Welf VI.
Markgraf von Tuszien, Herzog von Spoleto; Begründer des Klosters Steingaden
elf VI. wurde 1115 als dritter Sohn Heinrichs des Schwarzen geboren. Nach dem Tod des Vaters 1126 übernahm sein Bruder Heinrich der Stolze die Führung der Welfen. Durch die Heirat mit Uta, Tochter des Pfalzgrafen Gottfried von Calw, erwarb Welf Ansprüche auf dessen Besitz, die er in der Calwer Erbfehde gegen Adalbert IV. von Calw durchsetzen musste. Nach der Wahl Konrads III. 1138 entzog dieser Heinrich dem Stolzen Bayern, Sachsen und Tuszien. Nach dessen Tod 1139 vertrat Welf die welfischen Ansprüche gegen die von Konrad eingesetzten Babenberger, siegte 1140 bei Valley und verlor die Burg Weinsberg. 1147 zog er mit Konrad III. auf den Zweiten Kreuzzug und kehrte nach der Ablehnung der Belagerung von Damaskus zurück. Nach einer Niederlage bei Flochberg 1150 übernahm Heinrich der Löwe die Führung.
1152 unterstützte Welf VI. nach dem Tod Konrads III. die Wahl seines Neffen Friedrich von Schwaben, des späteren Kaisers Barbarossa, zum König. Dafür wurde er auf dem Würzburger Hoftag 1152 mit dem Herzogtum Spoleto, der Markgrafschaft Tuscien und weiteren italienischen Gütern belehnt und war damit Herr des größten Teils Mittelitaliens, dazu kam Sardinien. Diese Herrschaft dauerte rund zwanzig Jahre. 1167 starb sein einziger Sohn Welf VII. in Italien an Malaria; danach verlor Welf das politische Interesse und verkaufte seine italienischen Besitzungen an Kaiser Friedrich, führte den tuszischen Markgrafentitel aber noch bis 1173. Mit dem Erlös förderte er Dichtkunst, Geschichtsschreibung und Kirchenbau und veranstaltete aufwendige Feste, in deren Zeit auch die Historia Welforum entstand.
1171 nahm Barbarossa Verhandlungen über Welfs Gesamterbe auf, nachdem er dessen italienische Besitzungen übernommen hatte. Da Welfs Sohn tot war, kamen als Erben seine Neffen Heinrich der Löwe und Kaiser Friedrich Barbarossa in Frage. Zwischen Pfingsten 1175 und Herbst 1176 schloss Welf mit Heinrich dem Löwen einen Erbvertrag, nach dem Heinrich gegen eine Zahlung das Erbrecht erhalten sollte. Da Heinrich die Zahlung schuldig blieb, kaufte Friedrich Welf kurz vor Weihnachten 1178 dessen Besitzungen nördlich der Alpen ab; die Übergabe erfolgte im Januar 1179 auf dem Wormser Hoftag, auf dem auch das Absetzungsverfahren gegen Heinrich den Löwen eingeleitet wurde. 1191 starb Welf in Memmingen und wurde im Kloster Steingaden beigesetzt.