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Ferdinand II. (HRR)

Erzherzog von Österreich, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, König von Ungarn und Böhmen

Herkunft und Erziehung

erdinand war Sohn des Erzherzogs Karl II. von Innerösterreich und der Maria von Bayern, einer Tochter Albrechts V. von Bayern. Er stammte aus einer Nebenlinie der Habsburger in Innerösterreich, also in Steiermark, Kärnten und Krain. Sein Großvater war Ferdinand I., ein Onkel Maximilian II., Vettern waren Rudolf II. und Matthias. Die streng katholische Mutter übergab 1590 die Erziehung des Knaben den Jesuiten in Ingolstadt. Dort besuchte er das Gymnasium und bis 1595 die Universität. Er verfügte über einen Hofstaat von 30 Personen. Mit ihm studierte sein um fünf Jahre älterer Cousin, der spätere Kurfürst Maximilian I. von Bayern. Die jesuitische Erziehung war maßgeblich verantwortlich für Ferdinands entschiedene Ablehnung des Protestantismus. Er besuchte mindestens einmal täglich die Messe.

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Landesfürst in Innerösterreich

Mit dem Tod seines Vaters folgte Ferdinand 1590 als Landesherr der innerösterreichischen Länder nach. Die Regierung führten in Vertretung die Erzherzöge Ernst und ab 1593 Maximilian der Deutschmeister, praktisch jedoch seine Mutter. 1595 kam er nach Graz zurück. Im Dezember 1596, unmittelbar nach seiner Volljährigkeitserklärung, huldigten ihm die Stände der Steiermark, ein Jahr später die von Kärnten und der Krain. Er reiste zum Wallfahrtsort Loreto in den Marken und legte vor dem Altar der Mutter Gottes das Gelübde ab, den Katholizismus um jeden Preis wieder zur alleinigen Religion in seinen Staaten zu machen. Auf der Reise traf er Papst Clemens VIII.

In den innerösterreichischen Ländern wurde die Rekatholisierung entschlossen durchgeführt. Wichtige Träger waren die Jesuiten in Graz, die dort auch die Universität leiteten. Unterstützt von Martin Brenner, dem Fürstbischof von Seckau, verlangte Ferdinand auch vom Adel das Bekenntnis zum Katholizismus und stellte protestantische Adelige vor die Wahl zu konvertieren oder das Land zu verlassen. In Graz wurden zahlreiche Wagenladungen evangelischer Schriften verbrannt, evangelische Kirchen zerstört, Prediger und Gelehrte wie der Mathematiker Johannes Kepler des Landes verwiesen. Durch die Abwanderung wohlhabender protestantischer Familien wurde die Wirtschaft schwer geschädigt. Gegenüber den Ständen der Steiermark äußerte er, er wolle kein princeps modificatus, sondern ein princeps absolutus sein. 1600 eroberten die Osmanen die Festung Kaniza. Ferdinands Feldzug von September bis November 1601 endete mit einer Katastrophe der christlichen Truppen.

König von Böhmen und Ungarn

Kaiser Matthias zögerte seit 1612, seine Nachfolge zu regeln. Erst unter Druck schlug er 1617 seinen Cousin Ferdinand als Nachfolger in Böhmen vor, nachdem die Erzherzöge Maximilian III. und Albrecht VII. verzichtet hatten. Mit dem spanischen König Philipp III., der seit 1613 Ansprüche angemeldet hatte, schloss das österreichische Haus Habsburg den Oñate-Vertrag; Spanien verzichtete auf eine Bewerbung um die Kaiserkrone und erhielt die Landvogteien Hagenau und Ortenburg sowie Reichslehen in Oberitalien. Am 6. Juni 1617 wurde Ferdinand zum König von Böhmen gewählt und am 29. Juni 1617 in Prag gekrönt. Vor der Krönung musste er beeidigen, den Majestätsbrief Rudolfs zu berücksichtigen. In Ungarn wurde er 1618 gewählt und am 1. Juli 1618 in Preßburg gekrönt.

