Friedrich I. (HRR)
Herzog von Schwaben, römisch-deutscher König, Kaiser des römisch-deutschen Reiches
Herkunft
riedrich entstammte dem Geschlecht der Staufer. Dieser Name ist eine Begriffsfindung der Historiker aus dem 15. Jahrhundert. Abstammung und Herkunft der Familie sind bis heute ungeklärt. Die Familie baute ihre Herrschaftsposition durch Klostervogteien, Ministerialität und Zusammenarbeit mit Klerus und Volk der Bistümer Würzburg, Worms und Speyer aus. Wichtiger war die Verwandtschaft mütterlicherseits mit den Saliern. Barbarossas Großmutter war Agnes, eine Tochter Heinrichs IV. Er verstand sich als Nachkomme Konrads II. Als Reaktion auf die Erhebung Rudolfs von Rheinfelden zum Gegenkönig erhielt Friedrich I. 1079 das Herzogtum Schwaben. 1105 bekam sein Sohn Friedrich II., der Vater Barbarossas, das Herzogtum.
Um 1122 wurde Barbarossa als Sohn Friedrichs II. und der Welfin Judith geboren. Sein Geburtsort war vielleicht Hagenau. Er konnte weder lesen noch schreiben und war der lateinischen Sprache nicht mächtig. Die Kandidatur seines Vaters als Nachfolger Heinrichs V. blieb 1125 erfolglos; gewählt wurde Lothar III. Nach dessen Tod wurde am 7. März 1138 Konrad zum König gewählt. Um 1147 heiratete Barbarossa Adela, die Tochter des Markgrafen Diepold III. von Vohburg. Von 1147 bis 1149 nahm er am Kreuzzug seines Onkels Konrad teil; das Unternehmen schlug fehl. Konrad starb am 15. Februar 1152.
Königswahl 1152
Zwei Wochen nach Konrads Tod wählten die Fürsten am 4. März 1152 in Frankfurt am Main seinen Neffen Herzog Friedrich III. von Schwaben zum König. Otto von Freising zeichnet das Bild einer einmütigen Erhebung; tatsächlich dürften intensive Verhandlungen und Absprachen vorausgegangen sein. Die Unterstützung Heinrichs des Löwen gewann Friedrich wohl durch die Zusage, ihm das Herzogtum Bayern zurückzugeben. Welf VI. wurde im selben Jahr Herzog von Spoleto, Markgraf der Toskana und Fürst von Sardinien. Konrads minderjähriger Sohn Friedrich wurde übergangen, der erste Fall dieser Art. Am 9. März 1152 krönte Erzbischof Arnold von Köln Friedrich in der Aachener Münsterkirche Karls des Großen.
Während der Zeremonie warf sich ein Ministeriale, dem Barbarossa die Gunst entzogen hatte, dem gesalbten König öffentlich vor die Füße. Friedrich wies ihn ab mit der Begründung, er habe ihn nicht aus Hass, sondern aus Gerechtigkeitsgründen von seiner Huld ausgeschlossen. Die Entscheidung überraschte die Anwesenden und erhielt ihren Respekt. Die Forschung wertet die Reaktion als Ausdruck eines Wandels der Herrschertugenden. Galten in ottonisch-salischer Zeit Milde und Barmherzigkeit als Maßstab, so war nun der rigor iustitiae maßgeblich. Verzeihung und Wiedereinsetzung wurden unter Barbarossa nicht mehr im bisherigen Maß gewährt.
Heinrich der Löwe
Die größten Zuwendungen erhielt Heinrich der Löwe. Am 8. oder 9. Mai 1152 belehnte Barbarossa ihn mit der Reichsvogtei Goslar, die wegen des Silberabbaus am Rammelsberg hohe Einnahmen sicherte. Ein Streit mit Albrecht dem Bären um die Plötzkauer und Winzenburger Grafschaften wurde am 13. Oktober 1152 beim Hoftag in Würzburg beigelegt: Heinrich erhielt das Erbe des Grafen Hermann II. von Winzenburg, Albrecht die Plötzkauer Grafschaften. 1154 verlieh Barbarossa dem Löwen das königliche Recht der Investitur für die Bistümer Oldenburg, Mecklenburg und Ratzeburg. Die geschaffene Machtfülle störte das hocharistokratische Gleichgewicht und rief Unmut im Kreis der Fürsten hervor.
