Richard Löwenherz
König von England, Herzog der Normandie, Herzog von Aquitanien, Graf von Anjou (1157–1199)
ach der Niederlage Guido von Lusignans gegen Saladin 1187 und dem Fall Jerusalems rief Papst Gregor VIII. zum Kreuzzug auf. Richard verpflichtete sich im November 1187 zur Teilnahme; auch seine Lehensbindung an Guido spielte eine Rolle. Das erste Kreuzfahrerheer führte Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der 1190 beim Überqueren des Flusses Göksu ertrank. Sein Sohn Friedrich von Schwaben übernahm die Führung, starb aber bereits 1191. Danach war Herzog Leopold V. von Österreich ranghöchster Kreuzfahrer, bis Philipp II. von Frankreich und Richard mit ihren Heeren eintrafen. Leopold hatte zuvor mit geringen Mitteln an der Belagerung Akkons teilgenommen.
Richards Flotte erreichte Akkon im Juni 1191; Philipp war bereits dort, hatte aber keinen Erfolg erzielt. Erst nach Richards Ankunft kapitulierte die Stadt am 12. Juli 1191. Beim Einzug verletzte Richard die Ehre Leopolds von Österreich, sei es, dass dessen Fahne entfernt wurde, mit der der Herzog seinen Rang demonstrieren wollte, sei es, dass sein Zelt zum Einsturz gebracht wurde. Ehre war für den Adel von zentraler Bedeutung; die Demütigung machte Leopold zum dauerhaften Feind Richards.
Auf der Rückreise musste Richard nach einem Schiffbruch den Landweg durch das römisch-deutsche Reich nehmen. Aus Furcht vor Leopold V. reiste er verkleidet mit wenigen Begleitern in Richtung Bayern, dem Einflussgebiet Heinrichs des Löwen. Graf Meinhard von Görz erkannte ihn im Dezember 1192; kurz vor Weihnachten wurde er im Herrschaftsgebiet Leopolds gefasst. Die Quellen sind sich über die Umstände uneinig, stimmen aber darin überein, dass es sich um Leopolds Rache für die erlittene Ehrverletzung handelte. Die Chronik Ottos von Freising mit der Fortsetzung Ottos von St. Blasien schildert, wie Richard als Pilger verkleidet beim Hühnerbraten entdeckt wurde, weil er einen wertvollen Ring nicht abgelegt hatte.
Heinrich der Löwe war 1180 gestürzt worden und musste ins englische Exil gehen; seine Kinder wuchsen am angevinischen Hof auf. Der kinderlose Richard zog Heinrichs Sohn Otto zeitweilig für die eigene Nachfolge in Betracht, schlug ihn 1196 zum Ritter und belehnte ihn mit der Grafschaft Poitou, konnte ihn aber nicht als Nachfolger durchsetzen. Nach dem Tod Kaiser Heinrichs VI. 1197 entstand im Reich nördlich der Alpen ein Machtvakuum, da dessen Sohn Friedrich noch ein Kind war. 1198 kam es zu zwei Königswahlen und zum Thronstreit zwischen dem Staufer Philipp von Schwaben und dem Welfen Otto. Richard unterstützte Otto, um im Reich einen Partner gegen den französischen König zu haben, auch um sich für seine demütigende Gefangenschaft beim verstorbenen Staufer zu revanchieren.