Martin von Tours
Heiliger, dritter Bischof von Tours
artinus wuchs als Sohn eines römischen Militärtribuns in Pannonien im heutigen Ungarn auf. Die Jugend verbrachte er in Pavia, der Heimat seines Vaters in Oberitalien, wo er erstmals mit dem Christentum in Berührung kam. Im Alter von zehn Jahren wurde er in die Gruppe der Katechumenen, der Taufbewerber, aufgenommen. Widerwillig beugte er sich dem Gebot des Vaters und schlug eine Militärlaufbahn ein. Ab 334 war Martin als Soldat der Reiterei der kaiserlichen Garde in Amiens stationiert. Er begegnete am Stadttor von Amiens einem unbekleideten Mann, teilte seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Armen. In der folgenden Nacht sei ihm im Traum Christus erschienen, bekleidet mit dem halben Mantel, den Martin dem Bettler gegeben hatte. Im Jahr 351 wurde Martinus von Bischof Hilarius von Poitiers getauft. Im Jahr 356 diente er unter dem späteren heidnischen Kaiser Julian im Kampf gegen die Alamannen. Er verweigerte die Teilnahme an der Schlacht mit dem Hinweis, er sei von nun an nicht mehr Soldat des römischen Kaisers, sondern Soldat Christi, und bat um Entlassung aus dem Armeedienst.
Martins Biograph, Sulpicius Severus, kannte ihn persönlich und begann die Niederschrift seiner Vita Sancti Martini bereits zu Lebzeiten Martins. Einer weiteren Überlieferung zufolge sollte Martin im Jahr 371 in der Stadt Tours von den Einwohnern zum Bischof ernannt werden. Martin, der sich des Amtes unwürdig empfand, habe sich in einem Gänsestall versteckt. Die aufgeregt schnatternden Gänse verrieten aber seine Anwesenheit, und er musste das Bischofsamt annehmen. Davon leite sich auch der Brauch ab, am Fest des Heiligen eine Martinsgans zuzubereiten.
Martin starb eines natürlichen Todes, war also kein Märtyrer, sondern ein Bekenner, und sein Leben gab ein Beispiel für ein vorbildhaftes Leben. Der Martinskult ist erstmals um 400 in Ligugé dokumentiert. Nach 450 wurde Martins Grab, und hier besonders sein Mantel (lateinisch cappa), zum Pilgerziel. Ein wichtiger Förderer der frühmittelalterlichen Martinsverehrung war Gregor von Tours, Nachfolger auf dem Bischofssitz von Tours. Der Frankenkönig Chlodwig erhob Martin zum Reichsheiligen der fränkisch-merowingischen Könige; Martins Mantel wurde zur Reichsreliquie. Aufbewahrt wurde sie häufig in kleineren, als Kirchenraum dienenden Räumlichkeiten, die danach auch als „Kapellen“ bezeichnet wurden. Die die Cappa begleitenden Geistlichen, die Kapellane, nahmen, da sie lesen und schreiben konnten, neben ihren seelsorgerischen Pflichten auch das Amt der Hof- und Urkundenschreiber wahr. Daraus erklärt sich auch der Name Hofkapelle für die königliche Kanzlei des Frankenreiches.
Der Gedenktag des Heiligen fällt auf den 11. November (Martinstag), den Tag der Grablegung des hl. Martin.