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Otto IV. (HRR)

Kaiser des Heiligen Römischen Reiches

ach dem überraschenden Tod Kaiser Heinrichs VI. 1197 in Messina war sein Sohn Friedrich erst zwei Jahre alt. Philipp, Bruder Heinrichs VI., versuchte vergeblich, den Jungen ins Reich zu bringen und blieb als einziger staufischer Vertreter im Norden. Wegen der Vorbehalte gegen einen minderjährigen König wählten rivalisierende Fürstengruppen 1198 zwei Könige. Der Kölner Erzbischof Adolf stand an der Spitze der Otto-Wähler, unterstützt vom englischen König Richard Löwenherz, der sich einen Verbündeten gegen Frankreich schaffen wollte. Der Askanier Bernhard und der Wittelsbacher Ludwig, die vom Sturz Heinrichs des Löwen profitiert hatten, fürchteten Otto und wählten mit weiteren Erzbischöfen am 8. März 1198 in Mühlhausen Philipp von Schwaben zum König.

In Speyer erneuerte Otto am 22. März 1209 die Neußer Eide und erkannte päpstliche Gebietsansprüche in Mittel- und Unteritalien an. Im Juni 1209 zog er mit großem Heer nach Italien, und am 4. Oktober 1209 krönte ihn Papst Innozenz III. zum Kaiser. Am selben Tag versprach Otto einen Kreuzzug. Entgegen den päpstlichen Erwartungen blieb er in Italien und machte dort eigene Herrschaftsansprüche geltend, etwa mit der Erhebung Dietpolds von Schweinspoint zum Herzog von Spoleto im Februar 1210. Durch die Beanspruchung der Kaiserrechte an Sizilien geriet Otto mit dem Papst in Konflikt. Seine Beweggründe blieben unklar; möglich war der Wunsch, an die Tradition kaiserlicher Herrschaft in Unteritalien anzuknüpfen und Friedrich II. als letzten Konkurrenten auszuschalten, oder die Eroberung Siziliens sollte den geplanten Kreuzzug absichern.

Nachdem Otto von einem staufisch-kapetingischen Bündnis erfahren hatte, fiel er in die französischen Kronländer ein, um Friedrich II. einen Verbündeten zu nehmen und seine Autorität im Reich wiederherzustellen. Am 27. Juli 1214 kam es östlich von Lille zur Schlacht von Bouvines zwischen den Heeren Ottos und des französischen Königs Philipp II. Zu Ottos Aufgebot zählten die Herzöge von Brabant, Limburg und Lothringen sowie sächsische Truppen. Otto erlitt eine vernichtende Niederlage; mehrere Berater sollen ihn zu einem vorschnellen Angriff gedrängt haben. Nach wechselhaftem Kampf verließ Otto das Schlachtfeld, während seine Ritter zunächst weiterkämpften und sich erst später gefangen gaben. Einige Forscher sehen in seiner Flucht selbst einen Grund für die Niederlage.

Otto verbrachte seine letzten Lebensjahre zwischen Harz und Heide, mit mehrfachen Aufenthalten in Braunschweig. Anfang Mai 1218 erkrankte er auf der Harliburg schwer und wurde am 13. Mai auf die Harzburg gebracht. Am 15. Mai 1218 legte er ein Schuldbekenntnis gegenüber der römischen Kirche ab und erhielt die Zusage der Sündenvergebung. Kurz vor seinem Tod ließ er eine Urkunde ausstellen, die als erstes urkundlich erhaltenes politisches Testament eines mittelalterlichen Kaisers gilt. Sein Bruder Heinrich wurde Haupterbe und erhielt die Reichsinsignien zur Übergabe an den künftigen König. Otto starb kinderlos und wurde in der Braunschweiger Stiftskirche St. Blasii bestattet, wobei nur wenige Anhänger anwesend waren.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Otto IV. (HRR)VersionsgeschichteBearbeitungsstand 270572785redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
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