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Ludwig IV. (HRR)

römisch-deutscher König und Kaiser

Herkunft

udwig entstammte dem Geschlecht der Wittelsbacher. Sein Ururgroßvater Otto I. wurde 1180 durch den staufischen Kaiser Friedrich I. mit dem Herzogtum Bayern belehnt. Die Familie war mit den Staufern auch verwandt: Ludwig II. der Strenge, Ludwigs Vater, war über seine Schwester Elisabeth mit König Konrad IV. verschwägert. Konrads Sohn Konradin war ein Vetter Ludwigs des Bayern. Mit Konradins Hinrichtung in Neapel starben die Staufer 1268 aus, und Ludwig der Strenge erbte die staufischen Besitzungen bis zum Lech. Ludwig wurde 1282 oder 1286 geboren. Erzogen wurde er am Wiener Hof Herzog Albrechts I., gemeinsam mit dessen Söhnen. Sein dortiger Spielkamerad war sein Vetter Friedrich der Schöne, der später sein Rivale um den Königsthron wurde.

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Kurz nach dem 14. Oktober 1308 heiratete Ludwig die etwa achtzehnjährige Beatrix aus der Linie Schlesien-Schweidnitz. 1310 stritten die Brüder über das väterliche Erbe. Nach dem Testament Ludwigs II. teilte sich Ludwig die Herrschaft in der Pfalzgrafschaft und in Oberbayern mit seinem älteren Bruder Rudolf I. In Niederbayern übernahm er mit seinem Vetter Otto III. die Vormundschaft über die unmündigen Kinder des verstorbenen Herzogs Stephan I. Darüber kam es zum Streit mit den Habsburgern. Im Münchener Frieden vom 21. Juni 1313 einigten sich die Brüder auf eine gemeinsame Regierung in Oberbayern. In der Schlacht von Gammelsdorf am 9. November 1313 besiegte Ludwig Friedrich den Schönen vernichtend und verdrängte ihn aus Niederbayern. Der Erfolg machte ihn zu einem Kandidaten für die anstehende Königswahl.

Zwei Könige

Nach dem Tod Kaiser Heinrichs VII. im August 1313 dauerte es 14 Monate bis zur Königswahl durch die sieben Kurfürsten. Zunächst wollte König Johann von Böhmen die Nachfolge antreten. Der Mainzer und der Trierer Erzbischof überredeten ihn zum Verzicht und traten für Ludwig als Kompromisskandidaten ein, um den Habsburger Friedrich zu verhindern. Aus Sicht der Luxemburger war Ludwig wegen seiner geringen Machtbasis geeignet; er verfügte weder über Hausmacht noch über größere Einkünfte. Die Uneinigkeit der Kurfürsten führte zur Wahl beider Konkurrenten. Am 19. Oktober 1314 wurde Friedrich in Sachsenhausen erhoben, einen Tag später Ludwig vor den Toren Frankfurts gewählt. Beide Krönungen fanden am 25. November statt und wiesen legitimatorische Schwächen auf.

Ludwig wurde in Aachen gekrönt, verfügte aber nur über nachgebildete Insignien und hatte mit dem Erzbischof von Mainz den falschen Koronator. Friedrich krönte der Erzbischof von Köln mit den echten Reichsinsignien, doch nicht in Aachen, sondern in Bonn. Eine militärische Entscheidung blieb lange aus; zwischen 1314 und 1322 wichen die Gekrönten ihr wiederholt aus. Nach dem Tod des Mainzer Erzbischofs Peter von Aspelt am 5. Juni 1320 ernannte Papst Johannes XXII. einen Anhänger der Habsburger zum Nachfolger. Im August 1322 starb Ludwigs erste Frau Beatrix. Am 28. September 1322 besiegte Ludwig in der Schlacht bei Mühldorf Friedrich von Habsburg erneut. Friedrich geriet in Gefangenschaft und wurde drei Jahre auf der Burg Trausnitz festgehalten.

Am 23. März 1324 exkommunizierte Johannes XXII. den König. Ludwig hatte ohne päpstliche Approbation den Titel eines römischen Königs geführt und in Oberitalien Ämter und Würden vergeben. Bis zu seinem Tod blieb er im Kirchenbann. Er reagierte mit drei Appellationen und erklärte sich zur Rechtfertigung vor einem Konzil bereit, fand beim Papst aber kein Gehör. Am 11. Juli 1324 entzog ihm der Papst die königlichen Herrschaftsrechte. Angesichts des Widerstands entschloss sich Ludwig zum Ausgleich: Am 13. März 1325 verzichtete der gefangene Friedrich in Trausnitz auf die Krone und die habsburgischen Reichslehen und erkannte die Herrschaft des Wittelsbachers an. Das Abkommen wurde am Osterfest durch gemeinsame Kommunion und Friedenskuss bekräftigt. Damit endete der seit 1314 andauernde Thronstreit.

Doppelherrschaft

Im Münchner Vertrag vom 5. September 1325 verpflichteten sich Ludwig und Friedrich auf ein Doppelkönigtum. Eine gleichberechtigte Doppelherrschaft war für das mittelalterliche Reich ein bis dahin unbekanntes Konzept, das auch später nicht mehr erwogen wurde. Friedrich sollte Mitkönig in Deutschland werden, sein Bruder Leopold das Reichsvikariat in Italien erhalten. In den Urkunden bezeichneten die Könige einander als Brüder; jeder führte ein eigenes Siegel, in dem der Name des Mitkönigs vor dem eigenen stand. Der Papst erklärte den Vertrag für ungültig. Das Doppelkönigtum dauerte nur kurze Zeit. Ludwig beendete es im Februar 1327, als er nicht Friedrich, sondern König Johann von Böhmen zum Generalreichsvikar machte.

