Childerich III.
letzter merowingischer König des Frankenreichs
Rückgriff auf einen Schattenkönig
ach dem gescheiterten Versuch Chilperichs II., um 720 wieder größere Handlungsfreiheit zu erlangen, war das Geschlecht der Merowinger faktisch entmachtet. Nach dem Tod Theuderichs IV. im Jahr 737 internierte der karolingische Hausmeier Karl Martell, der die eigentliche Macht im Frankenreich ausübte, Childerich zeitweilig im Kloster Sithiu, aus dem später die Abtei Saint-Bertin wurde, und ließ den fränkischen Thron unbesetzt. Erst als Karl Martells Sohn Karlmann im Frühjahr 743 erneut einen Schattenkönig aus dem Geschlecht der Merowinger benötigte, wurde Childerich freigelassen und inthronisiert. Die Gründe dafür sind nicht ganz klar: Die Hausmeier benötigten wohl zur Legitimation der eigenen Herrschaft diesen Rückgriff auf das alte Königsgeschlecht, besonders angesichts des Widerstandes der Großen des Reiches. Zudem stand in diesem Jahr ein entscheidender Krieg gegen den Baiernherzog an, den die Großen mit einem rechtmäßigen König an der Spitze eher zu führen bereit waren. Childerich III. wurde 743 die alte merowingische Königspfalz Villa Brannacum, Berny-Rivière, als Residenz zugewiesen.
Das lange Haar als Zeichen der Königswürde
Berühmtheit erlangte der ansonsten in seinem Handeln fast unbekannte König vor allem durch seine Absetzung als letzter Herrscher aus seinem Geschlecht, symbolisiert durch den Verlust seiner langen Haare. Diese langen Haare waren ein Statussymbol der Merowinger, das wohl an spätantike Traditionen anknüpfte: Im 5. und 6. Jahrhundert trugen viele Krieger schulterlanges Haar, was zum typischen Aussehen eines kriegerischen Aristokraten gehörte, gleich ob Römer oder Barbar. Die merowingischen Könige könnten schlicht bis zuletzt an dieser zunehmend antiquierten Sitte festgehalten haben. Eine solche Frisur ist etwa auf dem Siegel von Childerich I. aus der Zeit um 480 stark schematisiert dargestellt, mit bartlosem Gesicht und vollem, in der Mitte gescheiteltem Haar, das in schweren Lockenknäueln endet. Mit dem Verlust der Haare ging auch der Verlust der Ehre und damit der Königswürde einher. Das Scheren des Haupthaars wurde damals als politisches Zeichen der Ausschaltung eines Gegners genutzt. Der historischen Forschung zufolge wurde dem langen Haupthaar der Merowingerkönige über seine Bedeutung als Herrschaftszeichen hinaus auch eine magische Kraft im Zusammenhang mit der These eines Sakralkönigtums zugesprochen, was spätere Historiker allerdings in Zweifel zogen.
Absetzung und Kloster
Childerich III. wurde jedenfalls öffentlich geschoren und musste irgendwann zwischen dem 31. Oktober 751 und dem 23. Februar 752 in dasselbe Kloster Sithiu eintreten, in dem er Jahre zuvor inhaftiert gewesen war. Seine Gemahlin Gisela kam ins Kloster Kochel. Pippin setzte sich als erster Karolinger die Königskrone auf, von den Merowingern hört man danach nichts mehr. Childerich III. hinterließ einen Sohn, der nicht in das Kloster Sithiu eingewiesen wurde, sondern in das Kloster Saint-Wandrille. Von ihm ist ansonsten nur der Name Theuderich, auch Theoderich, bekannt.