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Johannes von Salisbury

Theologe und Bischof von Chartres (ca. 1115-1180)

ohannes wurde zwischen 1115 und 1120 nahe Salisbury geboren. Um 1136 begann er seine Studien bei Wilhelm von Conches, Gilbert von Poitiers, Thierry von Chartres und Peter Abaelard. 1147 schloss er sein Theologiestudium ab und trat nach der Priesterweihe in die Verwaltung des Erzbischofs Theobald von Canterbury ein, wo er als Rechtsberater, Gesandter und Sekretär wirkte. Nach Theobalds Tod 1162 diente er Thomas Becket, geriet im Streit mit Heinrich II. in Ungnade und musste 1163 ins französische Exil vorauseilen. Erst 1170 kehrte er nach Canterbury zurück, kurz vor der Ermordung Beckets am 29. Dezember 1170, deren Augenzeuge er wurde. Ab 1174 war er Schatzmeister in Exeter, bevor er 1176 Bischof von Chartres wurde. Er starb am 25. Oktober 1180 und liegt in der Klosterkirche von Notre-Dame-de-Josaphat begraben.

1157 erschien sein Lehrgedicht Entheticus de dogmate philosophorum als Verteidigung antiker Literatur und Philosophie. Im Metalogicon griff er das Thema erneut auf und weitete es auf den Lehr- und Studienbetrieb seiner Zeit aus. Im Policraticus von 1156 bis 59 entwarf er eine Staats- und Gesellschaftstheorie nach Analogie zur menschlichen Anatomie, gedacht als Fürstenspiegel, mit dem er Thomas Becket auf seine Pflichten als Reichskanzler hinweisen wollte. Er vertrat darin, es sei erlaubt, einen Herrscher zu töten, der Recht und Billigkeit zerstöre. Mit der Historia Pontificalis von 1163 behandelte er seine Zeit als Papstgesandter und das Reimser Konzil von 1148 bis 1152. Aus demselben Jahr stammt die Vita Anselmi zur Kanonisierung Anselms von Canterbury. Sein letztes Werk war die Vita Sancti Thomae über die Todesumstände Thomas Beckets. Zudem liegt seine Korrespondenz aus den Jahren 1153 bis 1161 und 1163 bis 1180 vor. Aus seiner Zeit als Bischof von Chartres von 1176 bis 1180 sind keine weiteren Schriften bekannt.

Im Universalienstreit näherte sich Johannes den Auffassungen des Aristoteles und vertrat, Universalien seien keine selbständigen Wesen, sondern mentale Vorstellungen wirklicher Gattungen, eine Position, die als Konzeptualismus bezeichnet wird. Bekannt ist er auch für seine Attacken gegen die von ihm Cornificianer genannten Bildungspragmatiker, die seit Ende des 11. Jahrhunderts Einfluss auf Bildungskanon und Bildungspolitik nehmen wollten. Im Entheticus und im Metalogicon verteidigte er das Trivium und knüpfte an Ciceros Gedanken an, wonach sich Menschen durch Sprache und Vernunft aus ihren tierischen Ursprüngen zu zivilisierten Wesen entwickelt haben. Die natürlichen Anlagen des Menschen könnten durch Erziehung weiterentwickelt werden; er sei nicht allein auf die Gnade Gottes angewiesen und müsse die materielle Welt nicht meiden.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Johannes von SalisburyVersionsgeschichteBearbeitungsstand 269307958redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Etienne Collaultentstanden 1520–1525Public domainQuelle