Albrecht von Wallenstein
kaiserlicher General im Dreißigjährigen Krieg
Herkunft und Jugend
lbrecht Wenzel Eusebius wurde am 24. September 1583 in Hermanitz an der Elbe geboren. Er entstammte dem alten böhmischen Herrengeschlecht von Waldstein. Seine Mutter starb am 22. Juli 1593, sein Vater am 25. Februar 1595; damit war er im Alter von elf Jahren Vollwaise. Sein testamentarischer Vormund Heinrich Slavata von Chlum und Koschumberg nahm ihn auf Schloss Koschumberg auf und ließ ihn von Böhmischen Brüdern erziehen. Im Herbst 1597 kam er an die evangelische Lateinschule in Goldberg, im Hochsommer 1599 an die protestantische Akademie in Altdorf. Diese musste er im April 1600 verlassen, nachdem er mehrfach durch Gewalttaten aufgefallen war.
In fremden Diensten
In diesen Jahren trat Wallenstein zum Katholizismus über. Anfang Juli 1604 wurde er Fähnrich in einem Regiment kaiserlich-böhmischer Fußknechte, das auf Befehl Kaiser Rudolfs II. nach Ungarn zog. Bei diesem Feldzug lernte er die Taktik der siebenbürgischen leichten Reiterei kennen und beobachtete den damals 45 Jahre alten Kommandeur der kaiserlichen Artillerie, Oberst Graf von Tilly. Nach den Strapazen und einer Verwundung erkrankte er an der „Ungarischen Krankheit“; ältere Biographen nannten Fleckfieber, jüngere Forscher, schon Golo Mann, identifizierten sie als Syphilis. Im April 1607 trat er in die Dienste Erzherzog Matthias’ als Kämmerer.
Magnat in Mähren
Die Hochzeit mit Lukretia von Witschkow fand im Mai 1609 statt. Ihr Vermögen wird auf etwa 400.000 Gulden geschätzt und schuf die wirtschaftliche Basis für Wallensteins Aufstieg. Ein Jahr nach der Hochzeit war er Miteigentümer der mährischen Grundherrschaften Settein, Rimnitz und Luckow und zählte damit zu den größten mährischen Grundbesitzern. Am 11. November 1610 verkaufte er das elterliche Gut in Hermanitz. Nach der Wahl Matthias’ zum Kaiser im Mai 1612 wurde Wallenstein kaiserlicher Kämmerer. Am 23. März 1614 starb seine Frau Lukretia.
Der Aufstand in Böhmen
Die offene Rebellion der evangelischen Stände Böhmens fand ihren Ausdruck im Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618. Wallenstein hielt vom Aufstand nichts, seine Loyalität galt Ferdinand; dennoch warb er gemäß seiner Bestallungsurkunde ein Regiment Musketiere mit 3.000 Mann. Ferdinand bot er an, auf eigene Kosten für 40.000 Gulden ein Kürassierregiment gegen Böhmen zu werben. Am 30. April zwang er den Steuereinnehmer in Olmütz, die Kasse der mährischen Stände herauszugeben, und brachte das Geld nach Wien. Am 11. Mai 1619 wurde er von den mährischen Ständen für immer des Landes verwiesen und verlor alle Güter in Mähren. Von nun an war er ein vermeintlich mittelloser Söldner in kaiserlichen Diensten.
Vom Sablat zum Weißen Berg
Am 10. Juni 1619 kam es bei Záblat zum Kampf gegen die Truppen des Grafen Ernst von Mansfeld. Wallenstein führte seine Kürassiere selbst ins Gefecht, Mansfelds Truppen wurden aufgerieben; erbeutet wurden Gold im Wert von rund 100.000 Gulden und 300 Wagen mit Proviant. Am Morgen des 8. Novembers wurde Friedrichs Heer in der Schlacht am Weißen Berg vernichtend geschlagen. Wallenstein erhielt den Auftrag, mit einer Sonderabteilung den Nordwesten Böhmens zu besetzen. Im Dezember 1620 verlegte er sein Hauptquartier nach Prag und war damit faktisch Militärbefehlshaber von Nordböhmen.
Herzog von Friedland
Ab Herbst 1622 entschloss sich Ferdinand II., die konfiszierten Güter zu verkaufen. Die Hofkammer verkaufte die Herrschaften Friedland und Reichenberg an Wallenstein als ewiges Erblehen und schließlich Fideikommiss. Nach einigen Jahren besaß er ein geschlossenes Herrschaftsgebiet, das Herzogtum Friedland, das mit rund 9.000 km² ein knappes Fünftel des Königreichs Böhmen umfasste. Der Kaiser ernannte ihn zum erblichen Reichsfürsten von Friedland und begründete dies auch mit seinen Diensten bei der Niederschlagung des böhmischen Aufstands. 1623 begann Wallenstein, Gitschin durch die italienischen Architekten Andrea Spezza, Niccoló Sebregondi und Giovanni Pieroni zu seiner Residenz auszubauen.
