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Dreißigjähriger Krieg

Militärischer Konflikt 1618 bis 1648 in Europa

Europa vor dem Krieg

or dem Krieg gab es drei wesentliche Konflikträume. In West- und Nordwesteuropa sowie in Oberitalien trugen die österreichischen und spanischen Habsburger ihre Konflikte mit Frankreich und den nach Unabhängigkeit strebenden Niederlanden aus. Im Ostseeraum rivalisierten Schweden, Dänemark und Polen-Litauen um die Vorherrschaft. Spanien drohte seit Beginn des Aufstands in den Niederlanden 1568 der Verlust dieser reichen Provinzen. Für den Nachschub war die Kontrolle über die Spanische Straße entscheidend, die die Besitzungen in Süditalien und in der Po-Ebene mit den Niederlanden verband. 1609 schloss Spanien einen auf zwölf Jahre angelegten Waffenstillstand mit den Vereinigten Niederlanden, der faktisch deren Unabhängigkeit bedeutete. Dessen Ende fiel in die Anfangsphase des Dreißigjährigen Krieges.

1610 drohte der Jülich-Klevische Erbfolgestreit zu einem großen europäischen Krieg zu eskalieren. Nach dem Tod des kinderlosen Herzogs von Jülich-Kleve-Berg erhoben mehrere Anwärter Ansprüche, darunter Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg und Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm von Neuburg. König Heinrich IV. von Frankreich wollte zugunsten der Protestantischen Union eingreifen, doch seine Ermordung beendete das französische Engagement am Niederrhein vorerst. Im Ostseeraum verlor Schweden im Kalmarkrieg von 1611 bis 1613 Nordnorwegen und Ösel an Dänemark unter Christian IV., dazu kamen Kriegskontributionen von einer Million Reichsmark. Um die Summe zahlen zu können, verschuldete sich der junge König Gustav II. Adolf bei den Vereinigten Niederlanden. Der Krieg stärkte die Machtstellung Dänemarks.

Der Augsburger Religionsfrieden

Im Augsburger Religionsfrieden vom 25. September 1555 einigten sich die Landesherren auf den später so bezeichneten Rechtsgrundsatz cuius regio, eius religio. Das Recht, das Bekenntnis der Bevölkerung zu bestimmen, ging vom Kaiser auf die einzelnen Reichsstände über. Abgemildert wurde es durch das Recht andersgläubiger Untertanen auf Auswanderung. Das katholische und das lutherische Bekenntnis waren als gleichberechtigt anerkannt, nicht jedoch das reformierte. Das Reservatum ecclesiasticum legte fest, dass die Territorien geistlicher Landesherren katholisch zu bleiben hatten. Das sicherte die Mehrheitsverhältnisse im Kurfürstenkollegium, in dem drei protestantischen Kurfürsten vier katholische gegenüberstanden. Die protestantischen Fürsten duldeten den Vorbehalt nur, weil die Declaratio Ferdinandea bereits reformierten Städten und Ständen in geistlichen Territorien Schutz zusicherte.

Blockade der Reichsinstitutionen

Die Regelungen verhinderten 60 Jahre den Ausbruch eines großen Religionskrieges, doch es gab Streit um ihre Auslegung. Kaiser Rudolf II. beendete die Praxis der Lehnsindulte, so dass protestantische Administratoren der Bistümer auf Reichstagen ohne Stimmrecht blieben. 1588 konnte deshalb die Visitationsdeputation nicht gebildet werden. 1594 wurde ihre Kompetenz auf die Reichsdeputation übertragen. Als sich 1600 in vier Revisionsfällen eine katholische Mehrheit abzeichnete, verließen die Vertreter der Kurpfalz, Brandenburgs und Braunschweigs den Ausschuss. Der Ausfall beider Revisionsinstanzen schwächte das Reichskammergericht und stärkte den Reichshofrat, der dem Kaiser direkt unterstand.

Ende 1607 ließ Herzog Maximilian I. von Bayern die mehrheitlich protestantische Reichsstadt Donauwörth besetzen. Die Vertreter der Kurpfalz verließen darauf den Reichstag und verhinderten einen Beschluss zur Türkensteuer. Am 14. Mai 1608 gründete sich unter Führung des Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz die Protestantische Union, der bald 29 Reichsstände angehörten. Sie galt ihren Mitgliedern als Schutzbündnis, da alle wichtigen Reichsinstitutionen blockiert waren. Als Antwort gründete Maximilian I. von Bayern am 10. Juli 1609 die Katholische Liga. Diese war machtpolitisch im Vorteil, wurde aber durch Streit um die Führung geschwächt.

