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Konzil von Konstanz

Versammlung der Kirchenführung

Vorgeschichte

378 wählten die Kardinäle, unzufrieden mit der Amtsführung des römischen Papstes Urban VI., ihren Kollegen Robert von Genf in Fondi bei Rom als Clemens VII. zum Gegenpapst. Damit begann das Abendländische Schisma, die Spaltung innerhalb der lateinischen Kirche. Auf die religiöse Spaltung folgte eine politische Polarisierung der beiden Lager, die sich häufig in kriegerischen Auseinandersetzungen entlud. Starb ein Papst, wählten die ihm anhängenden Kardinäle einen Nachfolger aus den eigenen Reihen. 1409 erklärten die von beiden Päpsten abgefallenen Kardinäle beim Konzil von Pisa die zwei Konkurrenten für abgesetzt und wählten mit Alexander V. einen weiteren Papst. Aus der verruchten Zweiheit war eine verfluchte Dreiheit geworden. Bei Amtsantritt König Sigismunds stritten drei Päpste um die Herrschaft in der Kirche. Da jeder von verschiedenen Herrschern in Europa unterstützt wurde, bedrohten diese Wirren das Reich von innen und von außen.

KonstanzOrt auf der Karte 164847.6633 N, 9.1769 OAuf der Karte zeigen

Der römisch-deutsche König Sigismund wurde als advocatus et defensor ecclesiae zur treibenden Kraft für ein Kirchenkonzil, das das Schisma beenden sollte. Der Pisaner Papst schlug als Tagungsort sein Refugium Bologna vor; er hoffte, am Ende als einziger Papst aus dem Konzil hervorzugehen. In langwierigen Verhandlungen und unter dem Druck Sigismunds einigten sich die Parteien auf das neutrale Konstanz.

Eröffnung

Als einziger der Päpste kam Johannes selbst nach Konstanz. Er eröffnete das Konzil am 5. November 1414. Zunächst waren nur jene Bischöfe anwesend, die auf seiner Seite standen.

Verlauf

Ende 1414 kam König Sigismund zum Konzil. Nach Rücksprache mit einflussreichen Theologen drückte er der Versammlung eine Geschäftsordnung auf. Abgestimmt wurde nun nach Nationen und nicht mehr nach Köpfen, um ein Übergewicht der italienischen Bischöfe zu verhindern. In Konstanz gab es fünf nationes: Italica, Gallicana, Germanica, Anglica und Hispanica. Zur Germanica zählten auch Skandinavier, Polen, Litauer, Kroaten, Ungarn und Böhmen.

Mitte Februar 1415 unterschrieb der Pisaner Papst auf Druck des Konzils eine Erklärung, wonach er zurücktreten werde, falls Gregor XII. der römischen Obödienz und Benedikt der avignonesischen Obödienz es ihm gleichtäten. Außerdem musste er schwören, die Stadt Konstanz nicht zu verlassen. Um seine Macht zu erhalten, floh er dennoch in der Nacht vom 20. auf den 21. März als Stallknecht verkleidet nach Schaffhausen und weiter nach Freiburg im Breisgau, unterstützt vom Habsburger Herzog Friedrich IV. von Österreich. Sigismund war empört. Als römisch-deutscher König verhängte er über Herzog Friedrich die Reichsacht und stellte die vorderösterreichischen Gebiete unter unmittelbare Reichshoheit. Freiburg im Breisgau wurde 1415 freie Reichsstadt und blieb es bis 1425.

Ohne einen Papst war das Konzil nicht beschlussfähig. Am 6. April 1415 verabschiedete es daher das Dekret Haec sancta, verfasst von Guillaume Fillastre, einem von Johannes ernannten Kardinal. Danach habe die Konstanzer Kirchenversammlung ihre Vollmacht unmittelbar von Christus; ihr sei jedermann welchen Standes oder welcher Würde auch immer zu gehorchen verpflichtet, auch wenn es die päpstliche sei. In Freiburg begann der geflohene Papst eine subversive Tätigkeit gegen seine Absetzung und suchte politische Unterstützung bei den Herzögen von Burgund und Orléans. Als er am 29. April 1415 bei Breisach den Rhein überschreiten wollte, verhaftete ihn Sigismunds Reichsvikar Ludwig von der Pfalz. Sigismund befahl Haft bis zur Wahl eines neuen Papstes. Am 29. Mai beschloss das Konzil kraft des Dekrets Haec sancta seine Absetzung.

Der in Rom residierende Papst Gregor XII. hatte das Konzil nicht anerkannt, doch vor seiner Wahl geschworen, nötigenfalls zurückzutreten, wenn dies das Schisma beende. Nach der Absetzung seines Konkurrenten erklärte er sich bereit abzudanken, sofern romtreue Kardinäle ein neues Konzil einberufen würden. Anfang Juli 1415 eröffnete sein Bevollmächtigter, Kardinal Johann Dominici von Ragusa, formal ein neues Konzil. Am 4. Juli erklärte Gregor seinen Rücktritt, den das Konzil bestätigte. Dessen Entscheidung erkannte er nicht an, da er freiwillig zurückgetreten sei. Der avignonesische Papst weigerte sich abzudanken und floh von Avignon an die spanische Levante nach Peñíscola, wo er bis zu seinem Tod 1423 residierte.