Konstanz und Mailand
Im März 1153 fand in Konstanz ein Hoftag statt. Nach Otto Morena klagten Kaufleute aus Lodi über Angriffe Mailands. Mailand hatte 1111 Lodi und 1127 Como in weitgehende Abhängigkeit gebracht. Der Investiturstreit im 11. Jahrhundert hatte zum Zusammenbruch der Reichsherrschaft in Italien und zum bewaffneten Kampf zwischen den Kommunen geführt. Morena berichtet, ein Brief Barbarossas sei in Mailand verlesen, zerknüllt und das Siegelbild zertrampelt worden. Andere Forscher bezweifeln Morenas Glaubwürdigkeit. In Konstanz versprach Barbarossa den päpstlichen Legaten, ohne Zustimmung des Papstes keinen Frieden mit Roger II. zu schließen. Papst Eugen III. stellte darüber am 23. März 1153 eine Urkunde aus, den Konstanzer Vertrag.
Erster Italienzug
Im Spätherbst 1154 erreichte Barbarossa Italien. Die Geschenke Mailands lehnte er ab, solange sich die Stadt nicht seinen Befehlen unterwerfe. Auf dem Weg zur italienischen Königskrönung wurde er von zwei Mailänder Konsuln drei Tage durch ödes Land fehlgeleitet. Er verlangte, dass sich Mailand seinem Gericht unterwerfe, und beklagte vor den Fürsten die Verletzung des honor imperii. Mit 1800 Rittern hatte er kein schlagkräftiges Heer gegen Mailand. Tortona verweigerte trotz mehrfacher Ladung das Verfahren und wurde von Februar bis April 1155 belagert. Die Stadt ergab sich im April 1155 in der Form der deditio. Am 24. April 1155 wurde Barbarossa in Pavia zum König gekrönt; einen Tag später zerstörte Pavia Tortona.
Kaiserkrönung 1155
Am 8. Juni 1155 begegneten sich Barbarossa und der Papst erstmals persönlich. Beim Marschalldienst kam es zu einem Eklat, der am nächsten Tag durch Wiederholung der Begegnung behoben wurde. Die römische Kommune bot Friedrich gegen 5000 Pfund Silber die Kaiserkrone aus der Hand des römischen Volkes an; ein Bruch mit der durch Karl den Großen begründeten Tradition musste abgelehnt werden. Am 18. Juni 1155 krönte Hadrian IV. ihn in St. Peter zum Kaiser. Angriffe der Römer wurden abgewehrt, wobei sich Heinrich der Löwe hervortat. Der Feldzug gegen die Normannen wurde abgebrochen, so dass Barbarossa den Konstanzer Vertrag nicht einhalten konnte. In Verona verhängte er den Bann über Mailand.
Besançon
Im Juni 1156 wurde der Vertrag von Benevent zwischen Hadrian IV. und Wilhelm I. von Sizilien geschlossen. Der Ausschluss des Kaisers sorgte für großen Unmut. Im Oktober 1157 erschien eine päpstliche Gesandtschaft auf dem Hoftag in Besançon. Der Papst erklärte sich bereit, dem Kaiser maiora beneficia zu gewähren. Kanzler Rainald von Dassel übersetzte beneficia mit „noch größere Lehen“. Dadurch entstand der Eindruck, der Papst sehe den Kaiser als Lehnsmann. Barbarossa ließ verlauten, er habe „Königtum und Kaisertum durch die Wahl der Fürsten allein von Gott empfangen“. Im Juni 1158 erklärten zwei Kardinäle in Augsburg, gemeint sei beneficium im Sinne von Wohltat.
