Kathedrale von Saint-Denis
Kirchengebäude in Saint-Denis, Frankreich
Hauskloster der Merowinger
ber dem Grab des heiligen Dionysius entstand im 4. Jahrhundert eine hölzerne Grabkapelle, die die heilige Genoveva durch eine Backsteinkapelle ersetzte. Um 625 ist ein Kloster nachgewiesen, dem die Merowinger große Aufmerksamkeit widmeten. Chlothar I., Chlothar II. und Dagobert I. ließen sich hier bestatten. Dagobert I. errichtete eine neue, prunkvolle Kirche mit goldenem Altar und silbergedecktem Dach und verband sie mit einer reich ausgestatteten Abtei. Er brach mit der Tradition der Nekropole Saint-Vincent-Sainte-Croix und wählte Saint-Denis als Bestattungsort. Seine Witwe Nanthild und sein Sohn Chlodwig II. folgten ihm. So wurde die Anlage zum Hauskloster der Merowinger mit einer Königspfalz. Auch Karl Martell, Ahnherr der Karolinger, wollte hier neben ihnen bestattet werden, um seine Macht zu demonstrieren.
Sugers Neubau
König Pippin der Jüngere begann um 750 bis 775 mit dem Bau eines neuen Altarraumes, der Pilgern das Umschreiten der Heiligengräber erlaubte. Ihr heutiges gotisches Bild verdankt die Kirche Abt Suger, der gemeinsam mit dem späteren König Ludwig VI. die Abteischule besuchte und später von ihm mit diplomatischen Missionen betraut wurde. Unter seiner Leitung begann 1137 der Neubau der Westfassade, 1140 der Chor mit den ersten spitzbogigen Kreuzrippengewölben. Am 9. Juni 1140 wurde die Westanlage geweiht, ab 1141 folgte der Neubau von Langhaus und oberen Chorgeschossen. Der frühgotische Chor wurde 1144 geweiht. Nach Sugers Tod 1151 kam die Bautätigkeit zum Stillstand, das Langhaus entstand erst von 1231 bis 1281.
Vorbild für das Reich
Ab 1231 baute die Abtei Langhaus und obere Chorgeschosse neu, nach hundertjährigem Stillstand seit Sugers Tod 1151. Von 1231 bis 1281 entstand so eines der schönsten Beispiele der Hochgotik, mit dem sogenannten durchlichteten Triforium, das hier 1231 erstmals auftrat, noch vor Amiens. Dieses befensterte Triforium gilt als Kennzeichen des Gothique rayonnant. Im Heiligen Römischen Reich folgten mit durchfensterten Triforien etwa gleichzeitig das 1245 begonnene Langhaus des Straßburger Münsters und der 1248 begonnene Chor des Kölner Doms.
Grabstätte der Könige
Seit dem Ende des 10. Jahrhunderts, genauer seit Hugo Capet, war Saint-Denis Grabstätte fast aller französischen Könige und vieler Königinnen. Zuvor hatten die Merowinger die Pariser Abteikirchen Sainte-Geneviève und Saint-Germain-des-Prés genutzt, doch Dagobert I. ließ sich 639 als erster König in Saint-Denis beisetzen. Durch Umbettungen früher Kapetinger unter Ludwig IX. dem Heiligen und weitere Umbettungen von Merowingern im 19. Jahrhundert befinden sich heute die Gräber der meisten französischen Könige dort. Ludwig der Heilige ließ 1263/64 für die vor ihm bestatteten Könige bildhauerisch gestaltete Hochgräber errichten, eine Tradition, die erst mit Heinrich IV. abbrach.