Der Prager Fenstersturz

Auslöser war der Ständeaufstand in Böhmen von 1618. Er wurzelte im Streit um den Majestätsbrief, den Kaiser Rudolf II. 1609 ausgestellt hatte und der den böhmischen Ständen Religionsfreiheit zusicherte. Erzherzog Ferdinand von Steiermark, der spätere Kaiser Ferdinand II., war für eine harte Politik der Rekatholisierung bekannt und wurde 1617 vom böhmischen Landtag zum König gewählt. Als er evangelische Kirchen schließen ließ und den Landtag mit einem Versammlungsverbot belegte, stürmten am 23. Mai 1618 bewaffnete Adelige die Böhmische Kanzlei in der Prager Burg. Die kaiserlichen Stellvertreter Jaroslav Borsita von Martinic und Wilhelm Slavata sowie der Kanzleisekretär Philipp Fabricius wurden aus dem Fenster geworfen. Die drei überlebten, doch der Angriff kam einer Kriegserklärung gleich.

Krieg in Böhmen

Die böhmischen Stände bildeten in Prag ein dreißigköpfiges Direktorium. Im Sommer 1619 wurde die Böhmische Konföderation gegründet; die Ständeversammlung setzte Ferdinand am 19. August als König von Böhmen ab und wählte am 24. August Friedrich V. von der Pfalz. Gleichzeitig kürten die Kurfürsten Ferdinand am 28. August in Frankfurt am Main einstimmig zum römisch-deutschen Kaiser. Mit dem Vertrag von München vom 8. Oktober 1619 gewann Ferdinand II. den bayerischen Herzog Maximilian I. für den Kriegseintritt. Der Ulmer Vertrag zwischen Liga und Union nahm Friedrich jede Hilfe. Am 8. November 1620 wurde das böhmische Ständeheer in der Schlacht am Weißen Berg von Buquoy und Johann T’Serclaes von Tilly schwer geschlagen.

Friedrich floh aus Prag über Schlesien und Brandenburg nach Den Haag. Im Januar verhängte Kaiser Ferdinand die Reichsacht über ihn. Im April 1621 löste sich die Protestantische Union selbst auf. In Böhmen hielt der Kaiser ein Strafgericht ab: 27 Personen wurden wegen Majestätsbeleidigung angeklagt und hingerichtet. Ferdinand vertrieb 30.000 Familien und zog 650 adelige Güter ein, die er zur Tilgung seiner Schulden an seine katholischen Gläubiger verteilte.

Krieg in der Kurpfalz

Schon im Sommer 1620 eroberte der spanische Heerführer Ambrosio Spinola die linksrheinische Pfalz. Die protestantischen Heerführer Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel, Ernst von Mansfeld und Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach zogen im Frühjahr 1622 in die Pfalz und gewannen zunächst die Schlacht bei Mingolsheim am 27. April 1622. Danach erlitten sie schwere Niederlagen, weil es ihnen nicht gelang, sich zu vereinigen. Die badischen Truppen wurden bei Wimpfen am 6. Mai 1622 vernichtend geschlagen. Ab Sommer 1622 war die rechtsrheinische Pfalz von Ligatruppen besetzt. Am 23. Februar 1623 verlor Friedrich V. die Kurwürde, die auf Maximilian von Bayern überging. Die Oberpfalz fiel an Bayern und wurde bis 1628 katholisiert. Im Gegenzug erließ Maximilian dem Kaiser 13 Millionen Gulden Kriegskosten.

Niedersächsisch-Dänischer Krieg

1625 kam es zur Gründung der Haager Allianz zwischen England, den Niederlanden und Dänemark. Sie sollte ein gemeinsames Heer unter dem Dänenkönig und Herzog von Holstein, Christian IV., unterhalten. Der böhmische Adelige Albrecht von Wallenstein bot dem Kaiser an, auf eigene Rechnung ein Heer aufzustellen, und wurde Mitte Juni 1625 im mährischen Nikolsburg zum Herzog erhoben. Mitte Juli erhielt er den Auftrag zur Aushebung einer 24.000 Mann starken Armee, die zum Jahresende auf 50.000 Mann wuchs. Am 27. August 1626 erlitten die Dänen bei Lutter am Barenberge eine vernichtende Niederlage gegen Tilly. 1629 schloss Dänemark den Frieden von Lübeck und schied aus dem Krieg aus.