Bayern, Heirat, Roncaglia
Im Juni 1154 wurde Heinrich Jasomirgott das Herzogtum Bayern durch ein iudicium der Fürsten entzogen und Heinrich dem Löwen zugesprochen. Im Privilegium minus von 1156 wurde die Markgrafschaft Österreich in ein Herzogtum umgewandelt und an Heinrich Jasomirgott vergeben, damit die Ehre des Onkels nicht gemindert erscheine.
Roncaglia 1158
Vom 11. bis 26. November 1158 fand ein Hoftag in Roncaglia statt. Die roncalischen Gesetze sollten die königlichen Ansprüche systematisch erfassen. Vier Bologneser Rechtsgelehrte stellten ihr Wissen zur Verfügung. Die lex omnis iurisdictio bewilligte alle weltlichen Herrschafts- und Gerichtsrechte dem Kaiser; die Wahl der Konsuln wurde von seiner Zustimmung abhängig. Die lex tributum sprach ihm Kopf- und Grundsteuer zu, die lex palatia das Recht, an allen Orten Pfalzen zu bauen. Für die Kommunen bedrohten die Gesetze den gewohnheitsrechtlichen Erwerb von Regalien und Gerichtsbarkeit.
Schisma, Legnano, Friedensschlüsse
Am 1. September 1159 starb Hadrian IV.; die Gegensätze im Kardinalskollegium führten zu einer Doppelwahl. Barbarossa erkannte Viktor IV. an, nicht Alexander III. Die Synode von Pavia endete mit der Exkommunikation Alexanders, der daraufhin Kaiser und Viktor exkommunizierte. Heinrich II. von England und Ludwig VII. ergriffen für Alexander Partei.
Zerstörung Mailands
Die dramatische Versorgungslage zwang Mailand im März 1162 zur Kapitulation. Die Stadt musste sich viermal in Lodi unterwerfen. Konsuln, 300 Ritter und ein Teil des Fußvolks unterwarfen sich; die Ritter trugen Schwerter auf dem Nacken, die Soldaten Stricke um den Hals. Am 26. März ließ Barbarossa auf Betreiben von Cremona, Pavia, Lodi, Como und anderen Gegnern die Stadt zerstören. Die Mailänder wurden in Dörfer umgesiedelt, der Zugang blieb ihnen ab 1162 verwehrt. Kaiserurkunden wurden bis August 1162 „nach der Zerstörung Mailands“ datiert. Brescia, Piacenza und Bologna unterwarfen sich innerhalb weniger Wochen. Kaiserliche Legaten wurden als Stellvertreter eingesetzt.
Legnano und Venedig
1174 brach Barbarossa zum fünften Italienzug auf, um die Gründung Alessandrias zu rächen. Im April 1175 wurde der Frieden von Montebello geschlossen. Anfang 1176 trafen sich Barbarossa und Heinrich der Löwe in der Reichsburg Chiavenna; möglicherweise fiel der Kaiser vor dem Herzog auf die Knie. Heinrich lehnte die Bitte ab und machte ein Heereskontingent wohl von der Übergabe Goslars abhängig, was Barbarossa ablehnte. Die Schlacht von Legnano entstand am 29. Mai 1176 aus einer zufälligen Begegnung. Barbarossa entkam mit Mühe und erreichte Anfang Juni Pavia.
Frieden von Venedig
Eine Malariaerkrankung im Sommer 1176 und die Furcht des exkommunizierten Kaisers um sein Seelenheil waren entscheidend für die Verhandlungen mit Alexander III. Erzbischof Wichmann von Magdeburg hatte wesentlichen Anteil am Vorvertrag von Anagni im November 1176. Seit Mitte Mai 1177 wurde in Venedig verhandelt. Mit den Kommunen kam ein auf sechs, mit dem normannischen König ein auf fünfzehn Jahre befristeter Waffenstillstand zustande. Am 24. Juli 1177 unterwarf sich Barbarossa Alexander III. und erwies ihm die geforderten Ehrendienste. Der Konflikt mit dem Papst war beigelegt. Im Juli 1178 ließ sich Barbarossa in Arles zum König von Burgund krönen.
