Karl IV. (HRR)
römisch-deutscher König und Kaiser, König von Böhmen
Herkunft und Erziehung
arl war ein Sohn Johanns von Luxemburg, des Königs von Böhmen von 1311 bis 1346, und dessen Gattin Elisabeth, der zweitältesten Tochter König Wenzels II. Přemysl. Elisabeth entstammte den Přemysliden wie den Habsburgern. In der väterlichen Linie, der mütterlichen Linie seines Vaters und unter den Přemysliden trug Karl als erster den Namen Karl. Die Luxemburger unterhielten seit langer Zeit gute Kontakte zum französischen Hof. Der französische König Karl IV. gab ihm den Firmnamen Karl mit Karl dem Großen als Namenspatron. Von 1323 bis 1330 erhielt Karl in Paris eine umfassende Bildung. Zu seinen Erziehern zählte Pierre Roger, der spätere Papst Clemens VI. In Frankreich wurde die Ehe mit Blanca Margarete von Valois gestiftet.
1331 reiste Karl nach Italien, wo sein Vater weitreichende Pläne verfolgte. Dort nahm er erstmals selbstständige Amtshandlungen vor. Johanns Vorhaben, in Reichsitalien einen luxemburgischen Herrschaftskomplex zu errichten, scheiterte 1333 vor allem an der Opposition mächtiger italienischer Stadtstaaten und des Königreichs Neapel. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war ambivalent. In seiner Autobiografie schrieb Karl, er beherrsche fünf Sprachen: Latein, Deutsch, Böhmisch, Französisch und Italienisch. 1333 kehrte er nach Böhmen zurück, 1334 wurde er mit der Markgrafschaft Mähren belehnt. 1335 war er am Vertrag von Trentschin beteiligt, der die politische Trennung Schlesiens vom Königreich Polen festlegte. Anfang 1336 übernahm er für seinen vierzehnjährigen Bruder Johann Heinrich die Regierung der Grafschaft Tirol. Am 8. Juni 1341 übertrug ihm der erblindende Johann die Administration des Königreichs.
Zugleich spitzte sich der Konflikt zwischen Ludwig dem Bayern und seinen Gegnern im Reich zu. Papst Klemens VI. förderte die Opposition, verhängte am 13. April 1346 den Bannfluch über Ludwig und forderte die Kurfürsten zur Neuwahl auf. Karl trat, unterstützt von seinem Großonkel Balduin von Trier, als Gegenkönig an. Da Frankfurt am Main und Aachen fest zu Ludwig hielten, wurde er am 11. Juli 1346 in Rhens von den drei Erzbischöfen von Mainz, Köln und Trier sowie mit der sächsischen und böhmischen Stimme gewählt und am 26. November in der Bonner Münsterbasilika gekrönt. Zum offenen Konflikt kam es nicht. Im August 1346 fiel Johann in der Schlacht von Crécy; Karl nahm an ihr teil und wurde verwundet. Am 2. September 1347 wurde er zum König von Böhmen gekrönt.
Ludwig der Bayer starb im Oktober 1347. Die Wittelsbacher versuchten, Karls Anerkennung zu verhindern, und warben zunächst den englischen König Eduard III., danach Markgraf Friedrich II. von Meißen als Kandidaten. Am 30. Januar 1349 wählten vier der sieben Kurfürsten in Frankfurt am Main Günther von Schwarzburg zum Gegenkönig, der seine Legitimität mit der Wahl am rechten Ort begründete. Karl hatte inzwischen genügend Anhänger gewonnen. Diplomatisch isoliert und von seiner Armee verlassen, verzichtete Günther am 26. Mai 1349 im Vertrag von Eltville auf alle Ansprüche und starb am 14. Juni 1349 in Frankfurt. Zur Sicherung seiner Legitimität ließ Karl sich am 17. Juni 1349 in Frankfurt erneut wählen und am 25. Juli 1349 in Aachen erneut krönen.
