Abtei Fruttuaria
archäologische Stätte in Italien
u Beginn des 11. Jahrhunderts gründete der cluniazensische Mönch Wilhelm von Dijon das Kloster Fruttuaria mit Hilfe seiner Familie. Die Grundsteinlegung fand am 23. Februar 1003 in Anwesenheit von Bischof Ottobiano von Ivrea sowie König Arduin und seiner Frau Berta statt. 1005 gewährte Arduin dem Kloster die Freiheiten von Cluny, darunter die freie Abtswahl, erstmals auf Reichsgebiet. Erster Abt wurde Wilhelms Schüler Johannes, das Kloster war 1006/1007 fertiggestellt. Arduin zog sich nach seiner Niederlage gegen Heinrich II. als Mönch nach Fruttuaria zurück und starb dort. Auf Wilhelms Bitten erhielt das Kloster von Kaiser Heinrich II. den Königsschutz. Wilhelm erreichte zudem beim Papst die Ausnahme Fruttuarias von der Zuständigkeit des Bischofs von Ivrea, auch der Bischof von Langres bestätigte die Unabhängigkeit.
1027 stellte Papst Johannes XIX. das Kloster unter seine direkte Aufsicht. Bei Wilhelms Tod 1031 zählte die Abtei bereits 100 Mönche. Fruttuaria folgte der Regel Clunys und verbreitete diesen Ordo ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts als Zentrum einer Reformbewegung. Ab 1070 erreichte diese Deutschland: Erzbischof Anno von Köln brachte die Gebräuche nach St. Michael in Siegburg, 1072 kamen sie durch Kaiserin Agnes nach St. Blasien im Schwarzwald. Die größte Blüte erlebte das Kloster im 12. und 13. Jahrhundert, als die Äbte eigene Münzen prägten. 1265 besaß die Abtei 85 Kirchen in Italien sowie vier Gemeinden, dazu Güter in Frankreich und Österreich. Zu dieser Zeit lebten rund 1200 Mönche im Kloster.
Im 14. Jahrhundert setzte der Niedergang ein. 1477 verloren die Mönche das Recht der eigenen Abtswahl, fortan wurde ein Abt in commendam ernannt und ein Vikar eingesetzt. 1585 löste Papst Sixtus V. die Mönchsabtei auf und machte daraus ein Stift. 1710 ließ Herzog Viktor Amadeus II. von Savoyen die abbatiale Gemeinden besetzen, die Besatzung endete 1741 mit dem Verzicht des Papstes auf die Herrschaft. 1749 wurde Kardinal Carlo Vittorio Amedeo delle Lanze Kommendatarabt und ließ 1770 die romanischen Reste abreißen, nur den Campanile beließ er stehen, an ihrer Stelle entstand eine spätbarocke Kirche. Er gründete zudem ein Seminar, das nach seinem Tod 1784 sein Vermögen erbte.