Kontextartikel2 Min. Lesezeit

Merowinger

fränkische Herrscherfamilie von Mitte des 5. Jahrhunderts bis 751

ie Existenz der Merowinger ist historisch gesichert erst ab dem 5. Jahrhundert, mit dem Grab Childerichs I. in Tournai, das 1653 gefunden wurde. Childerich bezeichnete sich als rex und war Fürst der Salfranken, vermutlich Sohn Merowechs. Er kämpfte als Föderatenführer für Westrom und stützte seine Macht auf römische Rüstungsbetriebe in Tournai. Sein Sohn Chlodwig I. herrschte von 481/482 bis 511, beseitigte 486 Syagrius und siegte über Sigibert von Köln, Ragnachar, Chararich, die Alamannen und die Westgoten. 507 tötete er den Westgotenkönig Alarich II. und eroberte das südliche Gallien. Chlodwig teilte das Reich unter seinen vier Söhnen Theuderich I., Chlodomer, Childebert I. und Chlothar I., bis Chlothar I. es von 558 bis 561 wieder vereinigte. Später zerbrach die Einheit erneut in die Teilreiche Austrasien, Neustrien und Burgund, die bis 613 gegeneinander Krieg führten, bevor Chlothar II. nach der Ausschaltung Brunichilds die Macht über das Gesamtreich zurückgewann.

Das merowingische Verwaltungssystem orientierte sich zunächst am spätrömischen Vorbild, mit Referendarii in der königlichen Kanzlei und fortdauernder Rolle des gallorömischen Senatsadels. Zentral für die Verwaltung waren die Städte, in denen ein comes civitatis als königlicher Statthalter wirkte. Mit der Schwächung der Königsmacht im 7. Jahrhundert verschob sich das Machtgefüge zugunsten der Großen. Seit Chlothar II. und Dagobert I. waren nicht mehr königliche Beamte, sondern Bischöfe für die Steuererhebung zuständig, und 614 musste Chlothar im Edictum Chlotharii den Großen Konzessionen machen. Am folgenreichsten war, dass die Hausmeier die Kontrolle über den fiscus gewannen und die Könige finanziell abschnürten.

Der Name Merowinger erscheint erstmals um 640 bei Jonas von Bobbio. Die Herkunftssage, überliefert in der Fredegar-Chronik des 7. Jahrhunderts, berichtet von Chlodio, dessen Frau am Meer einem Ungeheuer namens Quinotaurus begegnete und darauf Merowech gebar, den Großvater Chlodwigs I. Karl Hauck deutete diese Erzählung als Beleg für ein altes germanisches Sakralkönigtum und verwies auf ein goldenes Stierhaupt im Grab Childerichs I. Alexander Murray widersprach dieser Sichtweise 1998 vehement und erklärte die Erzählung als gelehrten christlichen Deutungsversuch des Namens Merowech ohne heidnischen Hintergrund.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel MerowingerVersionsgeschichteBearbeitungsstand 270397548redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Johann Gustav Droysenentstanden 1886Public domainQuelle