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Karolinger

fränkisches Adelsgeschlecht

Der Name

ur Zeit ihrer Herrschaft wurden die Karolinger in den Quellen oft als Nachkommen Karls des Großen bezeichnet. Den Begriff Karolinger als Bezeichnung für einen Abstammungsverband gab es noch nicht. Er wurde erst nachträglich eingeführt, mit Bezug auf die Rolle Karls des Großen als Urahn und auf den Leitnamen Karl. Im Ostfrankenreich tauchte in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts bei Widukind von Corvey die Bezeichnung Karoli auf. Um 965 nannte er den 911 gestorbenen letzten ostfränkischen karolingischen König Ludwig das Kind „ultimus Karolorum apud orientales Francos“, Letzter der Karle bei den Ostfranken. In Frankreich, wo die Herrschaft 987 geendet hatte, bezeichnete Richer von Reims die Könige der Vergangenheit als „Karle“. Daraus wurden die lateinischen Formen Karlenses, Karlingi, Karolini und Karolingi, woraus das deutsche Wort abgeleitet wurde.

Von den Hausmeiern zum Königtum

Ahnherren der Karolinger waren Arnulf von Metz aus dem Geschlecht der Arnulfinger und Pippin der Ältere aus dem Geschlecht der Pippiniden. Ab 639 herrschten die Karolinger mit Unterbrechungen im Frankenreich, jedoch nicht als Könige, sondern als Hausmeier der Merowinger, deren alleiniger Anspruch auf die Königswürde weiterhin respektiert wurde. Bis zur Mitte des achten Jahrhunderts baute das Geschlecht seine Macht so weit aus, dass es sich des nominellen merowingischen Königtums entledigen konnte. Pippin der Jüngere wurde 751 mit päpstlicher Unterstützung von den fränkischen Adligen zum König der Franken akklamiert, der letzte Merowinger wurde abgesetzt. Man nahm ihm symbolisch das Königsheil: Seine Haare wurden geschoren, er wurde in ein Kloster verbannt.

Der Dynastiewechsel bedeutete eine mit dem Gedanken des Gottesgnadentums begründete Abweichung von der Vorstellung des Geblütsrechts. Diese blieb weiterhin lebendig und wurde nun auf die neue Dynastie übertragen. Pippins Sohn Karl wurde im Jahr 771 Alleinherrscher über das Frankenreich. Sein Ziel war es von Anfang an, alle germanischen Stämme in einem Reich zu vereinen. Mit der Unterwerfung der Bayern und der Langobarden erreichte er es fast. 32 Jahre später unterwarf er die heidnischen Sachsen, die danach christlich werden mussten. Am 25. Dezember 800 wurde Karl in Rom von Papst Leo III. zum Kaiser gesalbt und gekrönt. Bald darauf wurde er auch als Karl der Große bezeichnet.

814 folgte Ludwig der Fromme als Kaiser, da Karls ältere Söhne Karl der Jüngere und Pippin der Bucklige bereits vor Karl verstarben. Noch zu Lebzeiten Ludwigs erhoben sich seine Söhne Lothar I., Ludwig II., Pippin und Karl II. der Kahle in verschiedenen Koalitionen gegen den Vater und bekämpften sich gegenseitig. Der Rang des Kaisers, den Lothar seit 817 als Mitkaiser seines Vaters innehatte, wurde nie in Frage gestellt. 843 einigten sich die drei übrig gebliebenen Brüder Lothar I., Ludwig II. und Karl II. im Vertrag von Verdun auf eine Teilung der Herrschaft, jedoch nicht des Reiches. Nachdem Lothars Söhne ohne Erben verstorben waren, wurde die Herrschaft im Vertrag von Meerssen 870 zwischen Karl II. und Ludwig II. erneut geteilt.

Karl III. der Dicke, König von Ostfranken, einte 885 kurzfristig beide Teile Frankens. Als Kaiser folgten ihm Arnulf von Kärnten und Ludwig III. der Blinde. Danach erloschen die Karolinger als Kaisergeschlecht. Das Geschlecht beherrschte in unterschiedlichen Konstellationen bis 987 Mitteleuropa und prägte die frühmittelalterliche Welt entscheidend mit. Das fränkische Erbschaftsrecht sah keinen automatischen Primat des Erstgeborenen vor; so wurde das Frankenreich nach dem Tode Karls des Großen mehrfach geteilt. Der Vertrag von Verdun 843 kann als Ausgangspunkt der Länderentstehung Frankreichs und Deutschlands angesehen werden. Mit den Teilungen und dem Vertrag von Coulaines im westlichen Frankenreich ging ein Machtzuwachs des fränkischen Adels einher, der stets versuchte, Teilungspläne zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

Der Einfluss der Karolinger auf das Angesicht Europas sollte noch auf über 1200 Jahre hinaus sichtbar sein. In ihrer Herrschaft liegt auch der Ursprung der föderativen und dezentralen Verfassung und Herrschaftsausübung auf dem Gebiet des heutigen Deutschland. Als die ostfränkische Linie 911 mit Ludwig dem Kind ausstarb, folgte erst mit dem Frankenherzog Konrad I. ein Konradiner, ab 919 mit dem Herzog der Sachsen Heinrich I. die Liudolfinger, die später Ottonen genannt wurden. Im Westfrankenreich waren noch bis 987 Karolinger an der Macht, dann wurden sie von den Kapetingern verdrängt.

Der Stil der Baukunst dieser Zeit, eine Form der Vorromanik, wird karolingischer Baustil genannt. Die zur Zeit Karls des Großen entstandene Buch- und Verwaltungsschrift wird als karolingische Minuskel bezeichnet. Wichtige erzählende Quellen sind unter anderem Einhards Biographie Karls des Großen, diverse Annalen, darunter die sogenannten Reichsannalen, die Metzer Annalen, die Annalen von St. Bertin und die Annales Fuldenses, mehrere Chroniken wie die des Regino von Prüm sowie Nithards Historien.

Die Grafen von Vermandois

Während die herrschenden Linien erloschen, überlebte ein Zweig der Karolinger, die Grafen von Vermandois, selbst das Haus der Liudolfinger, die die Karolinger in der Herrschaft über das Ostfrankenreich abgelöst hatten. Diese Linie leitet sich von Bernhard ab, Unterkönig von Italien von 812 bis 818. Bernhard war ein außerehelicher Sohn des Pippin, der von 781 bis 810 Unterkönig von Italien war, und ein Enkel Karls des Großen. Der letzte männliche Nachkomme dieses Hauses und damit der Karolinger, Graf Eudes, starb nach 1085. Seine Schwester Adelaide, Gräfin von Vermandois und Valois, gestorben 1120/24, brachte diese Grafschaften in ihre Ehe mit Hugo von Frankreich ein, geboren 1057, gestorben 1101, der das zweite Haus Vermandois begründete.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel KarolingerVersionsgeschichteBearbeitungsstand 267200945redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Ekkehard von Auraentstanden 1101–1200Public domainQuelle