Kaiserpfalz Hagenau
ehemalige Königspfalz im Département Bas-Rhin, Frankreich
ie Pfalz lag auf einer von der Moder umflossenen Insel, die von der heutigen Rue du Château durchquert wird. Diese Flussinsel existiert heute nicht mehr, ihre Uferlinien entsprechen den Straßen Rue de la Vieille Île im Norden und Rue de la Moder im Süden. Die von Mauern mit Türmen umgrenzte Pfalz erstreckte sich zwischen diesen Straßen und der Place Barberousse sowie dem Passage Barberousse im Norden und einem schmalen Pfad im Osten. Nach Westen hin erstreckten sich die Gärten der Pfalz auf einer schmalen Fortsetzung der Insel. Die Altstadt entstand zunächst südlich der Insel, später auch nördlich und rundherum.
Teile des Heiligen Forsts bei Hagenau kamen seit Mitte des 11. Jahrhunderts als Mitgift Hildegards von Egisheim an die Herzöge von Schwaben, die späteren Staufer. Über mehrere Erbgänge, unter anderem durch Agnes von Waiblingen und Kaiser Heinrich V., wurde Friedrich II., Herzog von Schwaben, Besitzer von zwei Dritteln des Forstes. Er ließ zu Beginn des 12. Jahrhunderts auf einer Insel in der Moder ein Jagdschloss errichten. Sein Sohn Friedrich I. Barbarossa baute dieses zur Königspfalz aus, um die sich die Stadt Hagenau entwickelte, und wurde nach einem Tausch mit dem Kloster Neuburg Alleineigentümer des Forstes. Mit 80 Aufenthalten war Hagenau die am häufigsten besuchte Pfalz der Stauferzeit; Barbarossa war zwischen 1153 und 1189 neunmal dort, Heinrich VI. achtmal, dazu Philipp von Schwaben, Otto IV., Friedrich II., Heinrich (VII.) und Konrad IV. Von 1153 bis 1208 wurden dort die Reichskleinodien aufbewahrt. Mit dem Tod Konradins 1268 kam die Pfalz mit dem Forst an das Reichsgut, ab 1280 war sie Sitz der Landvögte im Elsass, bis sie 1678 zerstört und 1687 abgerissen wurde. Zwischen 1729 und 1739 entstand an ihrer Stelle ein Jesuitenkolleg, seit 2012 erinnert dort eine Stauferstele an die Pfalz.
Das am besten untersuchte Gebäude der Pfalz ist die romanische Kapelle, deren Erscheinungsbild anhand historischer Ansichten, schriftlicher Quellen und Grabungsbefunden rekonstruiert werden konnte. Wie die meisten Pfalzkapellen hatte sie zwei Geschosse, als Baukörper insgesamt drei, war dreijochig, besaß zwei kleine Seitenschiffe und einen achteckigen Turm. Im dritten Geschoss befand sich die Schatzkammer als Aufbewahrungsort der Reichskleinodien. Der oktogonale Turm wurde früher mit der Pfalzkapelle Aachen in Verbindung gebracht, doch der von Thomas Biller rekonstruierte Grund- und Aufriss erinnert eher an byzantinische Sakralbauten, mit Ähnlichkeiten zur Doppelkirche St. Maria und Clemens in Schwarzrheindorf. Die Kapelle wird auf die Zeit um 1180 datiert. Wenige architektonische Fragmente, die in Beziehung zur Bauplastik des Wormser Doms stehen, befinden sich im historischen Museum von Hagenau.