Aufstand und Kaiserwahl

Die Ursachen für das Aufbegehren der böhmischen Stände stammten teilweise noch aus der Zeit von Matthias, wurden aber durch Ferdinands gegenreformatorische Politik verstärkt. Der Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618 betraf hochrangige Beamte Ferdinands. Am 20. Juli 1618 setzte Ferdinand den Kardinal Klesl ab, der für eine Aussöhnung plädiert hatte, und ließ ihn später in Tirol inhaftieren. Die Führung des Geheimen Rates übernahm Johann Ulrich von Eggenberg. Im Juni 1619 standen böhmische ständische Truppen vor Wien. Am 5. Juni 1619 versuchten protestantische Adelige in der Sturmpetition vergeblich, Schutz ihrer Rechte zu erwirken. Die böhmischen Stände erklärten Ferdinand für abgesetzt und verliehen die Krone am 27. August 1619 dem reformierten Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz.

Mit dem Tod des Kaisers Matthias am 20. März 1619 wurde Ferdinand Nachfolger in den von Matthias beherrschten Teilen der österreichischen Erblande; nur Tirol und die Vorlande blieben bei einer Nebenlinie. Die Kaiserwahl sollte am 28. August in Frankfurt erfolgen. Ferdinand übte trotz der Wahl eines neuen böhmischen Königs sein Wahlrecht der böhmischen Kur aus; der Protest einer böhmischen Delegation wurde vom Kurfürstenkollegium zurückgewiesen. Die Gesandten der Kurpfalz hatten beschlossen, den bayerischen Herzog Maximilian I. zu wählen, zogen ihr Votum aber zurück. In einem weiteren Wahlgang wurde Ferdinand einstimmig gewählt, die Krönung erfolgte am 9. September. Die Wahl gab ihm auch das Recht, gegen Friedrich vorzugehen.

Böhmisch-pfälzischer Krieg

In München wurde ein Bündnis Maximilians I. und der Katholischen Liga vorbereitet. Maximilian erhielt die unbeschränkte Obergewalt über die Liga, Oberösterreich wurde an Bayern verpfändet, insgeheim auch die Übertragung der Kurwürde verabredet. Ferdinand gewann die Unterstützung Spaniens und des protestantischen Kursachsen; sächsische Truppen marschierten in die Lausitz ein. Spanische und ligistische Truppen rückten in die Rheinpfalz ein und unterdrückten den Protestantismus gewaltsam. Truppen der Liga unter Tilly brachen den Widerstand in Oberösterreich; 1626 kam es dort zum Oberösterreichischen Bauernkrieg. Am 27. August 1620 wählte man in Ungarn Gábor Bethlen zum König. In der Schlacht am Weißen Berg unterlag Friedrich am 8. November 1620 den Truppen Maximilians von Bayern und musste fliehen. 1621 gaben auch die ungarischen Aufständischen auf.

Neuordnung Böhmens

Maximilian erhielt die Kurfürstenwürde nebst der Oberpfalz, nachdem Ferdinand Friedrich geächtet und seiner Würde und Lande verlustig erklärt hatte. Am 21. Juni 1621 wurden 21 Personen hingerichtet, darunter der Rektor der Prager Universität Jan Jessenius. 1624 wurde der Katholizismus zur einzigen erlaubten Konfession in Böhmen proklamiert. Etwa die Hälfte des Grundbesitzes wechselte nach 1620 den Besitzer, der Wert des beschlagnahmten Landes lag bei 40 Millionen Gulden. Wallenstein erwarb Güter im Wert von 15 Millionen Gulden. Ein Viertel des Adels verließ das Land. Die Verneuerte Landesordnung von 1627 machte Böhmen zum erblichen Besitz der Habsburger; der Landtag verlor seine gesetzgeberischen Kompetenzen. Am schwächsten war die Gegenreformation in Ungarn; zu Zwangsmaßnahmen kam es dort nicht.

Niedersächsisch-Dänischer Krieg

Der Krieg ging weiter, weil das unbarmherzige Vorgehen in Böhmen im protestantischen Lager für Unmut sorgte und die Übertragung der Kurwürde nicht genügend mit den protestantischen Kurfürsten abgestimmt war. Christian IV. von Dänemark, als Herzog von Holstein auch Reichsfürst und Oberster des niedersächsischen Reichskreises, ging mit den Ständen des Kreises gegen Ferdinand vor. Der Kaiser nahm das Angebot Wallensteins an, ein Heer auszurüsten. Die kaiserliche Armee Wallensteins wurde bald die stärkste im Reich. Zusammen mit Tillys Truppen besetzte sie fast ganz Norddeutschland; die Zerstörung Magdeburgs wurde als Angriff auf den Protestantismus gesehen. 1629 musste der Dänenkönig im Frieden von Lübeck auf jede Einmischung in deutsche Angelegenheiten verzichten. Der Plan zur Seeherrschaft auf der Ostsee scheiterte am Widerstand Stralsunds.

