Karl Theodor (Pfalz und Bayern)
Pfalzgraf und Kurfürst von der Pfalz sowie Herzog von Jülich-Berg (1742-1799) und Kurfürst von Bayern (1777-1799)
arl Theodor wurde durch den Hausvertrag von Pavia von 1329 begünstigt, der die Wittelsbacher in eine ältere pfälzische und eine jüngere bayerische Linie teilte. Da der bayerische Kurfürst kinderlos war, vereinbarten Karl Theodor und Max III. Joseph 1766 und 1771, dass Bayern und die Pfalz als Ganzes zusammenfallen sollten. Als der bayerische Kurfürst am 30. Dezember 1777 starb, wurde Karl Theodor Herr der sieben Länder und verlegte 1778 seine Residenz von Mannheim nach München. Kaiser Joseph II. erkannte die Nachfolge jedoch nicht an und erhob Ansprüche auf Niederbayern und die Oberpfalz. Karl Theodor war bereit, diese Gebiete gegen Vorderösterreich zu tauschen, was in der Wiener Konvention vom 3. Januar 1778 besiegelt wurde. Dies führte zu Widerstand zahlreicher Wittelsbacher und schließlich im Juli 1778 zum Eingreifen Friedrichs II. von Preußen.
In der Pfalz vollzog Karl Theodor im Geist der Aufklärung zahlreiche Reformen und betätigte sich als Mäzen. 1753 besuchte ihn Voltaire in Schwetzingen, mit dem er eine für beide Seiten fruchtbare Beziehung unterhielt. 1763 gründete er die Mannheimer Akademie der Wissenschaften und in Düsseldorf das Collegium Anatomico-Chirurgicum, 1780 die Societas Meteorologica Palatina als erste international tätige meteorologische Gesellschaft. Unter seiner Regierung entwickelte sich Mannheim zu einem kulturellen Zentrum von europäischer Bedeutung, das Künstler wie Mozart und Voltaire anzog. Er ließ die Hofbibliothek Mannheim erbauen und gründete 1769 die Mannheimer Zeichnungsakademie.
Anders als in der Pfalz war Karl Theodor in Bayern unbeliebt, da er sich nur mit Pfälzern umgab und sich lange wenig für bayerische Angelegenheiten interessierte. Erst nach dem Scheitern der Tauschpläne wurde seine Regierung dort bedeutsam. Die Vergrößerung des Territoriums erhöhte die Schuldenlast auf rund 25 Millionen Gulden. 1784 und 1785 verbot er Vereinigungen ohne landesherrliche Erlaubnis, wobei namentlich Illuminaten und Freimaurer als landesverräterisch bezeichnet wurden. Graf Rumford reformierte als Adjutant das Militär- und Staatswesen. 1782 empfing Karl Theodor Papst Pius VI. in München, 1785 richtete der Papst eine Nuntiatur ein, gegen die die Erzbischöfe von Köln, Trier, Mainz und Salzburg protestierten.