Pest und Judenpogrome
Karl festigte seine Herrschaft rasch. Ein Heiratsbündnis mit dem Pfalzgrafen bei Rhein und die Belehnung des Falschen Woldemar mit der Mark Brandenburg schwächten seine Gegner; 1348 folgte eine Verständigung mit den Habsburgern, 1350 mit den Wittelsbachern im Vertrag von Bautzen. Gleichzeitig erreichte die Pestwelle ihren Höhepunkt und entvölkerte ganze Landstriche. Der Behauptung, Juden hätten Brunnen vergiftet, wurde oft Glauben geschenkt. Während der Pestpogrome 1349 machte sich Karl mindestens der Mitwisserschaft schuldig. Um Schulden zu tilgen, verpfändete er das königliche Judenregal, unter anderem an Frankfurt am Main, mit Zusicherung von Straffreiheit. Einen Monat später kam es dort zu einem Pogrom. In Böhmen konnte er die Juden schützen. Die Duldung der Morde verstieß gegen das damalige Rechtsverständnis, da die Juden unter dem Schutz des Königs standen.
Kaiserkrönung in Rom
1354 zog Karl mit einem nur kleinen Heer nach Italien. Cola di Rienzo, der einige Zeit in Prag geweilt hatte, hatte sein Kommen wiederholt angemahnt. Am 6. Januar 1355 ließ Karl sich in Mailand mit der eisernen Krone der Lombardei krönen. Die Kaiserkrönung erfolgte am 5. April 1355 in Rom durch Kardinal Peter von Ostia, beauftragt von Papst Innozenz VI., der wie alle Päpste seit Clemens V. in Avignon residierte. Mit ihm wurde seine Gemahlin Anna zur Kaiserin gekrönt. Bald darauf verließ Karl Italien wieder, ohne die dortigen Verhältnisse zu ordnen. Zahlungen zahlreicher Kommunen brachten ihm Gewinn, die Krönung gelang ohne Blutvergießen. Sein Verhalten gegenüber dem Papsttum trug ihm die Bezeichnung Pfaffenkönig ein.
Der erste wie der zweite Italienzug hatten wenig Bedeutung. Beim zweiten kooperierte Karl mit Papst Urban V., von dem er sich eine Rückkehr des Papsttums von Avignon nach Rom erhoffte. Seine Italienpolitik blieb im Großen und Ganzen ineffektiv, denn Karl gab sich mit der Kaiserkrone zufrieden. Er zog Gelder der Kommunen ein und vergab Privilegien, mischte sich sonst nicht ein. Die universale Politik seines Großvaters Heinrich VII. gab er zugunsten einer auf die Hausmacht gestützten Reichspolitik auf. Florenz und Mailand erkannten seine Stellung als Kaiser an. Im Westen wirkte er der Expansion Frankreichs kaum entgegen: Trotz seiner Krönung in Arles 1365 entließ er Avignon aus der Lehnsherrschaft und gab 1378 das Reichsvikariat im Königreich Burgund preis. 1361 löste er Genf und Savoyen aus Burgund und integrierte sie ins Reich.
Die Goldene Bulle
1354 starb Karls Großonkel Balduin von Luxemburg, die wichtigste Stütze des Kaisers im Westen. Der folgenreichste Schritt seiner Regierung, die Verabschiedung der Goldenen Bulle 1356, war erst nach schwierigen Verhandlungen möglich. Die Bulle regelte das Wahlverfahren des römisch-deutschen Königs und setzte Anzahl und Namen der Kurfürsten fest. So wurde sie zum wichtigsten Grundgesetz des Reichs bis zu seinem Untergang 1806. In der Forschung ist strittig, ob dies ein Erfolg Karls war oder eher einer der Kurfürsten, die seinen Bestrebungen zu einem hegemonialen Königtum einen Riegel vorschoben. Genutzt werden konnte sie von beiden Seiten. Bemerkenswert ist, dass die päpstliche Approbation zur Erlangung der Kaiserwürde nicht erwähnt wird; das päpstliche Reichsvikariatsrecht wurde abgeschafft.
