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Heinrich der Löwe

Herzog von Sachsen (1142–1180) und von Bayern (1156–1180)

Herkunft

einrich der Löwe entstammte dem Geschlecht der Welfen. Die Familie ließ als erste Adelsfamilie im Reich ihre Geschichte aufzeichnen und betonte die Verbindung zu den Karolingern. Die Welfin Judith war zweite Gemahlin Kaiser Ludwigs des Frommen, ihre Schwester Hemma heiratete König Ludwig den Deutschen. Bis 1032 stellte ein Zweig der Familie die Könige von Burgund. Heinrichs Großvater, der bayerische Herzog Heinrich der Schwarze, heiratete Wulfhild, die älteste Tochter des sächsischen Herzogs Magnus Billung. Dadurch kamen Ländereien um Lüneburg an die Welfen. 1125 blieb die Kandidatur des Staufers Friedrich II. erfolglos; gewählt wurde Lothar III. Lothar vermählte seine Tochter Gertrud mit Heinrich dem Stolzen. Aus dieser Verbindung ging Heinrich der Löwe hervor.

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Auseinandersetzung mit Konrad III.

Lothar starb im Dezember 1137 und übergab die Reichsinsignien an Heinrich den Stolzen. Am 7. März 1138 wurde jedoch der Staufer Konrad in Koblenz zum König gewählt. Heinrich der Stolze lieferte die Insignien aus, weigerte sich aber, auf eines seiner beiden Herzogtümer zu verzichten. Konrad entzog ihm 1138 beide Herzogtümer und gab Sachsen an Albrecht den Bären, im Frühjahr 1139 Bayern an Leopold IV. Beim Tod seines Vaters im Oktober 1139 war Heinrich der Löwe ein unmündiges Kind. Im Mai 1142 wurde auf einem Hoftag in Frankfurt ein Ausgleich vereinbart: Albrecht verzichtete auf Sachsen, das Heinrich dem Löwen übertragen wurde. Auf Rat seiner Mutter Gertrud verzichtete Heinrich auf Bayern.

Slawenkreuzzug

Viele Fürsten aus dem Nordosten des Reichs wollten statt des Marsches ins Heilige Land einen Kriegszug gegen die benachbarten heidnischen Slawen führen. Bernhard von Clairvaux unterstützte den Plan. Zu den Anführern des gegen die Abodriten gerichteten Wendenkreuzzugs gehörten Heinrich der Löwe, Konrad von Zähringen und Erzbischof Adalbero von Bremen. Schon Zeitgenossen warfen ihnen vor, es sei zuerst um Herrschaftsausbau und Einkünfte gegangen. 1148/49 heiratete Heinrich Clementia, die Tochter Konrads von Zähringen. 1160 fiel der slawische Fürst Niklot, Heinrich ordnete das Abodritenland neu. 1163 versuchten Niklots Söhne die Rückgewinnung; Wertislaw wurde hingerichtet, Pribislaw unterwarf sich und wurde 1167 mit dem größten Teil des väterlichen Erbes belehnt.

Förderung durch Barbarossa

Nach dem Tod Konrads III. 1152 wählten die Fürsten dessen Neffen Friedrich. Heinrichs Unterstützung hatte Barbarossa wohl durch die Zusage gewonnen, ihm Bayern zurückzuerstatten. Es begann eine 25 Jahre dauernde Zusammenarbeit; in etwa zwei Dritteln aller Urkunden der ersten zehn Jahre erscheint Heinrich als Zeuge. Am 8. oder 9. Mai 1152 belehnte Barbarossa ihn mit der Reichsvogtei Goslar. Am 13. Oktober 1152 erhielt er in Würzburg das Winzenburger Erbe, Albrecht der Bär die Plötzkauer Grafschaften. Am 17. September 1156 wurde in Regensburg im Privilegium minus der Kompromiss fixiert: Heinrich erhielt Bayern, die Mark Österreich wurde abgetrennt, zum Herzogtum erhoben und an Heinrich Jasomirgott vergeben.

Als Heinrich neben dem sächsischen auch das bayerische Herzogtum erhielt, wurde für ihn ein neuer Name geschaffen: Heinrich der Löwe. Das Löwenprädikat galt als Charakteristikum starker Herrschaft. Nach den Forschungen von Karl Schmid und Otto Gerhard Oexle stand der Beiname auch allgemein für die Zugehörigkeit zur Welfenfamilie.

Italienzüge

Auf dem ersten Italienzug 1154/55 stellte Heinrich das größte Kontingent. Er begann die Belagerung Tortonas und eroberte am 17. Februar 1155 die Unterstadt; die Oberstadt gab zwei Monate später auf. Am 18. Juni 1155 wurde Barbarossa zum Kaiser gekrönt. Kurz danach brach der Aufstand der Römer aus, bei dem auch Heinrichs Lager angegriffen wurde; er wehrte den Angriff ab. Sein militärischer Erfolg fand bei Chronisten vor allem in Sachsen große Aufmerksamkeit.

