Leopold Wilhelm von Österreich
Erzherzog, Statthalter der Spanischen Niederlande, Bischof, Feldherr und Kunstmäzen (1614-1662)
ls jüngerer Sohn Kaiser Ferdinands II. und Bruder des späteren Kaisers Ferdinand III. war Leopold Wilhelm für eine kirchliche Laufbahn vorgesehen. Bereits 1626 trat er die Nachfolge seines Onkels Leopold als Bischof von Passau und Straßburg sowie als Fürstabt des Klosters Murbach an. Im Zuge der Gegenreformation während des Dreißigjährigen Krieges übernahm er zudem die Bistümer Halberstadt und Magdeburg sowie als Kommendatarabt die Reichsabtei Hersfeld. Das Erzbistum Magdeburg gab er im Rahmen des Prager Friedens wieder ab. Später wurde er außerdem Hochmeister des Deutschen Ordens sowie Bischof von Olmütz und Breslau. Eine solche Häufung von Ämtern war ungewöhnlich, wurde aber zur Sicherung bedrohter Kirchengebiete als notwendig angesehen.
Obwohl seine Ausbildung ihn kaum auf eine Feldherrenlaufbahn vorbereitet hatte, übertrug ihm sein Bruder Ferdinand in der Endphase des Dreißigjährigen Krieges zweimal den Oberbefehl über das kaiserliche Heer. In der ersten Amtszeit gelangen ihm mit Unterstützung Ottavio Piccolominis Erfolge gegen die Schweden, doch die Zweite Schlacht bei Breitenfeld endete in einer schweren Niederlage, worauf sowohl er als auch Piccolomini ihr Kommando niederlegten. 1645 übernahm er erneut den Oberbefehl, verteidigte erfolgreich die Donau gegen die Schweden und unterstützte die Bayern nach ihrer Niederlage bei Alerheim. Ein Feldzug 1646 von Böhmen nach Hessen scheiterte jedoch an Versorgungsschwierigkeiten und endete mit einem Rückzug.
Ende 1646 übertrug ihm der spanische König Philipp IV. die Statthalterschaft der Spanischen Niederlande. Er beendete zunächst den Frieden mit den Vereinigten Niederlanden, verlor jedoch 1648 in der Schlacht bei Lens weite Teile seines Heeres gegen Louis II. von Bourbon-Condé. Bis 1656, als er die Statthalterschaft aufgab, wechselten weitere Erfolge und Rückschläge. In dieser Zeit trug er in den Spanischen Niederlanden seine bedeutende Kunstsammlung zusammen, die von David Teniers betreut wurde und niederländische wie italienische Meister umfasste. Diese Sammlung vererbte er an seinen Neffen Leopold I., wodurch sie in kaiserlichen Besitz kam. Der überwiegende Teil befindet sich noch heute im Kunsthistorischen Museum Wien.
Durch die kaiserliche Entschließung von Franz Joseph I. vom 28. Februar 1863 wurde Leopold Wilhelm in die Liste der berühmtesten Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs aufgenommen. Zu seinen Ehren wurde eine lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des damals neu errichteten k. k. Hofwaffenmuseums errichtet, das heute als Heeresgeschichtliches Museum Wien bekannt ist. Die Statue wurde 1867 vom Bildhauer Waldemar Schützinger aus Carrara-Marmor geschaffen und von Erzherzog Wilhelm gewidmet.