Sturz Heinrichs des Löwen
Am 6. Juli 1174 wird Heinrich der Löwe das letzte Mal in Barbarossas Urkunden genannt, 1181 wurde er gestürzt. Im November 1178 nahm Barbarossa in Speyer erstmals die Klagen der sächsischen Gegner an. Heinrich erschien im Januar 1179 nicht in Worms; es erging ein Feststellungsurteil, das ihm im Wiederholungsfall die Acht androhte. Ende März 1180 wurde das Herzogtum Sachsen auf dem Hoftag in Gelnhausen aufgeteilt und Heinrich als Majestätsverbrecher verurteilt. Philipp von Köln erhielt am 13. April 1180 das westliche Sachsen als Herzogtum Westfalen-Engern, Graf Bernhard von Anhalt den östlichen Teil. Ende September 1180 wurde in Altenburg über Bayern entschieden; Otto von Wittelsbach wurde belehnt.
Mit der Teilung Sachsens und Bayerns ging die Geschichte der großen karolingerzeitlichen regna des ostfränkischen Reiches endgültig zu Ende. An ihre Stelle traten fürstliche Herrschaftsbereiche. Die Neuordnung begrenzte auch die Königsgewalt. Im November 1181 unterwarf sich Heinrich auf dem Hoftag von Erfurt dem Kaiser. Ihm verblieben nur die Allodialgüter um Braunschweig und Lüneburg; für drei Jahre musste er ins Exil gehen.
Friede von Konstanz
Im Juni 1183 wurde der Vertrag von Konstanz geschlossen. Alessandria wurde unter dem Namen Caesarea formal neu gegründet. Friedrich sprach dem Bund die Regalien gegen eine einmalige oder jährliche Geldzahlung zu und erkannte die städtische Selbstverwaltung an. Die Städte verpflichteten sich zum Fodrum bei jedem Italienzug. Die Konsuln wurden von den Einwohnern bestimmt, der Kaiser konnte alle fünf Jahre die freie Wahl bestätigen. Damit scheiterte Barbarossas Versuch, eine Sonderentwicklung der Verfassung in Reichsitalien zu verhindern. Die Kommunen waren nun selbstständige Rechtssubjekte.
Kreuzzug und Tod
Nach der Niederlage des Königs von Jerusalem gegen Saladin am 4. Juli 1187 bei Hattin und der Einnahme Jerusalems am 2. Oktober 1187 rief Papst Gregor VIII. am 29. Oktober 1187 zum Kreuzzug auf. Am 27. März 1188 ließ Barbarossa in Mainz den Kreuzzug beschwören. Am 11. Mai 1189 brach er von Regensburg auf, sein Heer war mit etwa 15.000 Teilnehmern das größte, das je zu einem Kreuzzug aufbrach. Nach Kämpfen in Kleinasien siegte er in der Schlacht bei Iconium. Ende Mai erreichte das Heer Kleinarmenien und den Fluss Saleph. Dort ertrank Barbarossa am 10. Juni 1190. Er ist der einzige Herrscher des Mittelalters, dessen Grablege bis heute unbekannt ist.
Nachwirkung
Barbarossa entwickelte sich im 19. Jahrhundert nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806 und den Befreiungskriegen zum Bezugspunkt des nationalen Einheitsgedankens. Dazu trug bei, dass er im Reich keine Grabstätte hatte. Er wurde zum schlafenden Kaiser im Kyffhäuser. Die Sagensammlung der Brüder Grimm von 1816 und Friedrich Rückerts Gedicht von 1817 erschlossen die Kyffhäusersage einem größeren Publikum. Mit der Einweihung des Kyffhäuserdenkmals 1896 erreichte die Verehrung einen Höhepunkt. Im Nationalsozialismus nannte Adolf Hitler den Angriffskrieg gegen Russland im Juni 1941 „Unternehmen Barbarossa“. Erst 1945 endete der Nationalmythos. In Mailand gilt Barbarossa bis heute als Symbol einer drückenden Fremdherrschaft.