Ludwig VI. (Frankreich)
König von Frankreich
ach dem Tod seines Vaters wurde Ludwig am 3. August 1108 in Orléans eilig gekrönt, da Bischof Daimbert von Sens die Zeremonie vollziehen musste. Reims als traditioneller Weiheort war wegen einer Doppelwahl um die Erzbischofswürde und wegen der Bedrohung durch seinen Halbbruder Philipp und Graf Theobald IV. von Blois nicht möglich. Kaum ein großer Vasall des Königreiches war bei der Krönung zugegen, was den tiefen Punkt zeigte, den das Königtum erreicht hatte. Ludwig konnte jedoch Bertrada zur Aufgabe ihrer Ambitionen nötigen und erlaubte ihr, sich in das Priorat Hautes-Bruyères zurückzuziehen. Philipp machte er unschädlich, indem er ihm Mantes entzog.
Ludwigs tatsächlicher Herrschaftsraum, die Krondomäne, war auf die Île-de-France mit den Zentren Orléans, Paris und Senlis begrenzt. Umgeben war dieses Gebiet von mächtigen Lehnsfürstentümern wie der Normandie und Flandern im Norden, der Champagne im Osten, Anjou und Bretagne im Westen und Aquitanien im Süden, deren Herren den König oft nur formell anerkannten. Auch innerhalb der Île-de-France war der König nur bedingt Herr im eigenen Haus, da Burgherren wie die Familie von Montlhéry-Rochefort mit ihren Burgen Montlhéry, Rochefort-en-Yvelines, Bray-sur-Seine und Crécy-en-Brie großen Einfluss auf den Hof ausübten. Nachdem Ludwig Bertrada neutralisiert hatte, ging er gegen die Macht der Montlhérys vor. 1107 löste ein Konzil in Troyes auf Aufforderung Papst Paschalis II. seine Ehe mit Lucienne von Rochefort auf.
Im Februar 1119 unterstützte Ludwig die Wahl des Erzbischofs von Vienne zum Papst Kalixt II., der ein Onkel seiner Frau war. Damit ergriff der König Partei gegen Kaiser Heinrich V. und dessen Papst Gregor VIII., die von Kalixt auf einem Konzil in Reims im Oktober 1119 mit dem Bann belegt wurden. Dies traf auch Heinrich Beauclerc, der ebenfalls den kaiserlichen Gegenpapst unterstützte, und führte zu einem Bündnis des Normannenherrschers mit dem Kaiser gegen Frankreich, das auch nach der Beilegung des Kirchenstreits 1122 im Wormser Konkordat Bestand haben sollte. Ein erneuter Versuch Ludwigs und Wilhelm Clitos, in die Normandie vorzudringen, scheiterte deshalb 1123. Als der Kaiser im Jahr darauf ein großes Heer gegen Frankreich in Marsch setzte, rief Ludwig alle Vasallen zur Heerfolge auf; fast alle Großen des Reiches folgten, sogar Theobald IV. von Blois und der Herzog von Aquitanien. Das Heer, das Ludwig mit der Oriflamme voraus nach Lothringen führte, soll über 60.000 Mann stark gewesen sein. In der Nähe von Metz verzichtete der Kaiser angesichts dieser Größe auf einen Kampf und löste sein Heer auf; er starb im folgenden Jahr.