Heinrich V. (HRR)
römisch-deutscher König und Kaiser
Krise des Reiches
einrich V. wurde wohl am 11. August 1081 oder 1086 geboren. Die ersten Jahre verbrachte er vor allem in Regensburg, sein Erzieher war Bischof Konrad von Utrecht. Sein gleichnamiger Vater kämpfte zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren mit Päpsten, Bischöfen und Fürsten um den Erhalt seiner Herrschaft. Als Nachfolger im Königtum war zunächst der älteste Sohn Konrad bestimmt, der 1087 in Aachen zum König geweiht wurde. 1093 lief Konrad in Italien zur Partei der Kirchenreformer über. Im Mai 1098 wurden ihm auf einem Hoftag in Mainz Königtum und Erbe aberkannt und Heinrich V. übertragen. Am 6. Januar 1099 wurde dieser in Aachen gesalbt und gekrönt. Am 27. Juli 1101 starb Konrad in Florenz.
Entmachtung des Vaters
Im November 1104 zog Heinrich V. im Heer seines Vaters gegen sächsische Reformadelige. Während dieser Strafexpedition sagte er sich am 12. Dezember 1104 von seinem Vater los und brach damit den Treueid. Anschließend feierte er in Regensburg mit seinen Anhängern das Weihnachtsfest. Zum Jahreswechsel 1104/05 schickte er Boten nach Rom, um sich vom Bann und vom Eid befreien zu lassen. Der Papst sagte ihm die Absolution und Unterstützung im Kampf gegen den Vater zu, unter der Auflage, dass er ein gerechter König und Lenker der Kirche sein solle.
Im Frühjahr 1105 hielt Heinrich V. sich zwei Monate in Sachsen auf. Er zeigte seinen Willen zur Zusammenarbeit mit der Kirche, indem er die von seinem Vater eingesetzten Bischöfe Friedrich von Halberstadt, Udo von Hildesheim und Heinrich von Paderborn absetzte. In Quedlinburg zog er am Palmsonntag barfuß zur Feier des Osterfestes ein und demonstrierte so seine Demut. Ende Oktober 1105 besetzte er Speyer, den zentralen Ort salischer Herrschaft, und setzte dort mit Gebhard einen vehementen Gegner seines Vaters als Bischof ein.
Am 20. Dezember 1105 soll Heinrich V. in Koblenz dem Vater um den Hals gefallen sein. Am 21. Dezember brachen beide gemeinsam zum Hoftag in Mainz auf. In Bingen überredete Heinrich am 23. Dezember seinen Vater, sich zum eigenen Schutz auf eine Burg zu begeben. Der Vater kam jedoch in festen Gewahrsam auf die Burg Böckelheim, die Bischof Gebhard gehörte. Um die Jahreswende wurde er nach Ingelheim gebracht und am 31. Dezember 1105 zur Abdankung gezwungen. Dort wurden ihm auch die Reichsinsignien abgepresst. Am 5. oder 6. Januar 1106 wurde Heinrich V. zum neuen König gesalbt und gekrönt.
Der Vater konnte aus der Haft in Ingelheim entkommen und nach Lüttich fliehen. Er begann den Widerstand zu organisieren, starb aber am 7. August 1106 in Lüttich und erhielt dort ein ehrenvolles Begräbnis. Weil sich in Lüttich eine Verehrung des Verstorbenen als Heiligen anbahnte, ließ Heinrich den Leichnam am 24. August wieder ausgraben und nach Speyer überführen. Am 3. September 1106 wurde er in eine noch ungeweihte Seitenkapelle nördlich des Domes gebettet. Erst 1111, nach Aufhebung der Exkommunikation, konnte die Beisetzung neben den Ahnen im Dom zu Speyer erfolgen.
Konsensuale Herrschaft
Heinrich V. scheint aus den Fehlern seines Vaters gelernt zu haben. Nach eigenen Worten im Frühjahr 1106 hatte er verstanden, dass die Missachtung der Fürsten der Untergang des Reiches war. Die folgenden Jahre standen unter dem Eindruck der Kirchenreform und größerer Mitverantwortung der Fürsten. Hoftage hielt er häufiger ab als sein Vater, um Entscheidungen im Konsens zu treffen. Bischöfen, die unter seinem Vater ihre Sitze nicht mehr betreten konnten, ermöglichte er die Rückkehr. So hatte ein salischer Herrscher nach langer Zeit wieder Zugang zu allen Teilen des Reiches. Das Herzogtum Sachsen wurde 1106 an Lothar von Süpplingenburg vergeben.
Die Investitur mit Ring und Stab übte Heinrich V. weiter aus. Am 7. Januar 1106 wurde in Mainz Konrad I. mit Ring und Stab zum Erzbischof von Salzburg erhoben. 1107 besetzte der Salier unter Mitwirkung der Großen die Bischofsstühle in Halberstadt, Magdeburg, Speyer und Verdun. Die demonstrative Erhebung der Bischöfe mit Ring und Stab ließ die Konflikte mit dem Papsttum fortbestehen. Der Papst forderte den vollständigen Verzicht auf die Investitur geistlicher Amtsträger. Einigungsversuche scheiterten 1106 auf der Synode von Guastalla und 1107 in Châlons-en-Champagne.