Italienzug und Kaiserkrönung

Im Januar 1327 brach Ludwig zum Italienzug auf. Zu Pfingsten 1327 fand in Mailand die lombardische Krönung mit der Eisernen Krone statt. Der Papst entzog ihm am 3. April 1327 die Würde als Herzog von Bayern und verurteilte ihn am 23. Oktober als Häretiker. In der päpstlichen Korrespondenz hieß er nur noch Ludovicus Bavarus. Anfang Januar 1328 erreichte Ludwig Rom. Am 17. Januar 1328 wurde er in der Peterskirche von drei Bischöfen und vier Syndici des römischen Volks zum Kaiser gekrönt. Am 18. April 1328 ließ er den Papst absetzen; am 12. Mai wählten Volk und Klerus von Rom den Franziskaner Petrus von Carvaro, der den Namen Nikolaus V. annahm und Ludwig am 22. Mai erneut krönte.

Nikolaus blieb ohne Bedeutung, trat 1330 zurück und unterwarf sich Johannes XXII. Noch während des Italienzugs regelte Ludwig am 4. August 1329 im Hausvertrag von Pavia mit Rudolf II. und Ruprecht I. die Erbfolge der Wittelsbacher. Er behielt Oberbayern und überließ den Nachkommen seines Bruders die Pfalz. Die beiden Hauptlinien blieben bis 1777 getrennt. Im Februar 1330 kehrte Ludwig aus Rom zurück. Ihm fiel die Alleinherrschaft zu, denn Friedrich der Schöne war am 13. Januar 1330 gestorben.

Der Norden des Reiches

Im königsfernen Norden war Ludwig aktiver als seine Vorgänger. Nach dem Aussterben der brandenburgischen Askanier 1319 setzte er im April 1323 seinen minderjährigen Sohn Ludwig V. zum Markgrafen von Brandenburg ein. Brandenburg brachte dem Haus Wittelsbach eine zweite Kurstimme neben der pfälzischen. Auch der böhmische König Johann hatte Ansprüche angemeldet und erhielt nur die Altmark, die Lausitz und Bautzen; Ludwigs Eingreifen führte zu dauerhafter Entfremdung. 1324 folgte die dynastische Anbindung an Holland-Hennegau: Ludwig heiratete in zweiter Ehe Margarete, die älteste Tochter des Grafen Wilhelm III. Mehrere Territorialfürsten wurden aufgewertet, so Graf Wilhelm von Jülich 1336 zum Markgrafen und Graf Rainald II. von Geldern 1339 zum Herzog.

England und Frankreich

In einem erstmals am 23. Juli 1337 geschlossenen Subsidienvertrag sollte Eduard 400.000 Gulden zahlen, der Kaiser dafür 2000 gepanzerte Reiter gegen Philipp VI. stellen. Im September 1338 fand ein Hoftag in Koblenz statt, den viele als Höhepunkt von Ludwigs Herrschaft ansehen. Auch König Eduard III. von England kam. Am 5. September ernannte Ludwig ihn zum Reichsvikar für Gallien und Deutschland. Im Januar 1341 wechselte Ludwig die Seite und verbündete sich mit dem französischen König Philipp VI. In den Hundertjährigen Krieg griff er nicht ein. Im April 1341 zog er das Reichsvikariat zurück. Auch die Kriegsallianz kam nicht zustande: Eduard zahlte nicht, Ludwig stellte kein Heer.

Verfassungsentwicklung

Der Konflikt zwischen Kaiser und Papst führte zur Ausbildung eines neuen Reichsbewusstseins. Am 16. Juli 1338 fand mit sechs Kurfürsten der Kurverein von Rhens statt. Bei der Königswahl sollte das Mehrheitswahlrecht gelten, der Gewählte keine päpstliche Approbation benötigen. Drei Wochen später wurden auf einem Frankfurter Hoftag am 6. August 1338 die Gesetze Fidem catholicam und Licet iuris verkündet. Mit der Wahl durch die Kurfürsten durfte der neue König zugleich als römischer Kaiser herrschen; die Kaiserkrönung in Rom durch den Papst war damit überflüssig. Viele Elemente der Rhenser Erklärung wurden später in die Goldene Bulle Karls IV. übernommen. Ludwig stand auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Letzte Jahre

1340 starb die Herzogslinie in Niederbayern aus, das Land fiel an Oberbayern. In den 1340er Jahren sicherte Ludwig Tirol für die Wittelsbacher. Im Februar 1342 nötigte er seinen Sohn Ludwig von Brandenburg zur Heirat mit Margarete von Tirol, obwohl deren Ehe mit Johann Heinrich von Luxemburg nicht für ungültig erklärt worden war. Damit zog er sich endgültig die Feindschaft der Luxemburger zu. Mit Tirol 1342 sowie Holland, Hennegau, Seeland und Friesland 1346 erreichte er bedeutende territoriale Gewinne, vernachlässigte aber die Konsensfindung mit den Fürsten. Am 13. April 1346 verhängte Papst Clemens VI. den endgültigen Bannfluch und forderte eine Neuwahl. Am 11. Juli 1346 wurde Karl von Mähren zum Gegenkönig gewählt. Ludwig starb im Herbst des Folgejahres in Puch bei Fürstenfeldbruck auf der Jagd.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Ludwig IV. (HRR)VersionsgeschichteBearbeitungsstand 266895792redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Künstler/-in unbekanntentstanden 1801–1900Public domainQuelle