Angelsachsen
germanisches Sammelvolk
Angeln und Sachsen
ie Angeln wurden bereits von Tacitus 98 n. Chr. als Anglii erwähnt und siedelten im Nordosten des heutigen Schleswig-Holstein. Die antiken Sachsen sind nicht mit den späteren Sachsen des Hochmittelalters zu verwechseln, sondern waren Vorläufer des Stammesherzogtums Sachsen. Im 3. Jahrhundert vollzog sich die Vereinigung beider Völker zum größeren sächsischen Stammesverband, verstärkt durch Assimilierung kleinerer Stämme wie der Cherusker im 3./4. Jahrhundert. Die sächsischen Gruppen, die später Teil der Angelsachsen wurden, trennten sich bereits vor dieser Bildung durch die Übersiedlung nach Britannien ab. Angeln und Sachsen waren wahrscheinlich eng verwandt, da sie derselben Kultgruppe der Ingwäonen angehörten, trotz kultureller Unterschiede etwa bei Bestattungsriten.
Anfänge bis zur Besiedlung der britischen Insel
Erste kriegerische Invasionen sächsischer Gruppen ins römische Britannien fanden in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts statt. Vermutlich wurden Befehls- und strategische Verantwortlichkeiten auf sächsische Führer übertragen, die unter dem comes litoris Saxonici als Foederaten dienten. Der Zusammenbruch der römischen Rheingrenze 406/407 n. Chr. unter Kaiser Honorius und dem Usurpator Konstantin III. führte um das Jahr 407 zum Abzug der meisten römischen Truppen aus Britannien. Das entstandene Machtvakuum bot Raum für Zuwanderung vom Festland, die sich ab etwa 450 zum Hauptstrom der Auswanderung nach Britannien entwickelte.
Wikingerzeit
Zu Beginn des 9. Jahrhunderts nahmen die Einfälle der Wikinger zu. Besonders verheerend waren die Folgen des großen Wikingereinfalls von 866, das Große Heidnische Heer. Im Norden Englands etablierten sich die Dänen im Danelag, wodurch die angelsächsische Sprache durch das Dänische beeinflusst wurde. Alfred der Große konnte die Wikinger im Jahr 878 zurückschlagen und weite Teile des angelsächsischen Englands vereinen, doch die Wikingergefahr blieb bestehen. Im frühen 11. Jahrhundert beherrschte Knut der Große ein Nordseereich, zu dem auch England gehörte, das nach seinem Tod rasch zerfiel. Im Jahre 1066 wurde das Gebiet der Angelsachsen von den Normannen erobert.
Christianisierung
Die Christianisierung begann um 597 mit der Entsendung von 40 Missionaren durch Papst Gregor den Großen und dem Ausbau der englischen Kirche durch Erzbischof Theodor von Canterbury, die Ende des 7. Jahrhunderts weitgehend abgeschlossen war. Sie bildet den Abschluss der angelsächsischen Phase in Bezug auf die kontinentale und pagane Herkunft und ist verbunden mit der beginnenden englischen Identität. Die Angelsachsen hatten zuvor mehrere Königreiche gebildet, die Heptarchie. Die Hinwendung zum Christentum war eine Frage der machtpolitischen Opportunität der herrschenden Adelsschicht, während sich im Volk heidnische Brauchtümer erhielten.