Bernhard von Clairvaux
mittelalterlicher Abt, Kreuzzugsprediger und Mystiker (1090–1153)
Leben
ernhard war der dritte Sohn des Ritters Tescelin le Roux und dessen Frau Aleth aus der Familie Montbard. Seine Schulbildung erhielt er in Châtillon-sur-Seine. 1112 trat er mit rund 30 Verwandten und Freunden, darunter vier leibliche Brüder, in das 1098 gegründete Kloster Cîteaux ein. Bereits zwei Jahre später wurde er ausgesandt, um in der westlichen Champagne das Kloster Clairvaux zu gründen, dessen erster Abt er wurde. Ende 1130 wurde er in Châlons-sur-Marne zum ersten Mal zum Bischof gewählt, lehnte die Bischofswürde aber insgesamt fünfmal ab, in Châlons, Genua, Mailand, Langres und Reims. Selbst König Ludwig VII. bat ihn im Fall Reims, dem Ruf zu folgen, doch Bernhard lehnte aus gesundheitlichen und charakterlichen Gründen ab.
Rolle in kirchlicher und weltlicher Diplomatie
Bernhard trat selbstbewusst auf und besaß eine unbestreitbare Ausstrahlung, was ihn für diplomatische Aufgaben geeignet machte. Er setzte sich im päpstlichen Schisma für Innozenz II. gegen Anaklet II. ein und soll auch König Heinrich I. von England für Innozenz II. gewonnen haben. 1132 gründete er im Zuge dieser Bemühungen ein Tochterkloster in Rievaulx in England. 1133 begleitete er Innozenz II. nach Italien und verhandelte im päpstlichen Auftrag zwischen Genua und Pisa, die zuvor dem Gegenpapst Anaklet II. anhingen. Wegen seines Erfolgs wurde ihm der Bischofsstuhl von Genua angeboten, den er ablehnte. Auf der Rückreise erhielt er von Innozenz II. den Auftrag, die strittige Erzbischofswahl in Tours zu entscheiden.
Kreuzzüge
Mit seinen Predigten entfachte Bernhard in ganz Europa Begeisterung für die Kreuzzüge und warb dafür im nördlichen Frankreich, in Flandern, am Rhein und am Main. In seinem Brief 457 aus dem Jahr 1147 forderte er einen Kreuzzug gegen die Wenden und betonte die Sündenvergebung als Belohnung für die Teilnahme an einem religiösen Krieg. Im Auftrag von Papst Eugen III., dem ersten Zisterzienserpapst, wirkte er erfolgreich am Zustandekommen des zweiten Kreuzzugs von 1147 bis 1149 mit. Zu Weihnachten 1146 erreichte er, dass sich König Konrad III. und dessen welfischer Gegenspieler Welf VI. zur Teilnahme bereit erklärten. Nach dem Scheitern des Kreuzzugs geriet die Kreuzzugsidee in eine Krise, und auch Bernhards Ruf litt, da man ihm falsche Versprechungen vorwarf. Er verteidigte sich und sah die Schuld in der Unmoral der Teilnehmer. Er trat entschieden für die Tempelritter ein und rechtfertigte ihnen gegenüber theologisch religiös motivierte Waffenhandlungen.