Philipp IV. (Frankreich)
König von Frankreich (1285–1314)
Verhältnis zum Reich
eit Beginn des 13. Jahrhunderts wandelte sich das Verhältnis zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich, da die kaiserliche Zentralmacht nach dem Ende der Staufer 1250 und dem Interregnum verfiel. 1273 bewarb sich Philipp III. um die römische Königswürde, unterlag aber Rudolf von Habsburg. Philipps Engagement im flämisch-lothringischen Raum führte zu Konflikten mit Reichsfürsten wie Graf Heinrich III. von Bar und Herzog Johann II. von Brabant. König Adolf von Nassau schloss sich 1294 dem Bündnis gegen Frankreich an, wurde aber durch französisches Gold und päpstlichen Druck neutralisiert. Zu König Albrecht I. blieben die Beziehungen freundlicher; 1299 bei Vaucouleurs vereinbarten beide Herrscher Gebietsabtretungen des Reiches an Frankreich, die 1301 im Vertrag von Brügge besiegelt wurden.
Der Bruch mit dem Papst
Nach dem Tod Pierre Flotes bei Coutrai übernahm Guillaume de Nogaret dessen Stellung als erster königlicher Rat. Im Frühjahr 1303 berief Philipp im Louvre eine Versammlung der Pairs und Prälaten, vor der Nogaret den Papst der Häresie beschuldigte. Die Versammlung erkannte Bonifatius VIII. nicht mehr als rechtmäßiges Kirchenoberhaupt an und ermächtigte Philipp, eine Kirchenversammlung zur Wahl eines neuen Papstes einzuberufen. Nogaret reiste nach Italien und suchte Verbündete unter den Gegnern des Papstes aus dem Hause Colonna. Bonifatius versuchte vergeblich, den römischen König Albrecht I. für sich zu gewinnen, und zog sich im Sommer 1303 nach Anagni zurück, wo er für den 8. September die Exkommunikation Philipps plante.
Das Papsttum in Avignon
Nach Bonifatius’ Tod nahm Benedikt XI. jede Maßnahme seines Vorgängers gegen Philipp zurück, starb aber 1304, angeblich durch Gift. Im fünfzehn Monate dauernden Konklave in Perugia, dominiert von französischen Kardinälen, wurde der Erzbischof von Bordeaux als Clemens V. zum Papst gewählt. Er hatte Philipp die Aufhebung der Sanktionen versprochen, den Zehnten für fünf Jahre überlassen und ihm ein Mitspracherecht bei Kardinalsernennungen eingeräumt. Wegen der Unruhen in Italien residierte Clemens in Lyon, das noch zum Heiligen Römischen Reich gehörte, und zog 1309 nach Avignon in der Provence, die ebenfalls zum Reich gehörte, aber von der französischstämmigen Königsfamilie von Neapel regiert wurde. Dort, wo Kaiser Heinrich IV. gescheitert war, hatte Philipp IV. triumphiert, und das Papsttum sank zu einem französischen Provinzfürstentum herab.
Das Ende der Templer
Philipp nutzte den neuen Papst zur Zerschlagung des Templerordens, dessen militärische und finanzielle Unabhängigkeit seiner Auffassung königlicher Autorität widersprach. Der Orden kontrollierte die Bankgeschäfte der Krone und war nur dem Papst Rechenschaft schuldig; er hatte zuvor Bonifatius VIII. und Pariser Revolten gegen Philipps Münzverschlechterungen unterstützt. 1295 ließ Philipp den Staatsschatz aus dem Temple in den Louvre überführen. Zudem nutzte er die verbreitete Kritik am Orden, der nach dem Fall Akkons 1291 kein neues Betätigungsfeld gesucht hatte. Nach Anklagen eines Bürgers von Béziers wartete Philipp, bis Großmeister Jacques de Molay einer Einladung Clemens’ V. nach Frankreich folgte. Im August 1307 gab der Papst in Poitiers sein Einverständnis für einen Prozess, und am 13. Oktober wurden die meisten Ordensangehörigen verhaftet.