Friedrich II. (HRR)
König von Sizilien, römisch-deutscher König und Kaiser
Herkunft und Jugend
riedrich wurde am 26. Dezember 1194 von Konstanze von Sizilien in Jesi in der Mark Ancona geboren, sein Vater war Kaiser Heinrich VI. Konstanze brachte ihn nach achtjähriger Ehe und mit fast vierzig Lebensjahren zur Welt. Um Weihnachten 1196 wählten die Fürsten in Frankfurt den gerade zweijährigen Königssohn in Abwesenheit zum römisch-deutschen König. Nach dem unerwarteten Tod des Vaters kam der fast dreijährige Friedrich im Herbst 1197 an den Hof nach Palermo. Am 17. Mai 1198 wurde er im Dom von Palermo zum König von Sizilien gekrönt. Am 27. November 1198 verlor er auch seine Mutter. Als Vollwaise stand er unter der Vormundschaft von Papst Innozenz III.
Kampf gegen Otto IV.
Nördlich der Alpen waren mit dem Welfen Otto IV. und dem Staufer Philipp von Schwaben zwei Könige gewählt worden. 1208 wurde Philipp in Bamberg ermordet, Otto IV. übernahm die Herrschaft. Im September 1211 wählten Fürsten in Nürnberg Friedrich zum anderen Kaiser. Im März 1212 machte sich Friedrich mit kleinem Gefolge auf den Weg. Im September 1212 erreichte er den Bodensee und fand in Konstanz Einlass. Am 5. Dezember wurde er in Frankfurt gewählt, am 9. Dezember 1212 im Mainzer Dom gekrönt. Otto unterlag am 27. Juli 1214 in der Schlacht bei Bouvines. Am 25. Juli 1215 ließ sich Friedrich in Aachen erneut krönen und verpflichtete sich noch am selben Tag zu einem Kreuzzug.
Kaiserkrönung 1220
Im September 1220 war Friedrich nach achtjähriger Abwesenheit wieder in Italien. Am 22. November wurden er und seine Gemahlin Konstanze von Papst Honorius III. in der Peterskirche zu Kaiser und Kaiserin gekrönt. Es blieb für 92 Jahre die letzte Kaiserkrönung in Rom. Bei der Krönung erneuerte Friedrich seinen Schwur, einen Kreuzzug durchzuführen.
Ordnung im Königreich Sizilien
Am 20. Dezember 1220 hielt Friedrich in Capua einen Hoftag ab und erließ die Assisen von Capua. Alle seit 1189 ohne königliche Einwilligung errichteten Burgen sollten eingezogen oder zerstört werden. Ein absolutes Fehdeverbot für alle Untertanen gehörte ebenfalls dazu. Im Sommer 1224 gründete Friedrich eine Universität in Neapel, die erste von einem Kaiser gegründete und von kirchlichem Einfluss unabhängige Universität in Europa. Zwischen 1224 und 1245 wurden Tausende sizilische Muslime in das über 800 Kilometer entfernte apulische Lucera deportiert, wo sie ihre Religion ausüben konnten. Mit Friedrichs Herrschaft endete 1246 die arabische Besiedlung Siziliens.
Streit mit den Kommunen
Zu Ostern 1226 berief Friedrich in Cremona seinen ersten Hoftag in der Lombardei ein. Am 6. März 1226 erneuerte Mailand mit Bologna, Brescia, Mantua, Padua, Vicenza und Treviso den lombardischen Städtebund. Die Städte verlangten, dass Friedrich in der Lombardei auf die Ausübung seiner Rechtsprechung verzichte und nicht mehr als 1200 Pferde mitführe. Die Bundesstädte verloren die kaiserliche Huld und wurden als Reichsfeinde geächtet. Friedrich erklärte den Konstanzer Frieden von 1183 für ungültig.
Kreuzzug 1228/29
Friedrich verpflichtete sich, Isabella von Brienne zu heiraten, die Erbin des Königreichs Jerusalem; durch die Hochzeit führte er von 1225 bis zu seinem Tod den Titel König von Jerusalem. Am 29. September 1227 verfiel er wegen des gebrochenen Kreuzzugsversprechens der Exkommunikation durch Papst Gregor IX. Am 28. Juni 1228 brach er von Brindisi mit 40 Schiffen auf, ohne Aussöhnung mit dem Papst. Am 11. Februar 1229 gelang mit dem Vertrag von Jaffa eine Einigung mit dem Sultan; Jerusalem, Bethlehem und Nazareth fielen an Friedrich. Am 18. März 1229 zeigte er sich mit Krone in der Grabeskirche. Der Papst hob die Exkommunikation dennoch nicht auf.
