm besitze, darunter freie Abtswahl, Immunität und Besitzgarantie. Nach dem Investiturstreit erhielten Reichsabteien zunehmend den Status von Reichsständen, was für Weißenburg ab Mitte des 12. Jahrhunderts galt. 1764 umfasste der weltliche Staat der Fürstpropstei mehrere Ämter und Gerichte, gegen Ende des 18. Jahrhunderts etwa 28 Quadratmeilen mit 50.000 Einwohnern.