Karls ältester Sohn Wenzel, seit 1363 König von Böhmen, wurde am 10. Juni 1376 zum römisch-deutschen König gewählt. Die Goldene Bulle sah dies nicht vor, verbot es aber auch nicht. Die Stimmen der übrigen Kurfürsten musste Karl mit hohen Geldsummen erkaufen. Bis zum Ende des Reiches 1806 wurde die dynastische Thronfolge der Luxemburger und der ihnen verwandten Habsburger nur durch die Wittelsbacher Ruprecht von der Pfalz und Karl VII. von Bayern unterbrochen. Im Norden besuchte Karl 1375 als erster römisch-deutscher König seit Friedrich I. die Stadt Lübeck. In Tangermünde richtete er in der alten Reichsburg seine brandenburgische Residenz ein. Die Stadt sollte zur Hauptstadt der mittleren Provinzen aufsteigen, was sein Tod verhinderte. Danach blieb die Mark Brandenburg unruhig, bis die Hohenzollern 1415 das Kurfürstenamt übernahmen.
Prag als Zentrum
1344 sorgte Karl für die Erhebung des Prager Bistums zum Erzbistum und leitete den Baubeginn des gotischen St. Veitsdoms ein. 1356 lernte er in Schwäbisch Gmünd Peter Parler kennen und berief ihn als Dombaumeister nach Prag. Für die Aufbewahrung der königlichen und kaiserlichen Insignien ließ er die Burg Karlštejn bauen. Mit der Karlsbrücke, der Prager Neustadt, zahlreichen Kirchen und Klöstern und der Sammlung von Kunst- und Reliquienschätzen prägte er das Bild der goldenen Stadt. 1348 gründete er die Karls-Universität, die erste Universität im östlichen Mitteleuropa, nach dem Vorbild der von Kaiser Friedrich II. errichteten Universität von Neapel. Prag wurde zur De-facto-Haupt- und Residenzstadt des Heiligen Römischen Reiches. Eine wichtige Rolle spielte auch die Reichsstadt Nürnberg, deren Kaiserburg Karl regelmäßig bewohnte.
Hausmacht
Karl baute das Königreich Böhmen zur Machtbasis aus. Er sicherte die böhmische Oberhoheit über Schlesien, endgültig 1368, und über die Niederlausitz durch Kauf 1367. 1373 erhielt er im Vertrag von Fürstenwalde die volle Verfügungsgewalt über die Mark Brandenburg und damit eine zweite Kurstimme. Die Hochzeit seines Sohnes Sigismund mit der Erbin König Ludwigs I. von Ungarn sicherte den Luxemburgern auch dieses Königreich. Mit seinem Landfrieden Maiestas Carolina scheiterte er 1355 am Widerstand des Adels. Den Erwerb von Brandenburg musste er mit 500.000 Gulden bezahlen. Die zwei Kurstimmen und der Reichtum Böhmens machten das Haus Luxemburg zur mächtigsten Dynastie im Reich. 1437 starb es mit Sigismund im Mannesstamm aus; dessen Tochter Elisabeth brachte den Länderkomplex durch Heirat an das Haus Habsburg.
Tod in Prag
Karl starb in demselben Jahr, in dem sich das abendländische Schisma ereignete, 1378. Der persönlich fromme Kaiser, der stets im Einklang mit dem Papst zu regieren versucht hatte, konnte die Kirchenspaltung nicht mehr verhindern, entschied sich aber für den römischen Papst. Nach seinem Tod am 29. November 1378 wurde der Leichnam elf Tage lang im Auditorium der Prager Burg aufgebahrt. Die Begräbnisfeierlichkeiten dauerten vier Tage. Am Todeszug durch die Prager Alt- und Neustadt und über die Karlsbrücke auf den Vyšehrad sollen über 7000 Menschen teilgenommen haben. Zwei weitere Tage waren die sterblichen Reste in der Basilika St. Jakob und in der Johanniter-Kirche zugänglich. Die abschließende Zeremonie im Veitsdom zelebrierte der Prager Erzbischof Johann Očko von Wlašim, dem sieben Bischöfe assistierten.