Ernennung zum Generalissimus
Am 7. April 1625 ließ Ferdinand II. ein Ernennungsdekret für Wallenstein ausstellen. Am 25. Juli 1625 erfolgte die Ernennung zum Generalissimus über die kaiserlichen Truppen. Zuvor war Wallenstein im Januar 1625 am Wiener Hof erschienen und hatte angeboten, ohne Verzögerung und auf eigene Kosten eine Armee mit 20.000 Mann aufzustellen, 15.000 Mann zu Fuß und 5.000 zu Pferd. Auf die Frage, ob er 20.000 Mann unterhalten könne, antwortete er: 20.000 nicht, wohl aber 50.000. Ende 1625 hatte er als General eine eigene Armee mit circa 40.000 Söldnern aufgestellt.
Der Krieg gegen Dänemark
Am 10. Juni 1627 traf Wallenstein in Neiße ein, wo 40.000 Mann seiner 100.000 Köpfe zählenden Armee zusammengezogen worden waren. Bis Ende Juli war Schlesien von den dänischen Truppen befreit. Eine Vorausabteilung unter Hans Georg von Arnim, einem protestantischen Obristen, war bereits in die Mark Brandenburg aufgebrochen. Nach einer Verletzung Tillys übernahm Wallenstein den Oberbefehl über beide Heere, was insbesondere den bayerischen Kurfürsten wurmte. Die Armeen drangen schnell nach Dänemark vor; bereits am 18. Oktober waren alle dänischen Truppen auf dem Festland vernichtet. Christian selbst konnte sich mit einigen Begleitern auf die Insel Seeland retten.
Vor Stralsund
Die Lage um die Stadt Stralsund spitzte sich zu. Sie gehörte offiziell zum Herzogtum Pommern, hatte als selbstbewusste Hansestadt jedoch eine gewisse Selbständigkeit erlangt. Nachdem Kompromissvorschläge abgelehnt worden waren, entsandte Wallenstein Anfang Mai 1628 zusätzlich 15 Regimenter, um die Stadt militärisch zur Anerkennung der kaiserlichen Macht zu zwingen. Nachdem ihm der pommersche Herzog Bogislaw XIV. versicherte, Stralsund werde dem Kaiser gegenüber loyal bleiben, entschloss sich Wallenstein zum Rückzug. Nach dem Abzug wurden die dänischen Truppen durch schwedische ausgetauscht, und aus dem Bündnisvertrag wurde die vollständige Inkorporierung der Stadt in das schwedische Königreich. Stralsund verblieb bis 1814 unter schwedischer Herrschaft.
Die erste Entlassung
Am 6. März 1629 erließ Ferdinand das Restitutionsedikt, mit dem alle von den Protestanten seit 1552 eingezogenen Kirchengüter und Bistümer den Katholiken zurückgegeben werden sollten. Wallenstein lehnte das Edikt als politisch unvernünftig ab, weil es die Gefahr gegnerischer protestantischer Koalitionen verstärkte. Auf dem Regensburger Kurfürstentag im Sommer 1630 zwangen die Kurfürsten, unterstützt von einer französischen Delegation mit Père Joseph, den Kaiser, Wallenstein zu entlassen und die eigenen Truppen zu vermindern. Die Absetzungsmitteilung wurde ihm in seinem Kriegslager im Fuggerbau der Stadt Memmingen am 6. September 1630 überreicht. Befürchtungen, er werde sich gewaltsam widersetzen, bewahrheiteten sich nicht.
Lützen
Wallenstein wollte sich mit den Heeresgruppen unter Gottfried Heinrich zu Pappenheim und Heinrich von Holk vereinigen, was am 6. November 1632 geschah, um das Kurfürstentum Sachsen anzugreifen. Die Schweden erkannten ihre Chance, Wallensteins durch den Abzug Pappenheims geschwächte Armee bei Lützen zu besiegen. Die Schlacht begann wegen Nebels und Rauchs erst mittags. Pappenheim wurde tödlich verletzt, bald darauf wurde König Gustav Adolf getötet; seinen Platz als Kommandeur nahm Bernhard von Weimar ein. Wallenstein räumte das Feld und zog sich nach Böhmen zurück. In Wahrheit war die Schlacht ein propagandistischer Sieg für den Kaiser, da die Moral der Protestanten durch den Tod Gustav Adolfs sehr geschwächt war.
Die Ermordung
Ein Geheimgericht verurteilte Wallenstein wegen Verrats, hauptsächlich auf Betreiben der spanischen Habsburger. Der Kaiser erklärte ihn für abgesetzt, was am 24. Januar 1634 beurkundet wurde. Ein Nachfolger, des Kaisers eigener Sohn, der spätere Ferdinand III., stand schon bereit. Am 23. Februar zog sich Wallenstein von Pilsen nach Eger zurück. Dort wurden am Abend des 25. Februar seine engsten Vertrauten Ilow, Trčka, Kinsky und Niemann gemeinsam mit drei Dienern ermordet. Wallenstein selbst wurde am späten Abend des 25. Februar von einer Gruppe irischer bzw. schottischer Offiziere mit einer Partisane in den Magen gestochen und starb kurz darauf.