Thomas Becket
studierter normannischer Laie, englischer Lordkanzler (1155–1162) und Erzbischof von Canterbury (1162–1170)
ecket wurde Erzbischof von Canterbury und legte das Amt des Lordkanzlers gegen den Willen des Königs nieder. Zwischen ihm und Heinrich II. entbrannte ein Streit um die gerichtliche Zuständigkeit für straffällige Kleriker. 1163 kam es in Westminster zum offenen Streit. Becket versuchte, die Unterzeichnung der Constitutions of Clarendon zu verhindern, gab dann aber nach und widerrief seine Zustimmung später wieder. Das königliche Hofgericht verurteilte ihn als Verräter und Meineidigen. 1164 floh er nach Frankreich, wurde von König Ludwig VII. empfangen und hielt sich in Sens und im Kloster Pontigny auf. Die Verhandlungen zwischen König, Papst und Erzbischof zogen sich über Jahre hin, ohne Fortschritt im Streit um die Gerichtsbarkeit über den Klerus. Im Dezember 1170 kehrte Becket nach Canterbury zurück, wo ihn die Bevölkerung begeistert empfing.
Becket war politisch nicht mehr erwünscht. Der Thronfolger Heinrich der Jüngere verweigerte ihm ein Zusammentreffen. Becket exkommunizierte die an der Krönung des Thronfolgers beteiligten Bischöfe, weil sie das Vorrecht des Erzbischofs von Canterbury zur Krönung missachtet hätten. Heinrich II. geriet daraufhin in Wut, und vier Ritter, Reginald Fitzurse, Hugh de Moreville, William de Tracy und Richard Brito, deuteten seine Worte als Mordauftrag. Am 29. Dezember 1170 trafen sie in Canterbury ein und töteten Becket, nachdem er sich weigerte, nach Winchester zu gehen. Sie schlugen ihm in der Kathedrale die Schädeldecke ab. Nach dem Bericht des Augenzeugen Edward Grim wollten sie ihn zunächst hinausbringen, wurden aber durch seine Worte zur sofortigen Tat getrieben. Ein Kleriker aus der Umgebung des Königs verteilte das Gehirn des Toten mit dem Fuß auf dem Kirchenboden.
Am 21. Februar 1173 wurde Becket durch Alexander III. heiliggesprochen. Dies dürfte auf die Intervention Herzogin Mathildes, der Ehefrau Heinrichs des Löwen und Tochter Heinrichs II., zurückgehen. Die gesamte Familie der Plantagenets vollzog eine Kehrtwendung in ihrem Verhältnis zu Becket. Seit Heinrich II. bei seinem Bußgang nach Canterbury 1174 Becket als seinen Schutzpatron pries, wurde dessen Verehrung etabliert. In Rom wurde er bei der Kirche San Tommaso di Canterbury spätestens ab 1373 als zweiter Kirchenpatron geführt. Die vier Ritter begaben sich nach Rom, um um Vergebung zu bitten, und wurden vom Papst als Kreuzritter ins Heilige Land geschickt.