Westgotenreich
Staat (418–725)
ach einem gescheiterten Versuch, nach Africa zu gelangen, schloss der gotische Kriegerverband unter Wallia im Frühjahr 416 ein Bündnis mit der weströmischen Regierung. Die Goten kämpften bis Sommer 418 als Foederaten gegen germanische Gruppen in Hispanien, die 409 eingefallen waren. Danach kehrten sie nach Gallien zurück und erhielten ein Gebiet in Aquitanien, weitgehend in Kooperation mit der gallorömischen Oberschicht. Rom hoffte auf Abwehr der Vandalen, die 406/407 über den Rhein eingedrungen waren. 422 zogen die Westgoten mit kaiserlichen Truppen gegen die Vandalen, wohl vor allem im Streben nach einem Zugang zum Mittelmeer. Dieses Streben nach gesicherten Einkünften und Handlungsspielräumen gegenüber Rom blieb für Jahrzehnte prägend.
Ab dem späten 5. Jahrhundert erstarkten die Franken. Unter Chlodwig I. vernichteten sie 486/487 das Reich des Syagrius nördlich der Loire, die fortan die Grenze zu den Westgoten bildete. 507 griff Chlodwig an; in der Schlacht von Vouillé besiegte und tötete er Alarich II., den Sohn und Nachfolger Eurichs. Die Franken eroberten die westgotische Hauptstadt Tolosa und einen Teil des Königsschatzes. So ging der gallische Teil des Reichs bis auf Septimanien um Narbonne verloren. Nur das Eingreifen des Ostgotenkönigs Theoderich, der ab 511 die Regierung übernahm, bewahrte den Westgoten Septimanien. Damit endete das Tolosanische Reich.
Unter König Leovigild, der von 568/9 bis 586 regierte, erlebte das Westgotenreich einen bedeutenden Aufschwung. Sein Ziel war es, die gesamte Pyrenäenhalbinsel unter seine Herrschaft zu bringen, gegen Oströmer, das Suebenreich in Galicien und Nord-Portugal, Kantabrer und Basken sowie einheimische Kleinkönige. In erfolgreichen Feldzügen drängte er die Oströmer zurück, unterwarf die Sueben und schlug einen fränkischen Angriff auf Septimanien sowie die Rebellion seines Sohnes Hermenegild nieder. Auf religiösem Gebiet scheiterte jedoch sein Versuch, die Spannungen zwischen Arianern und Katholiken zu lösen. Leovigild verzichtete als erster Westgotenkönig auf das Bild des byzantinischen Kaisers auf seinen Goldmünzen und signalisierte damit, die formale Oberhoheit Konstantinopels nicht mehr anzuerkennen.
Im Frühjahr 711 setzte eine kleine, aus Arabern und überwiegend Berbern bestehende Streitmacht über die Straße von Gibraltar und begann die Invasion des Westgotenreichs. König Roderich, der erst seit dem Vorjahr regierte, eilte ihnen entgegen. Im Juli 711 siegten die Muslime in der Schlacht am Río Guadalete, in der Roderich fiel. In den folgenden Jahren eroberten sie die Iberische Halbinsel und zuletzt auch Septimanien. In der Tarraconensis leisteten westgotische Truppen noch bis 719, in Septimanien bis 725 Widerstand. Zuletzt fielen die Städte Nîmes und Carcassonne.