Karlsbrücke
Brücke über die Moldau in Prag, Tschechien
or der Karlsbrücke diente zunächst eine Furt, später eine Holzbrücke, die im 10. Jahrhundert vom Gesandten des Kalifen von Córdoba erwähnt wurde. 1157 oder 1158 zerstörte ein Hochwasser diese endgültig. Zwischen 1158 und etwa 1170 entstand die romanische Judithbrücke, benannt nach Judith von Thüringen. 1342 wurde auch sie durch das Magdalenenhochwasser zerstört, wobei einzelne Türme und Pfeiler erhalten blieben. Die Grundsteinlegung der Karlsbrücke erfolgte 1357 durch Kaiser Karl IV., entweder am 15. Juni oder am 9. Juli. Spätere Flutwellen beschädigten die Brücke wiederholt, zuletzt 1872/74, als fünf Pfeiler schwer beschädigt wurden, und 1890, als zwei Pfeiler einstürzten. Die Reparaturen unter Josef Hlávka und Franz von Rziha zogen sich über zwei Jahre hin.
Der Baumeister der Karlsbrücke ist nicht sicher belegt. Lange galt Peter Parler als Architekt, eine Theorie aus dem Jahr 2007 nennt jedoch einen Prager Steinmetz namens Otto. Die Arbeiten an Brücke und Türmen standen unter Leitung Parlers. Nach dem Vorbild der Steinernen Brücke in Regensburg wurde sie als Bogenbrücke mit 16 Bögen errichtet, 516 Meter lang und rund 10 Meter breit. Als Baumaterial dienten alte Mühlsteine, Granit aus dem Flussbett und Sandstein aus den Steinbrüchen der Kreuzherren mit dem Roten Stern bei Hloubětín. Untersuchungen im Jahr 2008 konnten die Beimischung von Quark und Wein als römischen Mörtel nachweisen. Der Altstädter Brückenturm nach Entwürfen Peter Parlers zeigt den heiligen Veit, flankiert von Karl Ⅳ. und dessen Sohn Wenzel Ⅳ.
Die Brücke trug wesentlich dazu bei, Prag zu einer bedeutenden Station im Handel zwischen West- und Osteuropa zu machen. Für ihren Schutz waren zunächst die Kreuzherren mit dem Roten Stern verantwortlich. 1432 wurden drei Pfeiler durch eine Flut beschädigt. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges war die Brücke 1648 Schauplatz heftiger Kämpfe, als schwedische Truppen von der Kleinseite aus die Altstadt und die Neustadt Prag belagerten. Um 1700 erhielt die Brücke mit dreißig barocken Skulpturen im Wesentlichen ihre heutige Gestalt. Erst 1870 wurde sie offiziell in Karlsbrücke umbenannt. Ab 1883 führte eine Pferdebahn darüber, 1905 ersetzt durch eine Straßenbahn, die drei Jahre später Omnibussen wich. Jahrhundertelang war sie die einzige Verkehrsverbindung zwischen den Prager Städten.
Auf der Altstädter Seite entstand zwischen 1370 und 1380 im gotischen Stil der Altstädter Brückenturm. Er zeigt die Wappen der Länder des Böhmischen Königreichs, das Wappen des römischen Kaisers, das Wappen des böhmischen Königs sowie einen Eisvogel als Symbol für Wenzel IV. Beidseitig befinden sich Statuen von Karl IV. in Kaiserwürde und Wenzel IV. mit der Krone des römischen Königs. Den oberen Abschluss bilden Statuen der böhmischen Nationalheiligen Adalbert und Siegmund. Die Arbeiten an diesem Turm werden Peter Parler zugeschrieben. Der Schmuck der Westfassade wurde 1648 bei der schwedischen Belagerung von Prag beschädigt und entfernt. Zwölf Köpfe der 27 hingerichteten Teilnehmer des Aufstandes von 1618 gegen die Habsburger wurden zehn Jahre lang, von 1621 bis 1631, zur Abschreckung an Stangen aufgesteckt. Eine 1650 angebrachte Gedenktafel erinnert an die Verteidiger gegen die schwedische Belagerung von 1648.