Die Herzöge von Mecklenburg wurden für abgesetzt erklärt, ihre Landesherrschaft übertrug der Kaiser auf Wallenstein, um seine Schulden bei ihm zu begleichen. Ebenfalls 1629 erließ Ferdinand II. das Restitutionsedikt, das die Rückerstattung aller seit 1555 von protestantischen Fürsten eingezogenen geistlichen Besitztümer vorsah. Das Edikt markiert den Höhepunkt der kaiserlichen Macht im Reich und den Wendepunkt des Krieges, denn es fachte den Widerstand der Protestanten erneut an und führte ihnen Verbündete zu, denen Kaiser und Liga am Ende nicht gewachsen waren.

Der Schwedische Krieg

Am 6. Juli 1630 landete Gustav Adolf mit 13.000 Mann auf Usedom und verstärkte seine Truppen auf 40.000 Mann. Der Vertrag von Bärwalde vom Januar 1631 sicherte die Finanzierung. Im Mai 1631 eroberten die Ligatruppen unter Tilly Magdeburg; die Stadt wurde weitgehend zerstört und war nach mehr als 20.000 Toten fast völlig entvölkert. Am 17. September 1631 schlug Gustav Adolf Tilly bei Breitenfeld vernichtend. In der Schlacht bei Rain am Lech am 14. und 15. April 1632 wurde Tilly geschlagen und starb am 30. April in Ingolstadt. Mitte Mai 1632 nahmen die Schweden München ein, das sich durch 300.000 Taler vor der Plünderung bewahrte.

Anfang 1632 ernannte Ferdinand II. den 1630 entlassenen Wallenstein erneut zum Oberbefehlshaber. In der Schlacht an der Alten Veste bei Zirndorf brachte Wallenstein dem schwedischen Heer am 3. September 1632 beträchtliche Verluste bei. In der Schlacht bei Lützen am 16. November 1632 starb Gustav Adolf; Bernhard von Sachsen-Weimar zwang die kaiserlichen Truppen dennoch zum Rückzug. Reichskanzler Axel Oxenstierna übernahm die Regentschaft und schloss den Heilbronner Bund. Weil Wallenstein es versäumte, dem belagerten Regensburg zu helfen, verloren Maximilian und Ferdinand II. das Vertrauen und ließen ihn am 25. Februar 1634 in Eger ermorden.

Nach Wallensteins Tod erhielt der spätere Kaiser Ferdinand III. den Oberbefehl und eroberte Regensburg im Juli 1634 zurück. Im September 1634 erlitten Bernhard von Sachsen-Weimar und Gustaf Horn bei Nördlingen eine verheerende Niederlage, die zum vorübergehenden Zusammenbruch der Machtstellung Schwedens im Reich führte. 1635 brachen fast alle protestantischen Reichsstände unter Führung von Kursachsen aus dem Bündnis mit Schweden aus und schlossen den Prager Frieden. Der Kaiser musste die Aussetzung des Restitutionsedikts für vierzig Jahre zugestehen, Maximilian der Auflösung der Katholischen Liga zustimmen. Damit hörte der Krieg endgültig auf, ein Krieg der Konfessionen zu sein. Als Antwort verbündeten sich Schweden und Frankreich 1635 im Vertrag von Compiègne.

Frankreich greift ein

Frankreich, bisher nur über einen Stellvertreterkrieg beteiligt, wurde nun mit eigenen Truppen aktiv. Am 19. Mai 1635 erklärte es Spanien den Krieg. Bernhard von Sachsen-Weimar, den Schweden nicht mehr unterstützte, schloss im Oktober 1635 einen Bündnisvertrag mit Richelieu. Seine Armee wurde dem französischen Oberkommando unterstellt, ihm ein Territorium im Elsass zugesichert. Mit jährlich vier Millionen französischen Pfund sollte er 18.000 Soldaten besolden. Französische Versuche, 1635 die Spanischen Niederlande und das südliche Rheinland zu erobern, scheiterten.