Italienzug und Kaiserkrönung
Im August 1110 beschloss ein Hoftag, zur Beendigung des Investiturstreits nach Rom aufzubrechen. Das Heer zog über den Großen Sankt Bernhard, erreichte Piacenza und Parma, dann Roncaglia und Florenz und bis zum Februar 1111 Sutri, von dort nach Rom. Angeblich begleiteten Heinrich 30.000 Ritter aus dem ganzen Reich. Der Papst schlug ihm vor, ganz auf die Investitur zu verzichten und dafür alle aus königlicher Verleihung stammenden Hoheitsrechte zurückzuerhalten. Das hielten Herrscher und Papst am 4. Februar 1111 in einem Vorvertrag fest. Am 9. Februar nahm Heinrich im Vergleich von Sutri den päpstlichen Vorschlag an.
Am 12. Februar 1111 begannen die Feierlichkeiten zur Kaiserkrönung. Heinrich küsste vor der Peterskirche in großer Öffentlichkeit die Füße des Papstes. Nach der Verlesung der Absprache brach starker Protest aus, die Krönung musste abgebrochen werden, und in der Stadt kam es zu Aufruhr. Heinrich forderte erneut das Investiturrecht und die Kaiserkrönung. Als Paschalis dies verweigerte, nahm er ihn in der Peterskirche gefangen. Im Vertrag von Ponte Mammolo am 12. April 1111 erwirkte Heinrich die Lösung des verstorbenen Vaters vom Bann und weiterhin die Investitur mit Ring und Stab. Am 13. April vollzog Paschalis die Kaiserkrönung. Durch die Gefangennahme verlor Heinrich rasch an Anerkennung.
Bruch der konsensualen Ordnung
Nach 1111 warb Heinrich zunehmend nicht mehr um den herrschaftlichen Konsens und ging zur früheren autokratischen Herrschaftspraxis über. Zahlreiche Geistliche fielen von ihm ab, zuerst Erzbischof Konrad von Salzburg und Bischof Reinhard von Halberstadt. Zum Bruch kam es auch mit Adalbert von Saarbrücken, seit dem 14. Februar 1106 Kanzler und ab 1111 Erzbischof von Mainz. Anlass war anscheinend die königliche Burg Trifels. Ohne Konsens der Großen wurde Adalbert gefangen genommen und über drei Jahre in strenger Haft gehalten. Der Kölner Erzbischof Friedrich vereinte die Aufständischen und fiel im Frühjahr 1114 vom Kaiser ab. Die Niederlage in Andernach im Oktober 1114 beendete Heinrichs Präsenz am Niederrhein. Am 11. Februar 1115 besiegte Herzog Lothar ihn in der Schlacht am Welfesholz vernichtend.
Wormser Konkordat
1121 drohten die Auseinandersetzungen erneut militärisch zu eskalieren. Heinrich beschloss eine große Heerfahrt gegen Adalbert von Mainz, die Heere standen sich in Mainz gegenüber. Die Fürsten beider Seiten begannen Verhandlungen und drängten den Kaiser im Herbst 1121 zum Ausgleich mit dem Papst. Eine Fürstenkommission aus je zwölf Anhängern und Gegnern vertrat die Interessen des ganzen Reiches. Die Fürstenversammlung vom 29. September 1121 in Würzburg nannte der Chronist Ekkehard von Aura eine Zusammenkunft vieler Häupter des Staates. Am 23. September 1122 kam es zum Wormser Konkordat. Mit dem Austausch einer kaiserlichen und einer päpstlichen Urkunde endete der Investiturstreit. Heinrich musste auf das Investiturrecht mit Ring und Stab verzichten und durfte die Regalien nur noch mit dem Zepter verleihen.
Tod und Nachfolge
Das Osterfest 1125 beging Heinrich in Lüttich. Am 23. Mai starb er im Alter von etwa 39 Jahren in Utrecht an einer Krebserkrankung. Seine Eingeweide wurden in Utrecht, seine Gebeine im Speyerer Dom bestattet. Mathilde übergab die Reichsinsignien an den Erzbischof von Mainz. Der Stauferherzog Friedrich II. galt als aussichtsreicher Kandidat, doch seine Kandidatur auf der Mainzer Wahlversammlung am 24. August 1125 blieb erfolglos. Als weitere Anwärter galten Markgraf Leopold von Österreich und der Graf von Flandern Karl der Gute sowie der Sachsenherzog Lothar III., der schließlich gewählt wurde. Nicht mehr erbrechtliche Legitimation bestimmte die Thronfolge, sondern die Wahl der Fürsten.