Johannes XXII.
Papst (1316–1334)
acques Arnaud Duèze war Sohn eines Schuhmachers und studierte Medizin in Montpellier sowie Rechtswissenschaften in Paris. Er wirkte als Kanzler der neapolitanischen Könige Karl II. von Anjou und Robert I. und stieg zum Bischof von Fréjus, später von Avignon und schließlich zum Kardinalbischof auf. Nach dem Tod Clemens V. 1314 herrschte eine zweijährige Sedisvakanz, während Philipp IV. der Schöne starb und im Reich Ludwig IV. der Bayer und Friedrich der Schöne gegeneinander auftraten. Dante hatte italienische Kardinäle vergeblich aufgefordert, einen Italiener zu wählen; gegen die Mehrheit der französischen Kardinäle wurde schließlich Jakob von Cahors zum Papst gewählt.
Die Wahl Johannes’ XXII. am 7. August 1316 in Lyon wurde von Philipp von Poitou durchgesetzt. Es war das letzte Konklave, das länger als ein halbes Jahr dauerte; erst nachdem Philipp die Kardinäle im Dominikanerkloster von Lyon einmauern ließ und Duèze eine Todeskrankheit vortäuschte, kam es zur Entscheidung. Johannes, auch „Fuchs von Cahors“ genannt, wurde der zweite in Avignon residierende Papst und dort nach fast zwei Jahrzehnten Amtszeit auch beigesetzt.
Johannes führte einen erbitterten Kampf gegen Kaiser Ludwig den Bayern und die franziskanischen Spiritualen. 1317 revidierte er ein früheres Urteil Clemens’ V. und verfolgte die Spiritualen; es kam zu Hinrichtungen und einer Ordensspaltung. Nach der Schlacht bei Mühldorf 1322 und Ludwigs Versöhnung mit Friedrich dem Schönen führte Johannes weiter Prozesse gegen den König, drohte ihm 1323 den Bann an und verurteilte die franziskanische Armutslehre als Häresie. Ludwig nannte den Papst daraufhin selbst einen Häretiker; Johannes sprach ihm die Königswürde ab. 1328 ließ sich Ludwig von römischen Adligen ohne den Papst zum Kaiser krönen und erhob Nikolaus V. zum Gegenpapst, der sich zwei Jahre später Johannes unterwarf. Michael von Cesena und andere Gegner wurden fortan als Häretiker verfolgt.