Das Restitutionsedikt

Am 6. März 1629 erließ Ferdinand das Restitutionsedikt, mit dem der geistliche Besitzstand im Reich ohne Einverständnis der evangelischen Reichsstände auf den Stand des Jahres 1552 zurückgeführt werden sollte. Die Folge wären umfangreiche Enteignungen und Rückübertragungen gewesen, darunter die Erzstifter Bremen und Magdeburg. Wallenstein kritisierte die Absichten, weil sie eine lange Fortsetzung des Krieges befürchten ließen. Für die Reichsfürsten schien dies der erste Schritt zu einem absolutistischen System im Reich. Hinzu kam Misstrauen gegenüber Wallenstein, den der Kaiser zum Herzog von Mecklenburg erhoben hatte. 1629 griff Ferdinand als Lehnsherr von Reichsitalien im Mantuanischen Erbfolgekrieg gegen die Franzosen ein, ohne Zustimmung des Kurfürstenkollegiums.

1630 kulminierte die Kritik der Kurfürsten auf dem Regensburger Kurfürstentag. Ferdinand ging es dort um die Wahl seines Sohnes Ferdinand zum römischen König und um finanzielle Unterstützung im Krieg um Mantua. Die Lage verschärfte sich, als bekannt wurde, dass Gustav Adolf von Schweden in Pommern gelandet war. Führer der antikaiserlichen Opposition wurde Maximilian von Bayern, der Cousin und Schwager des Kaisers und Gründer der Katholischen Liga. Die Kurfürsten verlangten eine Verkleinerung der kaiserlichen Armee und die Entlassung Wallensteins. Der Kaiser gab weitgehend nach. Wallenstein wurde entlassen, Tilly übernahm den Posten. Die Wahl Ferdinands III. wurde verweigert und der Vollzug des Restitutionsedikts ausgesetzt. Sein Ziel einer Rekatholisierung und der Etablierung des Absolutismus auch im Reich war gescheitert.

Schwedischer Krieg

Gustav Adolf nötigte die Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen zu Bündnisverträgen und besiegte mit einem kleinen sächsischen Heer das Heer der Katholischen Liga bei Breitenfeld. Ferdinand übertrug Wallenstein im Vertrag von Göllersdorf vom 14. April 1632 erneut das Generalat als Generalissimus, mit dem Recht, allein zu kommandieren und selbstständig mit den Kriegsgegnern zu verhandeln. In der Schlacht bei Lützen, die unentschieden endete, fiel Gustav Adolf. 1633 wurde Wallenstein untersagt, Protestanten aus den habsburgischen Erblanden in die Armee aufzunehmen. Der Kaiser erfuhr durch Berichte Piccolominis von geheimen Verhandlungen mit Sachsen, Schweden und Frankreich. Anfang 1634 hielt Ferdinand einen Militärputsch für geplant; Wallenstein wurde für schuldig erklärt, geächtet und getötet.

Prager Friede und Tod

Nachfolger Wallensteins als Oberbefehlshaber wurde Ferdinands Sohn, der ungarische König und spätere Kaiser Ferdinand III. Im Juli 1634 wurde Regensburg von den Schweden zurückerobert, Anfang September 1634 das schwedische Heer in der Schlacht bei Nördlingen besiegt. 1635 schloss Ferdinand II. den Prager Frieden mit Sachsen und verzichtete auf die Durchführung des Restitutionsediktes; die meisten protestantischen Fürsten schlossen sich an. Die Stände verzichteten auf das Recht, Truppen zu unterhalten und Bündnisse einzugehen. Durch den Eintritt Frankreichs in den Krieg ebenfalls 1635 ging der Krieg weiter. Auf dem Regensburger Kurfürstentag erreichte Ferdinand am 22. Dezember 1636 die Wahl seines Sohnes zum König, dann kehrte er nach Wien zurück, wo er am 15. Februar 1637 starb. Sein Grab befindet sich im Mausoleum in Graz.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Ferdinand II. (HRR)VersionsgeschichteBearbeitungsstand 270008817redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Unbekannter Malerentstanden 1614Public domainQuelle