Am 26. Juli 1417 setzte das Konzil auch den avignonesischen Papst ab und konnte zur Wahl schreiten. Die Vorbereitungen waren schwierig, denn die abstimmungsberechtigten Kardinäle stammten alle aus Frankreich, Spanien und vor allem aus Italien. Deshalb griff man auf das Prinzip der nationes zurück. Die fünf Nationen schickten je sechs Delegierte, die mit den 23 Kardinälen am 8. November 1417 im abgeschirmten Kaufhaus am See ins Konklave gingen. Bereits im zweiten Wahlgang am 11. November 1417 erreichte Kardinal Oddo di Colonna die Mehrheit der Stimmen der nationes und acht Kardinalsstimmen. Es folgte der Akzess, das Hinzutreten der übrigen Stimmen zum führenden Kandidaten. Kurz vor Mittag war die Wahl beendet, eine Stunde später zog Martin V. in feierlicher Prozession zum Münster. Die Papstkrönung fand am 21. November statt.

Die Absetzung der Päpste kraft des Dekrets Haec sancta blieb umstritten, denn die Kirche hatte stets gelehrt, dass Unwürdigkeit eines Amtsträgers dessen Handlungen nicht entwerte. Zudem waren die Würdenträger, welche die Absetzungen verfügten, allesamt von einem der drei abgesetzten Päpste ernannt worden. Den Grundsatzentscheid zur Vorherrschaft eines allgemeinen Konzils über den Papst hieß später kein Papst gut; außerhalb Roms wurde er von Bischöfen und Theologen in Europa noch bis ins 16. Jahrhundert verteidigt. Das Konzil verurteilte die Lehren von John Wyclif, Jan Hus und Hieronymus von Prag. Jan Hus wurde am 28. November 1414 als Ketzer festgenommen und am 6. Juli 1415 verbrannt, Hieronymus von Prag am 30. Mai 1416. Wyclif, gestorben 1384, wurde ausgegraben und ebenfalls verbrannt. Am 9. Oktober 1417 legte das Dekret Frequens Konzilien mindestens alle zehn Jahre fest.

Abschluss

Am 22. April 1418 beendete Papst Martin das Konzil von Konstanz mit der 45. Session. Auf dem oberen Münsterhof erteilte er den Segen, assistiert von König Sigismund mit Krone und Reichsapfel. Der Papst reiste am 16. Mai 1418 ab, sein Weg führte über Genf nach Rom. König Sigismund reiste am 21. Mai 1418 ab. Als Ausgleich für seine Schulden und die seiner Gefolgschaft hinterließ er golddurchwirkte Tücher.

Ergebnisse und Folgen

Von den drei causae löste das Konzil nur die causa unionis: drei Päpste wurden abgesetzt, Martin V. zum alleinigen Papst ernannt. Es war die einzige Papstwahl auf deutschem Boden. Das Schisma mit den Anhängern des in Spanien residierenden Gegenpapstes bestand zunächst fort und blieb auch auf dem Nachfolgekonzil von Pavia-Siena 1423 ungelöst, da Alfons V. von Aragon sich auf dessen Seite stellte. Erst 1429 beendete Martin V. das westliche Schisma endgültig. Haec sancta sollte ein kollegiales Verhältnis zwischen Papst und Konzil herstellen, doch der Widerstand gegen den Konziliarismus blieb bei den Kurialen stark. Martin V. wahrte geschickt die Machtfülle seines Amtes. Der Streit um den Vorrang eskalierte wenige Jahre darauf beim Konzil von Basel und führte zur Spaltung von Papst und Konzil.

Martin Luther mahnte einhundert Jahre später die in Konstanz versäumten Reformen der Kirche an Haupt und Gliedern dramatisch an. Die causa fidei wurde durch den Bruch der Zusage des freien Geleits und die Verbrennung von Jan Hus und Hieronymus von Prag verschärft, da der religiöse Disput eine national-tschechische Wendung erhielt. In Böhmen löste das Konstanzer Urteil über den populären Prager Prediger Volksaufstände aus, die zu den Hussitenkriegen führten. Auch nach deren Niederschlagung blieb der Gegensatz zwischen Katholiken und Hussiten bestehen. Im 16. Jahrhundert näherten sich große Teile der Hussiten den Protestanten an, deren Lehren selbst von hussitischen Ideen beeinflusst waren. Bedeutend wurden die Böhmischen Brüder, die noch 1618 beim böhmischen Ständeaufstand eine Rolle spielten, der den Dreißigjährigen Krieg auslöste.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Konzil von KonstanzVersionsgeschichteBearbeitungsstand 265816211redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Václav Brožíkentstanden 1883Public domainQuelle