Kontextartikel2 Min. Lesezeit

Ehre

verdienter Achtungsanspruch

Vom Wort zum Begriff

as deutsche Wort Ehre geht auf mittelhochdeutsch êre und althochdeutsch ëra zurück, unter Einfluss des lateinischen honestas und honestus. Griechische Begriffe wie τιμή und εὐδοκία sowie das lateinische honor bestimmten den Begriff mit. Schon in Islandsaga und Ilias kennzeichnete Ehre ein Lebensgefühl, dessen Verletzung zu erbitterten Fehden führte. In der Antike lag Ehre meist materiell als Ehrengabe vor. Theoretisch entwickelte Aristoteles den Ehrbegriff in der Nikomachischen Ethik. Auch in der germanischen Vorstellungswelt war der Erhalt der Ehre an sittliche Mindestanforderungen wie Tapferkeit gebunden. Erst Thomas Hobbes brach mit diesen Vorstellungen und definierte Ehre rein als äußerliche Anerkennung von Macht.

Ehre als Ordnungsprinzip

In mittelalterlicher Literatur war ere ein zentraler Begriff der Handlungsmotivation. Durch Loyalität, Gebefreudigkeit, Klugheit, Maßhalten, Beständigkeit und Tugendhaftigkeit ließ sich die ere vergrößern. Wurde sie verletzt, bestand eine Rache- oder Sühnepflicht für die Angehörigen. Männer konnten ihre ere erwerben, vergrößern, mindern oder zurückgewinnen, Frauen blieb nur die Tugendhaftigkeit, deren Verlust unwiderruflich zur Ehrlosigkeit führte. Die Ehre war im mittelalterlichen und neuzeitlichen Europa auch ein Medium, um Konflikte zwischen Personen und Institutionen auszutragen, wobei offene Streitigkeiten möglichst vermieden oder verschleiert wurden, damit keine Seite Ehrverlust erlitt. Eine Beeinträchtigung der Ehre ging meist mit Rang- und Rechtsfragen einher, die nicht zwingend, aber möglich mit Gewalt in Fehden verbunden waren. Dies galt auch für Schwurgemeinschaften wie Städte und Ständevereinigungen, die sich dezidiert als Ehrgemeinschaften empfanden.

Ehre und ständische Ordnung

Winfried Speitkamp versteht unter Ehre das Verhältnis von Selbstachtung und sozialer Anerkennung durch andere. Ehrenvorstellungen können integrierend oder ausgrenzend wirken und werden von Gruppen entwickelt und geschützt, nicht allein von Einzelnen entschieden. Georg Wilhelm Friedrich Hegel merkte an, dass die persönliche Ehre einerseits ein Element der Befreiung des Einzelnen aus den Zwängen der ständischen Gesellschaft war, es aber misslungen sei, sie allein aus der Vernunft einer individuellen Person herzuleiten. Hegel beschreibt in seinen Vorlesungen über die Ästhetik, wie vielfältig der Inhalt der Ehre sein kann und wie sehr ihre Verletzbarkeit von der Willkür des Einzelnen abhängt.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel EhreVersionsgeschichteBearbeitungsstand 270048067redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0