Konradin
König von Sizilien, König von Jerusalem, Herzog von Schwaben
ach dem Tod seines Vaters Konrad IV. am 21. Mai 1254 wurde Konradin der Vormundschaft seiner Onkel Ludwig II. von Bayern und Heinrich XIII. unterstellt. Er wuchs am Hof Ludwigs von Bayern auf. Sein italienisches Erbe verwaltete Onkel Manfred, der sich 1258 nach einem Gerücht über Konradins Tod selbst zum König von Sizilien krönen ließ. Papst Alexander IV. forderte 1255 die Lehnsleute im Herzogtum Schwaben auf, sich von Konradin abzuwenden. Ludwig von Bayern stimmte 1256/1257 für Richard von Cornwall, unter der Bedingung, dass Konradin Herzogtum und staufisches Erbe behalten dürfe. 1262 wurde Konradin formell als Herzog von Schwaben anerkannt. 1266 heiratete er per procurationem Sophia, die Tochter des Markgrafen Dietrich von Landsberg.
Nachdem sich im Reich keine Möglichkeit zeigte, Konradin zum Königstitel zu verhelfen, richtete sich seine Partei auf das staufische Erbe in Süditalien. Karl I. von Anjou hatte dort mit Unterstützung Papst Clemens IV. die Macht übernommen und Manfred von Sizilien 1266 in der Schlacht bei Benevent besiegt. Am 8. September 1267 brach Konradin mit Unterstützung Ludwigs II. von Bayern, seines Stiefvaters Meinhard II. von Görz-Tirol und Friedrichs von Baden-Österreich nach Italien auf. Papst Clemens IV. belegte ihn am 18. November 1267 mit dem Kirchenbann. Nach Rückschlägen und der sogenannten Konradinischen Schenkung zog Konradin über Pavia, Pisa und Siena am 24. Juli 1268 nach Rom, wo ihn Heinrich von Kastilien empfing. Am 23. August 1268 wurde sein Heer in der Schlacht bei Tagliacozzo von Karls Truppen vernichtend geschlagen.
Konradin wurde bei Astura von Giovanni Frangipani aufgegriffen und an Karl I. von Anjou ausgeliefert. Er wurde zunächst im Castel dell’Ovo in Neapel gefangen gehalten. Am 29. Oktober 1268 ließ Karl ihn mit Begleitern wie Friedrich von Baden-Österreich auf der Piazza del Mercato in Neapel öffentlich enthaupten. Ob zuvor ein ordentlicher Prozess stattfand, ist unklar. Man verweigerte Konradin eine christliche Bestattung, die Leichname wurden zunächst in ungeweihter Erde verscharrt. Erst zehn Jahre später wurden die Gebeine in Neapel in der Kirche Santa Maria del Carmine christlich beigesetzt.