Herrschaftsausbau in Sachsen

Die Herzogswürde war in Sachsen nicht mit einer Amtsgewalt verbunden, sondern ein unklar definierter Rechtstitel. Heinrich verstand seine Stellung als eine Art Vizekönig und sah sich selbst, nicht den König, als Lehnsherrn der Grafen. Damit missachtete er traditionelle Formen der konsensualen Herrschaft. Für eine herzogliche Landesherrschaft musste die welfische Hausmacht wachsen, was die Rechte des geistlichen und weltlichen Adels beschnitt. Heinrich erweiterte sein Gebiet auch durch Eroberungen nördlich der Elbe. Er stützte sich besonders auf Ministeriale, weil sie aufgrund ihrer unfreien Rechtsstellung loyal sein mussten.

Investiturrecht nördlich der Elbe

Heinrich beanspruchte das königliche Investiturrecht in den drei Bistümern nördlich der Elbe. 1150/51 ließen sich Vizelin und Emmehard von ihm investieren. Am 3. Juni 1154 bestätigte Barbarossa ihm dieses Recht in Goslar auf Dauer, für die Bistümer Oldenburg, Mecklenburg, Ratzeburg und alle künftigen Bischofssitze im heidnischen Nordalbingien. Heinrich war der einzige deutsche Fürst mit einem solchen Recht. Barbarossa wollte damit seine Unterstützung in Italien sichern. 1154 erneuerte Heinrich das Bistum Ratzeburg. 1158 verlegte er das Bistum Mecklenburg nach Schwerin, 1159/60 den Sitz des Bistums Oldenburg nach Lübeck.

Braunschweig

Braunschweig gewann für Heinrich einzigartige Bedeutung. Er errichtete dort eine Pfalzanlage und damit eine der frühesten Residenzen eines mittelalterlichen Fürsten. Zwischen 1164 und 1176 entstand im Zentrum das bronzene Standbild eines Löwen, die erste freistehende Plastik des Mittelalters nördlich der Alpen. Der Braunschweiger Löwe war Zeichen seines Namens und wohl ein individuelles Herrschaftszeichen. 1173 wurde das Kollegialstift St. Blasius vollständig neu erbaut. In Braunschweig lag die wichtigste Münzstätte des Herzogs, ab 1150 wurden mindestens 55 Typen geprägt.

Chiavenna

Im November 1175 forderte Barbarossa Unterstützung im Kampf gegen die lombardischen Städte. Alle sächsischen Fürsten sollen gefolgt sein, nur Heinrich der Löwe habe sich geweigert. Anfang 1176 trafen sich beide wahrscheinlich in Chiavenna nördlich des Comer Sees. Da alle Quellen erst Jahre später entstanden, ist die Historizität nicht gesichert. Möglicherweise fiel der Kaiser vor dem Herzog auf die Knie. Heinrich lehnte ab und machte ein Heereskontingent wohl von der Übergabe Goslars mit seinen Silberminen abhängig, was Barbarossa verweigerte. Im Mai 1176 verlor das kaiserliche Heer die Schlacht von Legnano. Am 1. August 1177 schloss Friedrich in Venedig Frieden mit Alexander III.

Der Prozess

1178 fiel Philipp von Köln in den westfälischen Teil des Herzogtums ein. Zu den Hoftagen in Worms im Januar 1179 und in Magdeburg am 24. Juni 1179 erschien Heinrich nicht. Der Ladungsungehorsam verletzte die Ehre des Reiches. Seit dem Würzburger Hoftag vom Januar 1180 war Heinrich kein Reichsfürst mehr. Ende März 1180 wurde er auf einem Hoftag in Gelnhausen als Majestätsverbrecher verurteilt, seine Reichslehen wurden eingezogen. Erzbischof Philipp von Köln erhielt am 13. April 1180 das westliche Sachsen als Herzogtum Westfalen-Engern, der östliche Teil fiel an Graf Bernhard von Anhalt. Ende September 1180 wurde Otto von Wittelsbach mit dem verkleinerten Herzogtum Bayern belehnt.

Exil und Rückkehr

Heinrich eröffnete im April 1180 die Kämpfe mit einem Angriff auf Goslar. Sein Herrschaftssystem brach rasch zusammen; ihm verblieben nur Lüneburg, Braunschweig und Haldensleben. Im November 1181 unterwarf er sich auf dem Hoftag von Erfurt. Die sächsischen Eigengüter durfte er behalten, die Herzogtümer waren verloren. Am 25. Juli 1182 ging er mit Frau und Kindern zu seinem Schwiegervater in die Normandie. Ende September 1185 kehrte er nach Braunschweig zurück. 1189 ging er erneut nach England und schloss sich nach dem Tod Heinrichs II. König Richard Löwenherz an. Nach dem Tod seiner Gemahlin am 28. Juni 1189 kehrte er ins Reich zurück. Im März 1194 wurde er in der Pfalz Tilleda in die volle Gnade des Kaisers aufgenommen.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Heinrich der LöweVersionsgeschichteBearbeitungsstand 268475527redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
User:BrunswykCC BY-SA 3.0Quelle