Konstitutionen von Melfi
Im August 1231 wurden als grundlegendes Gesetzeswerk die Konstitutionen von Melfi verkündet. Sie gliedern sich in 219 Einzelgesetze in drei Büchern und sind die erste weltliche Rechtskodifikation des Mittelalters. Mit Ausnahme einzelner Bestimmungen blieben die Gesetze bis in die Zeit Napoleons geltendes Recht auf Sizilien und in Unteritalien.
Aussöhnung mit dem Papst
Im Frieden von San Germano am 28. August 1230 wurde der Konflikt mit dem Papst beigelegt, maßgeblich durch die Vermittlung des Deutschordens-Hochmeisters Hermann von Salza. Am 2. September empfing der Papst Friedrich in seinem Elternhaus in Anagni. Ein gemeinsames Mahl machte die Aussöhnung öffentlich.
Sturz König Heinrichs
Heinrich erschien im Juli 1235 in der Königspfalz Wimpfen und verzichtete auf jede Demonstration seines königlichen Ranges. Friedrich ließ ihn nach Worms kommen. Dort unterwarf sich Heinrich vor den versammelten Großen; Friedrich ließ ihn lange ausgestreckt auf dem Boden liegen. Nach dem Unterwerfungsritual erhielt er keine Gnade, sondern verlor Amt und Würden. In den kommenden sieben Jahren wurde er in süditalienischen Kerkern untergebracht und starb im Februar 1242 als Gefangener. Einige Tage nach der Unterwerfung fand am 15. Juli in Worms Friedrichs Hochzeit mit Isabella statt, der Schwester des englischen Königs Heinrich III.
Erneuter Bruch mit dem Papsttum
Am 20. März 1239 wurde Friedrich erneut von Gregor exkommuniziert; die Exkommunikation blieb bis zu seinem Tod bestehen. Mit einer Enzyklika vom 1. Juli 1239 setzte die Verteufelung ein: Friedrich wurde als Ketzer und Vorläufer des endzeitlichen Antichristen bezeichnet. Der Konflikt verhinderte ein gemeinsames Vorgehen gegen die Mongolengefahr. Friedrich lehnte ein Eingreifen ab und machte einen Frieden mit dem Papst zur Voraussetzung. Am 3. Mai 1241 erlitt Genua bei der Insel Montecristo gegen die mit Friedrich verbündete Flotte Pisas eine vernichtende Niederlage; mehr als hundert Prälaten wurden gefangen genommen. Am 22. August 1241 starb Gregor IX.
Absetzung 1245 und Niederlage bei Parma
Ende 1244 berief Innozenz IV. für den 24. Juni 1245 ein Konzil nach Lyon ein. Am 17. Juli 1245 wurde Friedrich dort für abgesetzt erklärt. Am 22. Mai 1246 wählten wenige geistliche Fürsten Heinrich Raspe zum König, nach dessen Tod am 3. Oktober 1247 Wilhelm von Holland. Vor Parma ließ Friedrich im Herbst die hölzerne Lagerstadt Victoria errichten. Am 18. Februar 1248 erlitten seine Truppen eine vernichtende Niederlage; die Parmesen zerstörten das Lager und erbeuteten Krone, Siegel und Bibliothek. Es war seine schwerste Niederlage gegen eine einzelne oberitalienische Kommune.
Tod
Im Dezember 1250 starb Friedrich überraschend, vielleicht an Typhus, Paratyphus oder Blutvergiftung. Am 25. Februar 1251 wurde er in der Kathedrale von Palermo in einem Sarkophag aus Porphyr beigesetzt. 1257 brachte die Doppelwahl mit Alfons X. von Kastilien und Richard von Cornwall dem Reich zwei Könige, das sogenannte Interregnum. Diese Zeit endete erst mit der Wahl Rudolfs von Habsburg im Jahr 1273.