Der lange Schluss

1637 starb der Kaiser. Sein Nachfolger Ferdinand III. drängte auf einen Ausgleich, doch der Prager Frieden war bereits Geschichte. Bernhards Heer nahm im Mai 1638 die Belagerung von Breisach auf; die Reichsfestung kapitulierte im Dezember 1638. Am 18. Juli 1639 verstarb Bernhard von Sachsen-Weimar überraschend. Im März 1638 band der Hamburger Vertrag Schweden enger an Frankreich und schloss für beide Kronen einen Separatfrieden mit dem Kaiser aus. 1640 berief der Kaiser den Regensburger Reichstag ein und gab der ständischen Opposition ihr Forum zurück. Die Dominanz des monarchischen Systems war zerbrochen.

Verhandlungen und letzte Feldzüge

Ab 1643 verhandelten das Reich, Frankreich und Schweden in Münster und Osnabrück, begleitet von weiteren Kämpfen, noch fünf Jahre. Am 6. März 1645 zerschlugen die Schweden in der Schlacht bei Jankau ein eilig zusammengestelltes Heer unter Hatzfeldt und stießen mit rund 28.000 Mann fast ungehindert Richtung Wien vor. Am 13. Dezember 1645 schloss Ferdinand III. mit Fürst Georg I. Rákóczi von Siebenbürgen den Linzer Frieden. Sachsen schied mit dem Waffenstillstand von Kötzschenbroda aus dem Krieg aus. Im März 1647 schloss Kurfürst Maximilian den Ulmer Waffenstillstand mit Frankreich, Schweden und Hessen-Kassel, kehrte aber Ende 1647 zu den Kaiserlichen zurück.

Im Mai 1648 wurden Kaiserliche und Bayern bei Zusmarshausen geschlagen und gingen bis an den Inn zurück. Ein kleines schwedisches Heer nahm im Juli 1648 handstreichartig die Prager Kleinseite ein und belagerte Alt- und Neustadt. Der Krieg endete mit Prag dort, wo er 30 Jahre vorher seinen Anfang genommen hatte. Anfang November 1648 brachen die Schweden die Belagerung ab. Eine Woche vorher war am 24. Oktober der Westfälische Frieden geschlossen worden.

Der Westfälische Friede

Im Westfälischen Frieden wurde neben der katholischen und der lutherischen nun auch die reformierte Konfession im Reich als gleichberechtigt anerkannt. Für die vier paritätischen Reichsstädte Augsburg, Biberach, Dinkelsbühl und Ravensburg wurde konfessionelle Parität festgeschrieben. Schweden erhielt 1648 Vorpommern einschließlich Stettin mit der gesamten Odermündung, die Stadt Wismar sowie die säkularisierten Bistümer Bremen und Verden als Reichslehen. Brandenburg erhielt Hinterpommern sowie die Hochstifte Halberstadt und Minden und die Anwartschaft auf das Erzstift Magdeburg. Frankreich erhielt die Festung Breisach und das Besatzungsrecht in Philippsburg, dazu die habsburgischen Rechte im Elsass. Spanien einigte sich mit den Generalstaaten auf eine staatliche Unabhängigkeit.

Im Reich änderte sich vergleichsweise wenig. Das Machtsystem zwischen Kaiser und Reichsständen wurde neu austariert, ohne die Gewichte gegenüber der Lage vor dem Krieg stark zu verschieben. Frankreich wurde zum mächtigsten Land Westeuropas. Die Schweizerische Eidgenossenschaft erhielt Unabhängigkeit von der Gerichtsbarkeit der Reichsgerichte. Teile des Reichs waren stark verwüstet. Die Höhe des Rückgangs der Gesamtbevölkerung von zuvor rund 16 Millionen ist nicht genau bekannt; die Schätzungen reichen von 20 bis 45 Prozent. In Mecklenburg, Pommern, der Pfalz und Teilen Thüringens und Württembergs kam es zu Verlusten bis weit über 50 Prozent, stellenweise bis mehr als 70 Prozent. Der Nordwesten und Südosten war kaum betroffen.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Dreißigjähriger KriegVersionsgeschichteBearbeitungsstand 270370446redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Daniel Manasserentstanden 1632Public domainQuelle