Matthias von Neuenburg
deutscher Chronist
atthias studierte in Bologna kanonisches Recht und erwarb den Magistertitel als magister decretorum. Aus den Immatrikulationslisten wird geschlossen, dass er Kontakte zu Eberhard von Kyburg und Peter Münch hatte. 1327 wirkte er als Rechtsberater am geistlichen Gerichtshof von Basel. Nach dem Amtsverzicht des Basler Bischofs Hartung Münch war er ab 1329 in derselben Funktion für den Straßburger Bischof Berthold von Buchegg tätig, den er zuvor in Basel in der Deutschordenskommende kennengelernt hatte. 1335 und erneut 1338 reiste er in offizieller Mission zur Kurie nach Avignon.
Matthias verfasste eine lateinische Chronik, die unter anderem an das Werk des Martin von Troppau anschließt. Sie gilt als eine der wichtigsten Quellen für die Zeit von 1245 bis 1350 mit Schwerpunkt auf dem Oberrhein, ab 1328 vor allem auf Straßburg. Die Chronik ist in mehreren Redaktionen überliefert, wobei Ergänzungen nach 1355 wahrscheinlich nicht von Matthias selbst stammen. Lange wurde die Autorschaft angezweifelt und stattdessen Albert II. von Hohenberg vermutet, heute gilt Matthias jedoch als unumstrittener Verfasser. Er konnte sich auf gute Quellen stützen. Im Zentrum stehen politische Ereignisse, daneben auch die adlige Lebenswelt, ein Pestausbruch und Judenpogrome.
Matthias stammte aus einer patrizischen Familie der Stadt Neuenburg. Als bischöflicher Beamter war er Kleriker, hatte aber nur die Niedere Weihe und war deshalb nicht an den Zölibat gebunden. Er heiratete Elisabeth aus dem einflussreichen Basler Geschlecht der Münch. Bekannt sind zwei Söhne: Mathias, der Geistlicher wurde, und Heinzmann, der 1370 aus Straßburg verbannt wurde.